So, es ist 1 Uhr nachts, ich habe bis soeben mit einem alten Bekannten telefoniert. Ich habe bereits seit einiger Zeit den Gedanken gehegt, zu schreiben, um gewisse Dinge, seien sie aktuell oder aus der Vergangenheit, einfach für mich persönlich zu verarbeiten. Mein einziges Ziel ist es, das ganze komplett ohne Druck anzugehen. Einfacch nur ich selbst zu sein, aus meinem Innersten heraus zu schreiben, was mir gerade in den Sinn kommt. Druck spielt eine viel zu große Rolle in meinem Leben und dem möchte ich mit dem druckfreien Schreiben und #gedankenfliessenlassen entgegen wirken. Tumblr scheint mir hierbei eine ideale Plattform zu sein. Ich hatte zunächst überlegt, einfach nur Tagebuch für mich zu schreiben. Aber ich wusste, wenn ich dem Ganzen nicht einen gewissen “Sinn” geben kann, den ich auch im Außen finden kann (bspw. durch potenzielle Leser, selbst wenn die Anzahl verschwindend gering sein wird aber allein die #möglichkeitdass es jemand lesen könnte), dann würde ich zu wenig Motivation haben, das ganze durchzuziehen. Die gewisse Anonymität aber eben auch gleichzeitig öffentliche Plattform, die tumblr in einem schönen kreativen Rahmen gibt, ist für mich die ideale Kombination. Ich fühle mich schon jetzt wie Zuhause.
Ein wenig “Druck” verspüre ich gerade, weil mein eigentliches Ziel ist, hier auch vergangene und tief in mir vergrabene und verwundente Seiten in mir zutage zu holen, und zu verarbeiten. Ich versuche mir gerade ein bisschen den Druck heraus zu nehmen, indem ich einfach Schritt für Schritt, nach und nach, die Dinge aufschreibe, die mir in den Kopf kommen. Ohne mir zwanghaft zu überlegen, was ich schreiben könnte. Ich bin Mitte 20 und ich weiß seit meiner Jungend, dass in meinem Elternhaus etwas nicht stimmte. Nie durfte ich Freunde einladen, nie durfte ich ausgelassen spielen, immer war irgendwas, wodurch mir das nicht möglich war. Meine Eltern sind sehr herrische und unentspannte Persönlichkeiten. Manchmal Spießer wie sie im Buche stehen. Aber nicht nur das hat mich geprägt. Es war die Erkenntnis,dass sie, beide in ihrer Art und Weise, Narzissten sind. Offiziell diagnostiziert ist das nicht aber es sprechen sämtliche Beschreibungen von Narzissten, narzisstischen Familienstrukturen usw stark dafür (nicht falsch verstehen, ich lehne Selbstdiagnosen eigentlich ab aber es gibt dennoch in dem Fall dem Kind einfach einen Namen und gerade das ist manchmal so unglaublich erkenntnisbringend, wenn man vieles was man fühlte aber nie benennen konnte, einfach benennen kann und sogar erkennt dass man nicht alleine ist). Nunja, in meiner Jugend spürte ich es deutlich und mit 18, in sehr jungem Erwachsenenalter, begab ich mich OHNE Wissens meiner Eltern in eine Psychotherapie. Dort habe ich so unglaublich viele wertvolle aber auch schmerzhafte Erkenntnisse gehabt. Ich weiß noch, in einer meiner ersten Sitzungen erzählte ich meiner Therapeutin, dass meine Mutter wenn sie wütend ist, Müllsäcke auf mich wirft, wenn ich diese raus bringen soll, oder mich schlägt (obwohl ich da schon 18 Jahre alt war), oder sämtliche ihrer schlechten Launen einfach voll an mir auslässt. Seien es Manipulationen, oder willkürliche Verbote, das Einreden von Schuld- und Schamgefühlen oder was auch immer. Eine ihrer Lieblingsbezeichnungen über mich ist, dass ich ein abartiger Egoist bin und mich nicht wundern brauche, wenn ich deswegen im Leben noch heftig anecken werde. Völlig unerwartete und unkontrollierte Wutausbrüche sind jederzeit möglich und meist auch an der Tagesordnung gewesen. Meine Therapeutin brachte nach dieser und vielen weiteren meiner Erzählungen, die meine Mutter beschrieben, den Begriff “Borderline” auf den Tisch. Dieser Begriff war mir zwar bekannt, jedoch meist nur mit der in den Standardmedien verbreiteten Darstellung,dass dies meist Personen sind, die emotional instabil sind und sich deswegen immer selbst verletzten, um sich den Druck zu nehmen. Doch das traf auf meine Mutter nicht zu. Ich recherchierte ausführlich und fand heraus, dass Borderline eine tiefgreifende Persönlichkeitsstörung ist und das selbstverletzende Verhalten nur einer von insgesamt 9 Hauptkriterien zur Diagnostizierung der Krangheit ist. Auf meine Mutter treffen 8 von 9 zu (alle außer das suizidale/selbstverletzende Verhalten):
Impulsivität in mindestens zwei potenziell selbstschädigenden Bereichen, z. B. Geldausgaben, Sexualität, Substanzmissbrauch, rücksichtsloses Fahren, „Essanfälle“. (Beachte: Hier werden keine suizidalen oder selbstverletzenden Handlungen berücksichtigt, die in Kriterium 5 enthalten sind.)
Unangemessene, heftige Wut oder Schwierigkeiten, die Wut zu kontrollieren, z. B. häufige Wutausbrüche, andauernde Wut, wiederholte körperliche Auseinandersetzungen.