Die Frage stelle ich in einem Interview mit Brigitte Baez in der DLF-Sendung "Markt und Medien" gestern. Und ich sage, es sei ethisch in Ordnung, die Täter der Silvesternacht als "Männer nordafrikanischen Aussehens" zu bezeichen.
Sade Olutola
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Die Frage stelle ich in einem Interview mit Brigitte Baez in der DLF-Sendung "Markt und Medien" gestern. Und ich sage, es sei ethisch in Ordnung, die Täter der Silvesternacht als "Männer nordafrikanischen Aussehens" zu bezeichen.
An interactive finance thriller that sounds the death knell for bank secrecy
Glückwünsche an Jakob Vicari (@Vicari) für seinen Erfolg mit dieser Doku beim Deutschen Wirtschaftsfilmpreis. Ein wunderbares und auf kluge Weise interaktives Stück Scrollytelling.
Vergessen Sie Clicks, bauen Sie Communities!
Medienblogger Christian Jakubetz auf der Konferenz “Digitaler Journalismus” des Instituts für Journalistik und Kommunikationswissenschaft heute in Hamburg
Mönche und Journalisten prüfen gemeinsam die Idee eines konstruktiven Journalismus’
„Good news are bad news“ – so lernt es jeder Journalist. Doch Leser, Zuschauer und User erwarten heute neben dem ungeschminkten Blick auf Krisen und Konflikte auch Antworten auf die Frage „Was kann man tun?“ Ebenso diskutieren Journalisten über einen konstruktiven Journalismus, wie ihn der Däne Ulrik Haagerup verficht. Sogar Spiegel-online verordnet sich einen positiveren Blick auf die Welt. Nur: Wie bleiben Journalisten dabei zugleich kritische Aufklärer? Nach welchen Regeln funktioniert ein Journalismus des Guten?
Diese Fragen erörtern Journalisten und Mönche gemeinsam bei der Tagung „Gibt es den Journalismus der guten Nachricht?“ vom 13.-15. 11. 2015 im Benediktinerkloster Königsmünster in Meschede, Sauerland. Es handelt sich um die fünfte Tagung der Reihe „klosterberg 11 – Medien treffen Mönche“. Impulsvorträge kommen diesmal von Dr. Jost Lübben, Chefredakteur der „Westfalenpost“ in Hagen, sowie von Pater Marian Reke OSB.
Die Tagungsreihe ist auf Non-Profit-Basis organisiert. Sie hinterfragt Klischees: Hartgesottene Medienprofis treffen weltabgewandte Denker – stimmt das wirklich? Das Treffen regt Kirchen- und Medienmenschen an, zur Besinnung zu kommen und ihren Standort zu bestimmen.
Anmeldung und Info: Abtei Königsmünster, Bruder Anno, Klosterberg 11, 59872 Meschede, Tel. 0291-2995-210, [email protected]
Vorbereitungsteam der Tagung:
Susanne Schlenga, Redakteurin ([email protected], 02331-917 42 04)
Dr. Christian Sauer, Journalist und Coach ([email protected], 040-50 79 69 04)
Br. Anno Schütte OSB ([email protected], 0291-29 95-0)
Dr. Christoph Werth, Uni Bonn ([email protected], 0361 - 379 47 15)
In Zügen und zu Fuß auf der Autobahn bewegen sich tausende Flüchtlinge seit Tagen gen Norden. Eine zentrale Zwischenstation ist der Bahnhof in Budapest. Unser Autor Frank Keil ist vor Ort und berichtet über seine Begegnungen mit Helfern und Flüchtlingen. Kurz nach Mitternacht. In meiner kleinen, tagsüber so schnuckeligen Straße ist in den verschiedenen Bars auch diese Nacht schwer Party ang ...
Tolles Reportage-Projekt von Frank Keil, dem Hamburger Freien mit der sehr eigenen Stimme: Budapest-Tagebücher.
