I will not go down under the ground, ´cause somebody tells me that death is comin` round. I will not carry myself down to die, when I go to my grave my head will be high. Let me die in my footsteps, before I go down under the ground.
Bob Dylan

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I will not go down under the ground, ´cause somebody tells me that death is comin` round. I will not carry myself down to die, when I go to my grave my head will be high. Let me die in my footsteps, before I go down under the ground.
Bob Dylan
Mein subjektives Ich
Nur mit Verständnis und Respekt vor der Individualität und der persönlichen Natur kann eine Bindung enstehen.
Ich habe das Asperger Syndrom. Aber eigentlich bin ich - einfach ich.
Ich merke selbst oft, dass ich ein wenig anders bin. Das man andere Bedürfnisse, andere Interessen, eben auch eine andere Wahrnehmung hat und eine andere Form der Kommunikation nutzt. Es ist schwer sich selbst zu finden und zu erklären, wenn man nicht konkret weiß, was zwischen einem selbst und den anderen steht. Man kann aus seiner persönlichen Sicht die Welt, die Menschen und die Dinge um einen herum beschreiben. Aber woher soll man wissen, wie der Gegenüber die Welt sieht und empfindet? Wahrnehmung ist immer subjektiv...
Menschen mit gleicher oder ähnlicher Wahrnehmung wie ich sie habe, werden Autisten genannt. Aus ärztlicher Sicht ein sehr unangenehmer Begriff, denn er gehört zu den tiefgreifenden Entwicklungsstörungen. Nach meiner Diagnose saß ich oft da und habe mich gefragt, ob meine Entwicklung tiefgreifend gestört ist.... Heute sehe ich das etwas gelassener. Unsere Gesellschaft ist neurotypisch ausgerichtet und Menschen brauchen oftmals für Andersartigkeit eine Erklärung. Ißt ein Mensch kein Schwein, muss er sich immer wieder mal erklären: Religion, Gesundheit, Vegetarier. Hat ein Mensch ein untypisch europäisches Aussehen, dann wird er zu genüge gefragt, woher er kommt. Das sind Beispiele. Ich denke, die Menschen haben Glück, wenn sie gefragt und nicht vorurteilshaft in eine Schublade gesteckt werden. Ich habe vor ca 8 Jahren eine Melodie nach Gehör auf dem Keyboard gespielt, mir wurden direkt autistische Züge zugesprochen - okay, es hat sich später ja tatsächlich bestätigt - aber hätte ich nicht einfach nur etwas begabter sein können? Nein! Das muss an einer tiefgreifenden Entwicklungsstörung liegen... Unsere Gesellschaft ist so. Es ist egal, ob es etwas positives, etwas negatives, oder etwas legitimes ist - Andersartigkeit heißt Erklärungsbedarf und erst dann Toleranz, Respekt, Rücksichtsnahme oder Anerkennung...
Jetzt stell dir mal vor... nein, ich versuche es andersherum. Wenn Menschen kommunizieren, dann schauen sie sich in die Augen. Ich habe gehört, dass sei eine Geste des Vertrauens und der Aufmerksamkeit und dass Menschen daraus lesen können, wie der andere empfindet. Ein zorniger Blick, ein trauriger Blick, ein vertrauensvoller Blick.... blablablub... Wenn ich jemanden in die Augen blicke, dann schaffe ich das nur für einen kurzen Moment. Ich sehe keinen Blick. Ich kann ihm Gegensatz zu anderen Menschen das Ganze nicht sehen. Dafür sehe ich jede einzelne Farbfasette, Gewebestruktur und Bewegung der Iris und den Glanz der auf dem Augen liegenden Flüssigkeit. Das ist ein sehr überwältigender Anblick für mich. Aber zuviel. Ich kann mich nicht konzentrieren, es überwältigt mich, ich verliere mich in den Farben und Bewegungen und bekomme ein recht haltloses Gefühl. Augenkontakt kann sehr unangenehm sein. Aber schlimmer ist es, wenn man ständig aufgefordert wird, in die Augen zu schauen. Und jetzt mal ehrlich - wozu? Man kann uns noch so zornig, freundlich, anschauen - anhand der Augen lesen wir das nicht ab. Die meisten von uns Autisten, sind dennoch so höflich sich ein gewisses Maß anzupassen um euch zufrieden zustellen und nicht aufzufallen. Denn anders sein ist ja nicht so gut... Viele fixieren sich auf einen Punkt auf dem Nasenrücken oder der Stirn. Zum einen, weil wir keine Lust auf ständige Selbsterklärung haben, zum anderen haben wir schon zu genüge Sätze wie: “Schau mich an, wenn ich mit dir spreche”, “Hörst du mir überhaupt zu?” oder “Hast du etwas zu verbergen, oder warum schaust du mich nicht an?” zu hören bekommen. Ihr, Nichtbetroffenen, braucht diese Bestätigung, ihr wollt unser Gefühlsleben aus unseren Augen lesen und ihr habt ein Problem damit, wenn man euch nicht anschaut - nicht wir... Okay, zugegeben, ein wenig beneide ich diese Form der nonverbalen Kommunikation schon. Manchmal stehen zwei Menschen ein paar Meter voneinander entfernt, schauen sich kurz an und handeln. Für mich hat das schon fast etwas mystisches.
