So richtig weiß das Wetter dieses Jahr nicht, was es will. Nach einem viel zu langen Winter und einem enttäuschenden Frühjahr, hat der Wetterbericht am letzten Wochenende für die kommenden Tage endlich Höchsttemperaturen angekündigt. Nach dem langen und kalten Winter, dachte ich mir: „Immer her damit!“
Im Laufe der Woche hat sich diese Einstellung allerdings stark verändert. Wie es dazu kam, könnt ihr in meinem Wochenrückblick erfahren.
Wie versprochen, zeigt die Sonne sich am Montag von ihrer allerbesten Seite und ist so ambitioniert am Scheinen, dass sich bei mir schon Urlaubsgefühle breit machen wollen als ich in Richtung Uni laufe. Dass sollte sie dann aber auch schon gewesen sein, meine Begegnung mit der Sonne. Die restliche Zeit des Tages verbringe ich mit rauchendem Kopf in der Unibibliothek und vor dem Laptop. Nach einiger Zeit kommt sich der Bildschirm meines Laptops allerdings zutiefst vernachlässigt vor, da mein Blick sich lieber mit dem fröhlichen Treiben draußen beschäftigt. So ganz kann ich das ungute Gefühl einfach nicht abschütteln, dass die Leute draußen einfach viel mehr Spaß zu haben scheinen.
Abends kann ich dann aber auch noch ein wenig das Sommerfeeling genießen. Und der Tag endete wie ein solcher Tag idealerweise enden sollte: vor dem Grill bei entspannten Gesprächen.
Dienstag: Alle sind glücklich nur der Kreislauf nicht
Das Wetter ist nach wie vor sehr motiviert bei der Sache. Es könnte alles so schön sein, wäre da der Kreislauf nicht. Der buhlt inzwischen gemeinsam mit der Sonne um Aufmerksamkeit und macht sich des Öfteren bemerkbar. Aber verständnissoll wie wir Geisteswissenschaftler nun mal sind, nehmen wir Rücksicht auf seine Wünsche und halten uns hauptsächlich im Schatten bewaffnet mit mehreren Trinkflaschen auf.
Mein Tag spielte sich leider wieder hauptsächlich innen ab. Abends nach der letzten Vorlesung, nutze ich aber meine Chance und suche mir ein schattigen Plätzchen im gut besuchten botanischen Garten um dort den arbeitsreichen Tag ausklingen zu lassen.
Mittwoch: Meine Schweißperlen haben Schweißperlen
So langsam geht mir das Wetter ziemlich auf den Keks. Die Urlaubgsgefühle haben längst das Weite gesucht und überhaupt ist nichts mehr paradiesisch an dieser drückenden Hitze. „Bei diesem Wetter, will man nur noch sterben.“, bemerkt ein Komillitone treffend. Aber bitte auch nur dann, wenn man nicht zu sehr schwitzt dabei. Denn egal wie sehr man sich mit Deo einsprüht oder wie oft man sich auf dem WC erfrischt, der Schweißgeruch ist allgegenwärtig.
Als ich nachmittags die Uni verlasse, trifft mich fast der Schlag. An dieser Stelle muss ich die Philfak beziehungsweise den gut klimatisierten Teil, in dem ich mich befand ausdrücklich loben. Hier ließ sich nicht ansatzweise erahnen, welche Apokalypse sich draußen zur gleichen Zeit abspielt. Ich fühle mich wie eine Scheibe Toast, die im Toaster vergessen worden ist. Und dieser verdammte Toaster will einfach nicht ausgehen!
Eigentlich steht heute noch der wöchentliche Einkauf an. Aber jegliche Form der Aktivität scheint bei diesen Temperaturen völlig undenkbar. Aufschieben will ich das Ganze jedoch auch nicht, also trotte ich lustlos zur nächsten Bushaltestelle. Beim Betreten des Busses steigt mir ein bekannter Geruch in die Nase. Kollektivschweiß! Aber selber laufen ist vollkommen absurd, also atme ich durch den Mund. Im Geschäft verbringe ich so viel Zeit vor dem Kühlregal wie nie zuvor und kann mich nur schweren Herzens davon losreißen.
Gestärkt wage ich mich schließlich wieder nach draußen, nur um nach wenigen Metern festzustellen dass meine Wasserflasche leer ist. NEIN! Absolute Katastrophe. Ich würde mich gerne aufregen, aber dazu fehlt mir die Kraft. Ich schleppe mich wieder zur Bushaltestelle und blicke sehnsüchtig in die Richtung aus welcher der Bus kommt. Nichts zu erkennen. So müssen sich die Menschen in der Wüste gefühlt haben auf der Suche nach einer Oase. Wenigstens haben die Kamele…
Nach zehn Minuten des Wartens halte ich es nicht mehr aus, öffne die gerade gekaufte Milchpackung und trinke einen großen Schluck. Tut das gut! Ich muss ein relativ verzweifeltes Bild abgeben, wie ich da ungeduldig am Sicherheitsverschluss rumgeschraubt habe, aber das bin ich ja schließlich auch. Endlich kommt der Bus. Oder ist es nur eine Fata Morgana? Skeptisch warte ich bis sich die anderen Leute ebenfalls in Bewegung setzen. Auf der Rückfahrt nehme ich den Schweißgeruch gar nicht mehr wahr. Vielleicht bin ich einfach zu erschöpft, aber vermutlich haben mich die letzten Tage einfach gegen den Schweißmief immunisiert. Immerhin etwas.
Zu Hause angekommen, erhalte ich eine SMS von einer Freundin. Sie fragt, ob ich mit zu den Lahntreppen möchte. Ich lehne dankend ab. Dass war definitiv genug Hitze für heute. Ich begebe mich unter die Dusche und fühle mich eine viertel Stunde später wieder etwas mehr wie ein Mensch. Ich freue mich über meine verhältnismäßig kühle Wohnung und nachts träume ich von einem Leben als Inuit.
Donnerstag: Ja, wo bleibt denn nun der Donner?!
Nachdem ich am gestrigen Abend exzessiv den Wetterbericht verfolgt habe und meine ganze Hoffnung in das angekündigte Gewitter gelegt hatte, schien der Tag jedoch eher enttäuschend zu werden. Aber man ist ja mittlerweile nicht mehr so anspruchsvoll. Ein kleiner Windhauch ab und an tut es ja auch. Und da zeigt sich das Wetter heute sogar gelegentlich von seiner gnädigen Seite. Nur die dunklen Wolken ziehen stundenlang provokant und verheißungsvoll am Himmel entlang und denken nicht im Geringsten daran ihrer zugedachten Aufgabe nachzugehen. Als ich gegen Abend allerdings ein etwas kühleres Marburg vorfinde und eine kühle Brise mich auf dem Weg nach Hause begleitet, bin ich fast schon wieder versöhnt.
Freitag: Paradiesische Kälte
Mein erster Blick des Morgens gilt meiner Wetter App. Wahnsinn! Temperaturen um die 18 Grad. So lässt es sich leben! Begeistert steige ich in meine lange Hose und überlege noch mir eine Jacke mitzunehmen, halte das in Anbetracht der letzten Tage dann aber doch für übertrieben. Draußen angekommen, stelle ich fest, dass eine Jacke vielleicht doch ganz nützlich gewesen wäre. Durch den Wind ist es doch recht kühl geworden. Fast schon ein bisschen kalt. Ich fühle mich an die Zeit vor dem Kühlregal zurückerinnert und bin glücklich. Wer braucht schon Sommer?!