Beschwingte und inspirierte Diskussion gestern abend beim Blattkritik-Salon Hamburg. In unserem dritten Salon hatten wir mit Max Dax von “Electronic Beats” und Ale Dumbsky von “Read” quasi ein Traumteam zu Gast. Jeder auf seine Weise hat sich die Freiheit erkämpft, seine kreativen Konzepte und Ansichten in die Welt zu bringen. Der eine (Dax) über eine Art Kundenmagazin der Telekom, die ihm dabei viel Freiheit ließ; der andere (Dumbsky), indem er einfach schreibt und druckt und verteilt, was er will. – Für Blattkritiker Michael Hopp, Gastgeberin Elisabeth Frenz und mich als Moderator war das super spannend. 35 Gäste genossen es sichtlich, zwei weitgehend selbstbestimmten und sinngetriebenen Blattmachern zu begegnen. Ein Profi-Gespräch auf hohem Niveau in den schönen Räumen von hoppundfrenz in Hamburg. (Foto: Signe Raunkjaer)
Neulich in Lübeck: Vortrag beim Kooperationsnetzwerk Wirtschaftsförderung über “Starke Texte”. 400 Fachkräfte, Selbständige und Unternehmer interessierten sich für das Thema. Ich sprach über geschriebene Texte, Stefan Goes aus Lübeck über gesprochene. Ein schöner Abend, bei dem wir beiden Referenten das Gefühl hatte, tief in die Sprachwelten der deutschen Wirtschaft einzutauchen. Jenseits von Denglisch und Bürokratendeutsch gibt es dort auch viel zu sagen und starke Persönlichkeiten!
Blattkritik-Salon Hamburg, zweite Ausgabe, gestern abend mit
Bernd Runge, Verleger und Chefredakteur des metroglobalen Männermagazins “Noah”
Jan Thomas, Verleger und Herausgeber von “Berlin Valley News” und “The Hundert”.
Spannende Gäste, spannendes Fachpublikum mit erstklassigen Art Directors und Magazinprofis. Wir drei Blattkritik-Salon-Gründer - Elisabeth Frenz, Michael Hopp (beide hoppundfrenz) und ich – waren hoch zufrieden. Das neu Format findet sich, das Interesse ist groß. Michael läuft als Blattkritiker zu Bestform auf und ist kaum noch zu stoppen, wenn er sich erst mal richtig in ein Blatt reingebissen hat.
Brauchen wir ein “Ratgeber-Watch” als Medienkritik?
Der Trainerkollege Mario Müller-Dofel hat einen Beitrag auf der Online-Seite der Wirtschaftswoche seziert. Da wird mit den allereinfachsten Mitteln das komplexe Phänomen Körpersprache erklärt. Hier Müller-Dofels Kritik.
Mich brachte das auf die Idee, eine regelmäßige Medienkritik für Ratgeber-Seiten anzubieten. Hier mein Kommentar zu Müller-Dofels Text auf www.abzv.de/gespraech:
“Super, dass sich mal jemand mal die Mühe macht, ein Ratgeber-Angebot zu analysieren und zu kritisieren. Es ist teilweise hanebüchen, wie an sich richtige Beobachtungen (z.B. "Körpersprache spielt eine wichtige Rolle in der Kommunikation") in absurd vereinfachte Tipps umgesetzt werden. Dann ist plötzlich alles ganz einfach: Der richtige Satz, die richtige Handbewegung, der passende Gesichtsausdruck - und jedes Problem der Welt ist gelöst. Das ist natürlich Quatsch. Gerade Kommunikation bleibt hoch komplex, selbst wenn man sich lange damit beschäftigt. Forschungsergebnisse, kluge Modelle und daraus generierte Ratgeber-Tipps können wirklich helfen, im Job und im Leben besser zurechtzukommen, aber eben nicht, wenn sie bis zur Unkenntlichkeit vereinfacht werden. Es bräuchte eigentlich mal eine Art Ratgeber-Watch analog zu Bildblog und Lobbycontrol. Das könnte helfen, eine Art Mindeststandard der Differenzierung bei medialen Ratgeberbeiträgen zu verteidigen.”