Ein anderer Punkt ist das Empfinden über die Haut und die Wahrnehmung des eigenen Körpers. Ich persönliche bekomme ein sehr gutes Gefühl, wenn mein Partner mich beim Einschlafen fest drückt. Aber bei plötzlichen und meist leichten Berührungen scheint mein komplettes Nervensystem Alarm zu schlagen. Dieses Gefühl ist schwer zu beschreiben. Es ist höchst unangenehm und teilweise sogar schmerzhaft. Manchmal reizt es mich so sehr, dass ich kurz vorm ausrasten bin. Ich muss dazu sagen, ich arbeite entgegen aller Klischees in der Gastronomie. Da kommt einer und tätschelt mir die Hände, die sich auf der Theke befinden. Ahhh, warum??? Woher kommt diese Angewohnheit bei neurotypischen Menschen? Nähe schaffen? Du bist Gast, setz dich, lass uns quatschen, aber behalt dein verfluchten Paddeln bei dir! Dann diese Begrüßung, wenn jemand mit der Hand über die Schulter streicht. WTF???? Wozu? Ernsthaft, wozu??? Das sind Momente, wo sich alle Haare aufstellen und die mich unglaublich viel Energie kosten. Tief einatmen, ruhig bleiben. (Und jetzt stell dir mal bei einer solchen Wahrnehmung eine Situation in einer überfüllten Bahn oder Bus vor....) Händeschütteln versuche ich meist zu umgehen, aber ist aushaltbar. Sinn und Zweck habe ich immernoch nicht ganz verstanden. Vielleicht auch eine Geste des Vertrauens? Persönliche Aufmerksamkeitswidmung? Anstandssache? Auf jeden Fall ein ordentlicher Austausch von Bakterien... Viele Autisten nehmen auch ihren eigenen Körper sehr detailiert und intensiv war. Haare zum Beispiel. Die Bewegung der Haare kann ebenfalls sehr unangenehm sein. Es ist für mich verdammt unangenehm, Haare entgegen ihrer Wachstumsrichtung abzubrausen oder zu bürsten. Und genauso hasse ich es, wenn man mir durch die Haare wuschelt. Und Friseure, die meinen sie tun was gutes, wenn sie die Haare entgegen ihrer Wachstumsrichtung frisieren um mehr Volumen oder sonstwas zu stylen. Ehrlich, nicht jeder Friseur ist zu ertragen.
Töne und Geräusche.... um eines gleich vorweg zu nehmen. Ich höre nichts was nicht da ist, sondern alles und das relativ gleich laut. Du scheinst das filtern zu können - ich nicht. Bin ich auf der Arbeit. Höre ich nicht nur die Gäste sprechen, die Spielautomaten, den Dartautomaten und die Musik. Nein, ich höre auch jedes Handy, jedes Abstellen der Gläser und Flaschen, Zigaretten, Handy und Feuerzeuge und Ellenbogen auf Tisch und Theke, Stühle die hin und her geschoben werden, das Anzünden der Zigaretten, jeden Schritt, die Reibung der Kleidung die bei der Bewegung entsteht, die Uhr, den Reißverschluss, wenn jemand seine Jacke auszieht, die Spülmaschine, den Kühlschrank, die Türe, die Autos, die vorbeifahren, die Leute, die vorbeilaufen und Gespräche führen, die Fahrradfahrer, den Hund, die Toilettenspülung, geöffnete Wasserhähne, Handtrockner, etc. Einfach alles und das gleich laut. Das strengt an. Das strengt unglaublich an. Und macht müde. Sehr müde.
Und dann kommt noch die visuelle Wahrnehmung dazu. Ich sehe auch nichts, was es nicht gibt! Aber Sachen, die dir vielleicht gar nicht auffallen. Das liegt wie schon bereits erwähnt daran, dass meine Wahrnehmung sich nach Details ausrichtet, du allerdings das Ganze wahrnimmst, aber nicht die Details. Glitzernde Partikel auf dem Asphalt zum Beispiel. Das ist nicht schlimm, sie haben mich bisher nicht vom Nachhauseweg abgehalten. Auf der anderen Seite scheinen viele Autisten Probleme mit der Helligkeit zu haben. Einige haben Probleme mit grellen Sonnenschein und können ohne Sonnenbrille das Haus nicht verlassen. Bei mir ist das nicht ganz so dramatisch. Aber ich merke bei nächtlichen Autofahrten als Beifahrer wie sehr mir das Licht entgegenkommender Autos und Lampen zu schaffen machen und ich die Augen zukneifen muss. Bei einem Overload (Reizüberflutung) kann es sogar passieren, dass ich ein klares Weiß nicht mehr ertrage und es mich blitzartig blendet.
