public bathroom feminism


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public bathroom feminism
Displeased Teeth / Ungehaltene Zähne, Marburg, 2014
Someone, somewhere in this wacky student village has adopted the common tooth as their tag. Props to their creativity, as you don't usually see anthropomorphic teeth outside of dentists' offices, and even then they always look cheery and upbeat (as if to remind you that hey, you're in a shitty place, but things are gonna be alright at the end). The first time I noticed these unhappy yet enthralling little creatures was when I was walking to a building called the Phil-Fak. It was a day after I had my wisdom teeth removed. To my surprise, things had been healing up well and I was barely in any pain - it was more of a dull ache that hurt if I swallowed or popped my ears - but it was tiring. I was taking things slowly, moving more slowly, paying more attention to my surroundings, and that's when I noticed the tooth.
How fitting to see a tooth sprayed on the wall that summed up exactly how I was feeling at that moment in time. Not angry, not writhing in pain, just displeased. Then I noticed another one on another wall not too far away. It's like my wisdom teeth were reminding me that, oh look, we're gone, and you have to suffer for a little bit. Or maybe they were reminding me that they were the ones who were displeased, upset at not being able to cause serious problems down the road. Who knows for sure. Still, it was nice to see these cute but maybe not so cuddly creatures on the wall.
Klo mit Niveau
Wann realisiert man zum ersten Mal so richtig, dass man an der Uni ist? Wenn man das erste Mal schamlos die Vorlesung schwänzt um den Nachmittag in der Sonne zu verbringen? Wenn man in Vorbereitung auf ein Seminar solange am Kopieren ist bis die U-Card verzweifelt um Hilfe glüht? Wenn es sich in der Woche ganz wunderbar anbietet zu feiern, da die Vorlesung am nächsten Morgen nicht vor 12 Uhr beginnt?
Es gibt immer wieder solche und ähnliche kleine Momente, in denen man als Studiumsfrischling feststellt, dass ein neuer Lebensabschnitt begonnen hat. Auch ich stelle in bestimmten Augenblicken immer wieder fest, was es eigentlich heißt Student zu sein. Einer dieser Momente ereignete sich allerdings an einem nicht allzu spektakulären Ort: der Damentoilette der Phiosophischen Fakultät. Dort lag ich keineswegs heulend auf dem Boden und habe mir auf Grund des äußerst fragwürdigen zustandes der Toiletten gewünscht, mich in einer anderen Uni eingeschrieben zu haben. Denn seien wir ehrlich, dieses Bild ließ sich bereits erahnen, als man das erste Mal die schäbige Fassade der Philfak begutachtet hat.
Mir ist allerdings beim Betrachten der Toilettenwände der fundamentale Unterschied zwischen Uni und Schule bewusst geworden. Denn auch wenn ich mich beim Anblick der ganzen Kritzeleien und Aufkleber zunächst schlagartig in die Schulzeit zurück katapultiert gefühlt habe, wird einem auf den zweiten Blick klar, dass die Beschriftungen hier wenig mit denen aus der Schule gemeinsam haben. Während dort Liebeserklärungen, „deine Mudda“ Sprüche und wüste Beschimpfungen das stille Örtchen dominierten, werden in der Philfak Philosophen zitiert, die Existenz von Burschenschaften hinterfragt und zum eigenständigen Denken aufgerufen. Anstatt sich aufs Schlimmste gegenseitig zu beschimpfen, diskutiert man nun so lange miteinander bis dem anderen die Argumente oder der Platz ausgehen. Natürlich gibt es auch Ausnahmen, aber im Großen und Ganzen hat man das Gefühl die Niveauleiter ordentlich nach oben geklettert zu sein.
Und daraufhin habe ich mich gefragt, wie ein solcher Eindruck überhaupt entstehen kann. Immerhin waren die meisten der Toilettenbeschrifter vor wenigen Jahren auch noch Schüler und gehörten vielleicht sogar der "Deine-Mudda-Sprüche-Fraktion" an. Was hat sich also in dieser kurzen Zeit verändert, dass nun stichhaltige Diskussionen die Toilettenwände zieren?
Im Laufe der letzten Semester bin ich zu der Auffassung gekommen, dass es zum einen das Umfeld ist, was sich gewandelt hat. An der Uni ist man unter Gleichgesinnten. Man lernt tagtäglich mit Leuten, die die eigenen Interessen teilen und sich deshalb für den gleichen Studiengang entschieden haben. Das kann unheimlich erfrischend und motivierend sein, wenn man es zuvor gewohnt war, dass ein gewisser Anteil an Schülern einfach nur im Unterricht sitzt, weil ihnen schlichtweg keine andere Wahl bleibt. Dieser Unmut und das deutliche Desinteresse bremst dann leider auch diejenigen aus, die tatsächlich mit Eifer bei der Sache sind.
Und im Studium läuft es eben anders herum. Man fühlt sich regelrecht beflügelt von dem kollektiven Enthusiasmus. Natürlich ist auch hier nicht immer alles eine riesengroße Party. Es gibt immer mal Veranstaltungen, die einem weniger liegen oder Dozenten, die einem irgendwie suspekt sind, aber grundsätzlich ist man den Studieninhalten gegenüber positiv eingestellt und das ist meiner Meinung nach das Entscheidende.
Hinzu kommt dann noch die besondere Weise der Wissensvermittlung im Studium, die zur Nutzung des eigenen Verstandes aufruft. Im Gegensatz zur Schule, in der man hauptsächlich aufnehmen musste, was der Lehrer einem erzählte, fühle ich mich in der Uni viel aktiver in den Verlauf einer Veranstaltung miteinbezogen. All die obligatorischen Referate und Stundenmoderationen beweisen, dass hier nicht bloß Wissen weitergegeben werden soll. Das Hauptaugenmerk liegt auf der kritischen Hinterfragung des vermittelten Stoffes - man soll sich selbst eine Meinung bilden!
Und dass man Züge dieses Prozesses sogar in den Unitoiletten entdecken kann, spricht meiner Meinung nach ganz eindeutig für den Erfolg dieses Konzepts. Wer selbst am stillen Örtchen den Wunsch nach geistiger Betätigung verspürt und andere ebenfalls dazu anregen will, ist eindeutig angekommen in der Welt der Intellektuellen.
Ein Beweis dafür, dass auch in jedem Studenten manchmal noch ein kleiner Schüler steckt, ist allerdings „deine Mudda“, die auch Marburgs Toiletten mit ihrer Anwesenheit beehrt.