Erster Blattkritik-Salon Hamburg lotet Spielräume aus
Ein neues Veranstaltungsformat für die Hamburger Medienszene entwickeln – das ist ein ziemlich ehrgeiziger Plan. Gestern abend fand der erste Blattkritik-Salon Hamburg statt, und er war so lebhaft, gedankenreich und voller Begegnungen, wie wir Initiatoren es uns vorgestellt hatten.
Keine Angst vor Robotern!
Spannende Begegnung gestern mit Cord Dreyer, dem früheren Chefredakteur der Nachrichtenagentur dapd (bei einem Vortrag für die Internationalen Journalisten-Programme in Hamburg). Dreyer hat ein Unternehmen für Roboter-Journalismus gegründet – und würde genau das vehement bestreiten. Seine text-on GmbH in Berlin macht aus Daten Texte. Eine erstaunlich gut arbeitende Software schafft es tatsächlich, grammatisch korrekte, sprachlich durchaus variantenreiche Texte aus Excel-Dateien, Datenbanken etc. zu erzeugen. Und zwar automatisch beziehungsweise auf Knopfdruck, wie Dreyer vorführte: zum Beispiel rund 60 kurze Börsenberichte in drei Sekunden.
Roboter-Journalismus ist das, was Dreyer macht, gleichwohl nicht so richtig. Es funktioniert nämlich nur in eng definierbaren Themenfeldern, etwa in der Sport- oder Börsenberichterstattung. Zweitens denkt er bei den Anwendungen weit über den Journalismus hinaus – schon deshalb, weil in den Medien zurzeit nicht genug Geld zu verdienen ist mit so einem Start-up. Da sind Versicherungen, Ärzte und Börsenhändler die besseren Kunden.
Journalismus wird daraus auch deshalb nicht so richtig, weil Dreyers Roboter-Programme „keine Quotes, keine Farbe, keine Emotion“ können, wie er sagt. Also muss die Edelfeder nicht bangen. Roboter schreiben keine klassischen journalistischen Formen. Und sie ersetzen keinen Redakteur oder Reporter.
Dafür können die Programme in Nullkommanichts Texte produzieren, die sonst nie geschrieben würden. Zum Beispiel Spielberichte aller B-Jugend-Kreisklasse-Spiele im Main-Taunus-Kreis. Oder Kurzberichte zur Entwicklung am Immobilienmarkt im Kreis Märkisch-Oderland. Oder Kurzzusammenfassungen aller Geschäftsberichte von börsennotierten Unternehmen in der IHK-Region Nordschwarzwald. Alles standardisiert, aber ordentlich zu lesen und nicht langweilig.
Interessiert jeweils nur ein paar Leute. Die jedoch so sehr, dass sie das Roboter-Geschreibsel unbedingt lesen wollen. Wodurch eine Regionalzeitung ihre Reichweite ein bisschen erhöht. Und mit viel Roboter-Einsatz auch ein bisschen mehr. Und über die Vielfalt der Einsatzmöglichkeiten müsste man ja erst mal nachdenken.
Mein Fazit: Keine Angst vor Robotern! Leute wie Dreyer arbeiten an einer spannenden Innovation, die auch Medienhäusern eine Menge Möglichkeiten bieten könnte. Falls sich dort jemand findet, der mal ein bisschen experimentieren möchte.
Beim Thema Honorare: umschalten auf "Manager"
Interviews machen dem Interviewten Spaß, wenn die Fragen ihn auf neue Gedanken bringen. So ging es mir gerade im Gespräch mit dem Kollegen Benjamin O'Daniel, der für den "Journalist" einen Beitrag zum Thema "Honorare verhandeln" vorbereitet – übrigens im Rahmen einer sehr lesenswerten Serie der DJV-Verbandszeitschrift. Mir wurde noch mal neu klar, wie schwierig es für viele Freie ist, von der Rolle "kreativer Journalist" in die Rolle "mein eigener Manager" umzuschalten. Genau das müssen sie aber tun, wenn ihr Thema besprochen ist und jetzt zu klären ist, was dafür bezahlt wird. Dann geht es nämlich darum, selbstbewusst als Erster die Honorarfrage anzugehen. Wer wartet, bis der Redakteur eine Zahl nennt, hat schon die ersten Euros verloren. Darum soll es auch in meinem Freischreiber-Webinar am Mittwoch, 29.10.14, um 16 Uhr gehen.
