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In der Gastronomie ist es tatsächlich nicht sehr schwer, andere Menschen kennen zu lernen. Obwohl ich nicht schüchtern bin, kann ich aber sagen, dass ich introvertiert bin. Das erschwert das Ganze deshalb ein bisschen. Man kommt nicht darum herum, mit den Kunden zu reden, dennoch ist es meistens nicht mehr als Smalltalk.
Seit einiger Zeit kommt eine bestimmte Gruppe von Frauen öfter mal zu uns. Sie sind die Sorte Mensch, die laut beim ruhig sein möglich machen. Fragt einfach nicht. Nachdem ich sie schon zum zweiten Mal in einem relativ kurzen Zeitraum bedient hatte, wollte ich den Versuch wagen, ein wenig mehr ins Gespräch zu kommen - eigentlich das, was man mit Stammkunden tut, wenn man sie allein durch die Verhaltensweise im Restaurant einigermaßen einschätzen kann. So komisch das klingt, denn das ist mit ein paar Menschenkenntnissen gar nicht so schwer. Also begebe ich mich zu ihrem heutigen Tisch, Karten auf dem linken Arm, und begrüße sie.
Die erste, die mir ins Auge fällt: Eine Rothaarige, wahrscheinlich einige Jahre älter als ich. Sie wirkt selbstbewusst und vielleicht sogar ein bisschen eingebildet. Jedoch scheinen die anderen beiden gut mit ihr auszukommen, deshalb bin ich nicht diejenige, die sie bewerten sollte. Nach kurzer Zeit wird mir klar, dass sie gerne und sehr laut von ihren Erlebnissen berichtet, welche mal mehr mal weniger interessant sind. Trotz dessen ein mir sympathischer Mensch.
Die zweite: Eine Blondhaarige. Sie ist die Kleinste von ihnen, aber die, deren Kleidungsstil mir am meisten gefällt. Ironischerweise. Normalerweise achte ich auf so etwas nicht. Mit mehr als zehn Ohrringen und Piercings ist sie fast komplett schwarz gekleidet. Ihr Humor gleicht so ungefähr meinem. Auf die deutsche Art und Weise. Ebenfalls sehr sympathisch.
Die dritte und letzte unter ihnen: Eine Dunkelblondhaarige. Auf dem ersten Blick wirkt sie ruhig und zufrieden. Von ihr wird nicht viel zum Gespräch beigetragen. Das Lächeln auf ihren Lippen ist nur zaghaft zu erkennen und doch strahlt sie nur von Freundlichkeit. Das einzige, das kurz negativ auffällt, ist, dass sie scheinbar nicht so gut mit der ersten Person auskommt, sich jedoch trotzdem zurückhält und keine abfälligen Kommentare loslässt.
Das war das erste Mal, dass ich diese Frau an diesem Abend bewunderte. Und es blieb nicht bei diesem einen Mal. Mein Interesse an der Tischgruppe wuchs, weshalb ich möglichst unauffällig meinen Mitarbeitern unterschwellig immer öfter gezeigt hatte, dass ich sie bedienen wollte. Dies hat auch mehr oder weniger geklappt.
Mit der Zeit fielen mir mehr und mehr Dinge an der Frau auf, die mich erst stutzig machten, dann aber in eine Art Fangirl verwandelten. Erneut etwas ironisches. Ihre ruhige Art mit den anderen beiden umzugehen, das Lächeln, das sie nicht nur mir und meinen Mitarbeitern jedes Mal zuwarf, als wir vorbei liefen oder mit ihr redeten, sondern auch den anderen Gästen, welche ab und zu in die Richtung mussten, um entweder zum Tresen oder zur Toilette zu gelangen, faszinierte mich auf irgendeine Art. Mein Wortschatz reicht leider nicht aus, damit ich das beschreiben könnte. So viele Dinge fielen mir an ihr auf. Nur durch ihr zuvorkommendes Gemüt und die Aura, die einen willkommen fühlen ließ - was mal wieder etwas ironisches ist, denn sie saßen ja schließlich in meinem Restaurant. Wie gesagt, ich kann es nicht gut beschreiben, doch letztendlich darf ich behaupten, dass sie in mir einen Schalter umgelegt hat:
Zwar habe ich schon immer versucht, nett, freundlich und sozial zu sein sowie jedem Menschen, dem ich begegne, ein Lächeln zu schenken, aber ich war noch lange nicht so wie sie. Und das wollte ich lernen. Letzten Endes habe ich mich gut mit den dreien unterhalten und dabei besonders auf sie geachtet. Vielleicht schaffe ich es ja irgendwann anderen ein ähnliches Gefühl zu vermitteln.