Ich hasse es wirklich sehr zu warten. Dinge sollten immer dann passieren, wenn ich sie grad gebrauchen kann. Auf den Bus warten, auf einen Freund warten, an der Kasse warten. Warten gehört zum Alltag dazu und trotzdem gewöhne ich mich einfach nicht dran. Ich sitze gerade auf einer Bank und warte auf den Bus eines Freundes und die Menschen um mich herum machen mich echt nervös. Ein Säufer rechts, eine mit sich selbst redende Flaschensammlerin links von mir. Ich will niemanden verurteilen, meist können diese Menschen ja gar nichts für ihren Zustand, aber unbedingt in ihrer Nähe sein, und dann auch noch, um zu warten, muss ich auch nicht.
Noch schlimmer: Auf wichtige Nachrichten warten. Wenn meine Freundin mir erzählen will, wie grad ihr erstes Date mit einer Disco-Bekanntschaft verlief, will ich das sofort wissen und nicht erst nachdem sie es in drei Sprachen übersetzt und als Buch rausgebracht hat.
Noch unangenehmer ist für mich das Warten beim Arzt. Das Wartezimmer, das einen gegeben Falls sogar noch kränker macht, als vorher. Oder das, von dem aus man den Bohrer des Zahnarztes schon hören kann. Am schlimmsten: Das Wartezimmer des Frauenarztes! Entweder, ich sitze da mit schwangeren Müttern, die ihre laut spielenden Kinder ignorieren und wie wild auf ihrem Smartphone rumtippen und immer wieder dem nach dem Smartphone bettelndem Nerventod ein automatisiertes “Nein!” entgegen bringen. Oder ich sitze mit einem Pärchen, das ganz aufgeregt ihrer ersten Untersuchung nach dem positiven Schwangerschaftstest entgegenfiebert, einem Mädchen, das höchstens 12 zu sein scheint und sich wahrscheinlich die Pille verschreiben lassen will, noch besser: mit 90 Jahre alten Damen, bei denen ich, wirklich ohne es zu wollen, über deren bevorstehende Kontrolluntersuchung nachdenken muss. Ich bin meinem netten Gynäkologen schon wirklich dankbar, dass er nicht, wie mein Zahnarzt, Bilder an die Wand hängt, die man heutzutage auf Zigarettenschachteln als Warnhinweis druckt.
Warten während eines Bewerbungsverfahrens, was soll ich sagen? Wer wartet nicht gern eine gefühlte Ewigkeit auf eine Nachricht vom potentiellen Arbeitgeber, der entscheidet, ob man wahrscheinlich für den Rest seines Lebens den Job macht, der einem Spaß macht, oder ob man eben erst irgendwas ohne NC studiert, weil sich nichts besseres anbietet?
Alles das sind Dinge, die mir Zeit rauben, die ich wirklich sinnvoller nutzen könnte.
Warten ist meine persönliche Hölle auf Erden und hinzu kommt, dass ich noch viel öfter in meinem Leben warten müssen werde. Die Öffis und zukünftigen Arztbesuche mal außen vor, allein bestimmte Tage im Jahr machen mich verrückt! Weihnachten, beispielsweise! Ich werde bis an mein Lebensende jedes Jahr Weihnachten entgegen fiebern müssen. Denn öfter als einmal im Jahr, ist halt leider nichts mit Weihnachten.
Nicht nur auf Weihnachten, sondern auch hoffentlich auf weitaus besonderere Tage in der Zukunft muss ich warten:
- Den ersten Hund ins Haus/in die Wohnung holen
- Wieder nach London zu fliegen
- Hochzeit der besten Freundin (und natürlich ihr Junggesellinnen-Abschied!)
- (Vielleicht selbst mal heiraten)
- (Vielleicht selbst mal mit dem Partner beim Frauenarzt im Wartezimmer zu sitzen und der ersten Untersuchung nach dem positiven Schwangerschaftstest entgegenfiebern)
Ich werde noch viel zu oft und viel zu lange warten müssen. Aber Warten in der Zukunft ist meist ein erfreuliches. Freudige Erwartungen, die nicht enttäuscht werden können, weil einem so viel an ihnen liegt, sie sind es mir wert auf sie zu warten.