Indiecon 2014: ein paar Statements
Hier ein paar Zitate von der Indiecon 2014, einem Treffen der Macher unabhängiger Zeitschriften. (Großes Kompliment an die Brüder Malte und Arne Brenneisen und ihr Team für diese zwei dichten und inspirirenden Tage in feiner Hamburger Location.)
Es sprach "Dummy"-Herausgeber Oliver Gehrs:
"Wer heute ein intelligentes Magazin machen will, muss es ohne Anzeigenkunden machen."
"Zu einem Magazin gehört ein bisschen mehr als ein beseelter Grafiker, der auch noch Freunde hat, die ein paar Texte liefern können."
Es sprach "Brand eins"-Chefredakteurin Gabriele Fischer:
"Offenbar sind Großverlage nicht gerade das Feld für publizistische Innovation. Die haben keinen langen Atem. Es muss sofort laufen."
Es sprach Ale Dumbsky von der Zeitschrift "Read":
"Wir haben keine Lust, irgendwelchen Leuten unseren Kram zu erläutern – egal ob einem Verlag, einer Bank oder einem Investor. Da will ich gar nicht drüber nachdenken."
"Print heißt: Das wird gedruckt. Und dann ist allen klar: Man muss sich mehr Mühe geben."
Es sprach Nikolaus Förster, Chefredakteur von "Impulse":
"99 Prozent der Ideen von PR-Agenturen werden abgebügelt, weil sie absolut irrelevant für einen hochwertigen Journalismus sind."
Der größte Hemmschuh im Online-Journalismus im Moment sind die klassischen Vermarktungsstrukturen.
Jochen Wegner von Zeit-online beim Scoopcamp 2014
Jedes Online-Medium muss seine Identität verstehen und dann aus der Vielfalt der Möglichkeiten die Angebote identifizieren, die man machen will und mit denen man die Seite weiterentwickeln kann.
Anita Zielina von stern.de beim Scoopcamp 2014
Über 'Snowfall' haben die Entwickler gegähnt, für die Journalisten war es ein Urknall.
Jochen Wegner von Zeit-online beim Scoopcamp 2014
Der spröde Charme des Codes: Wie Journalisten mit Programmierern zusammenarbeiten
Hier ein Beitrag von mir, der kürzlich in der Medienzeitschrift “Message” erschienen ist:
Eine App-Entwicklung mit der Redaktion einer Technik-Zeitschrift – das versprach spannend zu werden. Michael Dreyer, Geschäftsführer der Hamburger Softwarefirma Empony, freute sich auf die erste Projektsitzung. Mit der Chefredaktion war alles vorbesprochen, jetzt sollten die Journalisten Ideen für die Inhalte der App liefern. Doch die Redakteure saßen mit verschränkten Armen da. „Jetzt erzählen Sie mal, was da laufen soll, Sie hatten ja Hausaufgaben!“, blaffte einer den Software-Entwickler an.
Toller Auftakt für ein komplexes Projekt. „Auf uns als externe Dienstleister wirken Redaktionen wie eine in sich geschlossene Maschinerie, deren Funktion und Regeln wir nicht kennen“, beobachtet Dreyer. Software-Experten wie er brauchen Erfahrung, Geduld und ein dickes Fell, um mit Journalisten zu arbeiten. Sie treffen auf Projektpartner, die ihnen schlecht organisiert erscheinen und für die der nächste Beitrag und das eigene Standing offenbar immer wichtiger sind als die neue App. Zuweilen müssen sie sogar Hierarchie-Konflikte klären und eine gemeinsame Sprache finden, bevor die eigentliche Arbeit beginnen kann. „In solchen Fällen müssen wir quasi nebenbei ein gutes Projektmanagement aufziehen, damit überhaupt etwas passiert“, stöhnt Dreyer.
Tatsächlich sind Programmierer für viele Journalisten noch immer Wesen vom anderen Stern – und werden deshalb eher als Gegner denn als Partner wahrgenommen. Das ist erstaunlich, denn die Zusammenarbeit mit den Experten von der technischen Seite spielt eine entscheidende Rolle für neue journalistische Angebote und damit für die Medienzukunft. Wer seine Marke weiterentwickeln will, braucht Fachleute, die sagen, was geht und wie es geht. Jemand muss den Weg vom Scribble oder Screen-Dummy zur fertigen App oder Website austüfteln und in Algorithmen umsetzen - das Ganze meist auch noch unter Zeitdruck und bei knappem Budget. Die Inhalte-Produzenten kommen ohne gute Programmierer nicht voran – und umgekehrt.
Das magische Viereck redaktioneller Projekte
Da läge es nahe, für gute Kooperation und reibungslose Abläufe zu sorgen: Jedes Abstimmungsproblem zwischen Journalisten und Entwicklern kostet Zeit und Geld. Egal ob es eine neue Website werden soll, ein E-Magazine, eine App für Smartphone und Tablet, eine interaktive Datengrafik oder ein multimediales Dossier – immer braucht es ein Team, in dem Programmierer zumindest mitwirken. Zusammen mit den Journalisten, den Mediengestaltern und den Kaufleuten im Medienbetrieb bilden sie ein magisches Viereck der Kooperation. Im Idealfall verstehen Vertreter aller vier Seiten ihre Aufgaben in dem Projekt sehr genau. Dann haben sie auch ein Grundverständnis für die Denkweise und die Abläufe der anderen. Im Normalfall jedoch holpert und hakt es mächtig, weil die eine Seite nicht weiß, was die andere tut; weil Ziele und Rollen unklar sind.
Die größte Kluft tut sich dann meist zwischen Journalisten und Programmierern auf, denn ihre Zusammenarbeit ist neu. Print-Redakteure haben schon im Volontariat gelernt, mit Grafikern umzugehen. Fernsehprofis kennen die Eigenarten von Kameraleuten. Die allermeisten Journalisten jedoch müssen sich in die Logik des Codeschreibens von null an hineindenken. Wobei heute niemand mehr fordert, jeder Journalist müsse selbst programmieren können.
Wichtig sei es aber, dass Journalisten „erkennen, was ein technisches Werkzeug leisten kann“, sagt Jeff Jarvis. Künftig müsse zudem jeder Journalist in der Lage sein, „mit Programmierern zu kommunizieren“, mahnt der Journalismus-Professor an der City University of New York. Dafür allerdings ist es hilfreich, sich in einer Programmiersprache wie Javascript oder HTML5 wenigstens einmal versucht zu haben, merkt der britische Onlinejournalismus-Blogger Paul Bradshaw an. Mancher entdeckt dann vielleicht den spröden Charme des Codes.
Begriffsverwirrung: Niemand traut sich zu fragen
In den meisten Projektteams sind Journalisten wie Programmierer durchaus willig, sich zu verständigen. Es fehlt aber schon an einer gemeinsamen Sprache. Das lässt sich gut bei einem Hackathon beobachten, wenn Programmierer und Journalisten unter Zeitdruck neue Ideen umsetzen wollen. Die meist jungen Beteiligten werfen mit Fachbegriffen um sich: APIs, Customizing, Elite-Funktionen. Bittet man die Beteiligten hinterher um Definitionen, stellt sich heraus, dass keineswegs alle das gleiche darunter verstehen. Nachfragen hätten allerdings unprofessionell erscheinen können.
Für einen anderen Weg entschied sich der erfahrene Printredakteur Gisbert Strotdrees, als er in eine Projektgruppe für einen Website-Relaunch berufen wurde. Hover-Effekt, CSS-Focus-State, Canonical tag – das waren Begriffe, die in der Redaktion des Landwirtschaftlichen Wochenblatts aus Münster nicht geläufig waren. „Ich habe dauernd gefragt, was diese Fachbegriffe bedeuten – und vor allem: welche Rolle sie für unser Projekt spielen“, erinnert sich Strotdrees. Weil er neugierig war und mit seiner Unkenntnis nicht hinterm Berg hielt, wurde er zu einer Art Übersetzer zwischen Redaktion und Programmierern. Das wiederum entlastete seinen Projektleiter, den stellvertretenden Chefredakteur Matthias Schulze Steinmann.
Trotz seines Engagements für eine gute Verständigung resümiert Strotdrees: „Ein Relaunch ist kein Stuhlkreis. Eines der vier beteiligten Teams musste die letzte Entscheidungsbefugnis haben. In unserem Fall war klar: Die lag bei der Redaktion, genauer: der Chefredaktion.“ Das Beispiel zeigt: Zur guten Kooperation gehören klare Strukturen. Es braucht mindestens eine Projektkoordination, bei größeren Projekten sogar eine Projektleitung – mit Weisungsbefugnis. Das ist neu für viele Medienhäuser, in denen die so genannte Linienorganisation dominiert, die Einteilung der Redaktion in Ressorts oder Abteilungen. Eine Projektkultur mit flachen Hierarchien und häufig wechselnden Zuständigkeiten, wie sie in Softwarefirmen üblich ist, muss sich in vielen Redaktionen erst noch herausbilden.
Leitung muss sein, flache Hierarchien aber auch
Sicher ist: Ohne erkennbare Leitung zerfasern Projekte, verzögern sich Entscheidungen, werden so genannte Flaschenhälse, vor denen sich Aufgaben stauen, zu spät erkannt. Das bestätigen Experten wie Jens Radü, Leiter des Multimedia-Ressorts bei Spiegel Online: Er bezeichnet ein professionelles Projektmanagement als „Kernkompetenz für multimediales Erzählen“. Der freie Reporter Jonathan Sachse (Mitautor des viel gelobten „Tour de France“-Specials auf Zeit Online) rät: „Teamstruktur straffen!“ Der Ansatz „Setzen wir uns doch mal zusammen und entwickeln wir was Schönes “ werde der Vielzahl der Beteiligten und deren Interessen nicht gerecht. „Koordination und Zeitmanagement werden immer wichtiger für gute Ergebnisse“, sagt Sachse.
Wer redaktionelle Projekte koordiniert, muss dafür sorgen, dass alle mit ihren Fähigkeiten zum Zuge kommen. Nun haben aber Programmierer in manchen Verlagen das Image unkreativer Verhinderer – ein Fehler, findet Jonathan Sachse. Ein guter Programmierer ist eben kein „Mr Njet“, der dauernd abwinkt, wenn die Redakteure mal wieder auf Höhenflug gehen. Er oder sie ist auch mehr als ein bloßer Umsetzer journalistischer Ideen. Sachse: „Man sollte diese Experten schon früh in den kreativen Prozess mit hineinnehmen – gemeinsam entwickelte Ideen sind oft die besten.“
Das Distanzproblem fängt oft schon bei den Räumen an: Wenn die Redakteure mehrere Stockwerke von den Programmierern entfernt sitzen, erschwert das die Zusammenarbeit. „Journalisten und Programmierer gehören – wenigstens in den heißen Projektphasen – in einen Raum“, sagt Sebastian Horn, Projektexperte bei der Sourcefabric GmbH in Berlin, die Open-Source-Software für Redaktionen entwickelt. Man muss auf Zuruf miteinander arbeiten können: „Aus mancher schönen Idee wird nichts, weil sie am Rande dahingesagt wird und niemand sie aufnimmt“, beobachtet Horn: „Das passiert in einem Projektraum, wo alle vorübergehend vom Arbeitsalltag abgeschirmt sind, viel seltener.“
Fest und frei: das Zusammenspiel funktioniert nach neuen Regeln
Eine zweite informelle Hierarchielinie durchzieht redaktionelle Projekte: Sie trennt Feste und Freie. Wer drin ist im Unternehmen, beansprucht weitergehende Rechte. Wer von außen kommt, muss um seine Position kämpfen. Das sorgt für Reibereien. Auch dagegen hilft jedoch eine professionelle Projektleitung, die Externe integriert sowie Zuständigkeiten und Rollen klärt. Wer Freie wie billige Zuarbeiter behandelt, riskiert, dass kreative Selbständige (egal ob Journalisten oder Software-Experten) sich abwenden und ihre Erfahrung anderswo einsetzen. Für deutsche Verlagshäuser, denen Innovation bekanntlich äußerst schwerfällt, ist das eine veritable Bedrohung.
Digitaljournalistische Projekte können Verlage lehren, das Gegenteil zu tun, nämlich genau hinzusehen, wie Abläufe und Strukturen der Medienproduktion sich zurzeit verändern – von starr zu flexibel und von dauerhaft zu zeitweise. Ohne hoch qualifizierte und selbstbewusste Partner von außen wird man scheitern. Es kommt also darauf an, erfahrene Programmierer und technisch qualifizierte Journalisten anzuziehen und zu binden.
Hat man sie erst einmal im Unternehmen, gilt, was Michael Maness, Leiter des Innovationsprogramms der Knight Foundation, den Medienmanagern zuruft: „Technisch Hochqualifizierte müsst ihr schneller befördern und besser bezahlen!“ Gleichwohl wird es nicht gelingen, alle technische Kompetenz im Haus verfügbar zu halten. Gebraucht wird ein Netzwerk aus festen und freien Kräften, die punktuell gemeinsam Höchstleistung bringen. Und die entscheidenden Impulse dafür müssen aus der Redaktion kommen; sie muss das Netzwerk als starker Kooperationspartner zusammenhalten.
So weit ist man vielerorts noch nicht. Software-Entwickler Michael Dreyer von Empony hat sich vorerst daran gewöhnt, dass Redaktionen schwierige Partner sind. Die üblichen Wirren am Projektstart nimmt er gelassen. Geduldig klärt er Ziele und Abläufe mit allen Beteiligten. Aber ganz gibt er die Hoffnung noch nicht auf, dass die Redaktionen ihr Projektmanagement professionalisieren: „Es wächst ja eine Generation nach, die schon im Studium mit Programmierern zusammenarbeitet – die werden hoffentlich einmal als Brückenbauer fungieren.“
Fünf Tipps für eine gute Projektleitung
Nicht aufblähen! Das Kernteam eines Redaktionsprojekts sollte nicht mehr als acht bis zehn Personen umfassen. Sind mehrere Teilteams beteiligt, muss es eine Steuerungsgruppe geben.
Fragen! Ermutigen Sie alle dazu, Verständnisfragen zu stellen. Begriffe müssen klar definiert werden. Oft hilft eine „Wand der Begriffe“ im Projektraum oder ein Glossar im Intranet, in der Dropbox oder auf Trello.com.
Weißwurst-Prinzip: Projektarbeit braucht Phasen der Ideensuche, in denen alles erlaubt ist. Und ebenso Phasen des Aussortierens, Entscheidens und Abarbeitens. Diese Phasenfolge muss die Projektleitung gestalten. Grafisch dargestellt sähe der Verlauf aus wie die Produktion einer Weißwurst: ausweiten, bündeln, ausweiten, bündeln…
Quälgeister vom Tisch! Da die Mitarbeiter in einem digitaljournalistischen Projekt natürlich alle super vernetzt sind, liegen bei Besprechungen jede Menge Smartphones und Tablets auf dem Tisch. Aber Projektzeit ist kostbar. Die Technik gehört in den Hintergrund. Technische Geräte sollten nur erlaubt sein, wo sie unmittelbar zum Erfolg beitragen.
Problem Erlöszwang: Verlage sehen Digitalprojekte oftmals nicht als Experiment mit offenem Ergebnis, sondern als Weg zur raschen Monetarisierung medialer Inhalte. Aber gerade engagierte Journalisten und Social Media-erfahrene Entwickler blockieren, wenn sie unter übergroßen Erlöszwang gesetzt werden. Die Projektleitung sollte Freiräume schaffen und diese verteidigen.
Info zum Autor:
Dr. Christian Sauer ist Journalist und Redaktionscoach in Hamburg. Er arbeitet als Dozent zu Redaktionsleitung und redaktionellem Projektmanagement, Info: www.christian-sauer.net