Und dann ist da noch ein Problem. Die Kommunikation.... Uff. Gerade als Kind war das durchaus schwierig. Ich habe verstanden, dass eine Frage gestellt wurde, aber den Sinn nicht ganz dahinter. Also kam ein “Ich weiß nicht”... Das bekomme ich heute noch vorgehalten, allerdings vermeide ich diese Antwort inzwischen. Und Sarkasmus und Ironie... Ohne deutliche Betonung sehr schwer zu deuten. Wieso fällt euch eigentlich die direkte Kommunikation so schwer? Das ist wie mit diesen auschweifenden verblümten Formulierungen. Meint ihr etwas anderes, als wenn ihr es direkt kommuniziert? Zwischen den Zeilen lesen... Interpretation.... Und dann heißt es: “Denk doch mal mit”, Sry, aber drückt euch doch einfach klar und verständlich aus.(Manchmal glaube ich, das ist auch eine Kunst für sich) Hat es Sinn und Zweck ein großes Geheimnis zu sein? Ihr sagt etwas, aber das was ihr meint, lest man dann den Augen ab, oder irgendwo zwischen den Zeilen? Und Redewendungen erst! Genauso so eine Interpretationsgeschichte. “Halt die Ohren steif” Ernsthaft? ich habe erst vor 5 Jahren erfahren, dass das heißt, man solle stark bleiben. Ich dachte bislang, ich solle aufmerksam zuhören. Für was sonst hätten die Ohren denn stehen sollen? Ich persönlich bin der Meinung der deutschen Sprache mächtig zu sein und mich klar und differenziert ausdrücken zu können. Vielen von euch fehlt das.
Achja, und dann gibt es da etwas, das geht mir ziemlich auf die Nerven. Autismus ist keine geistige Behinderung und auch keine psychische Erkrankung. Unsere Wahrnehmung in einer nichtautistischen Welt kann uns einschränken. Die gesellschaftliche Vorstellung von Norm und der stetige Erklärungsbedarf aufgrund einer Andersartigkeit ist aber am Anstrengsten. Eine autistische Wahrnehmung ist niemals falsch, sondern anders. Vieles was euch an uns so unverständlich erscheint, erscheint uns genauso unverständlich an euch. So individuell ihr seid, so individuell sind auch wir. So wie wir Geduld und Verständnis für euch aufbringen müssen, solltet ihr das auch für uns tun... mit Toleranz und Respekt gegenüber jeder Individualität
Berührungen können schmerzhaft sein, Augenkontakt unangenehm und intensiv. Autistische Wahrnehmung ist keine Illusion und nicht falsch, sondern anders! Eine Therapie sollte helfen den Umgang mit Empfindungen und Gefühlen zu finden und nicht sie stur zu ignorieren, Schmerz zu ertragen und einen Menschen in den Glauben zu versetzen, dass er falsch funktioniert und diszipliniert werden müsste! Das geht gegen die Würde des Menschen. #FragtWarum @AktionMensch
Der stille Protest, getragen von der Hoffnung, dass Aktion Mensch endlich klare Stellung bezieht. Es ist absolut demoralisierend so ungeprüft und unüberlegt, eine so umstrittene Therapie zu fördern. Es hat Gründe, dass Krankenkassen diese Therapie nicht anerkennen. Wenn Aktion Mensch sich stützend auf die Seite von Autisten stellen möchte, dann wäre der erste Schritt, ersteinmal zuzugeben, unzureichend informiert gewesen zu sein. Sich nun ignorant, schweigend, schuldabweisend und in Sicherheit der Argumentation des Therapeuten der ABA-anbietenden Institution zu stellen, stellt das Vertrauen vieler in Frage.
Sabine Gollmitz beschreibt am 23.11.15 als Gast im Diskussionsforum der AktionMensch einen Vergleich,:
“Ich versuche mal ABA für Erwachsene umzusetzen. ob mir das gelingt weiß ich nicht. Stellen Sie sich vor, sie schreiben gerade an einem Artikel, Sie sind richtig vertieft darin. Ein Kollege fragt, ob Sie Kaffee möchten, Sie stimmen zu. Dann wird der Monitor von ihrem Kollegen ausgeknipst und er sagt, Sie bekommen den Kaffee erst, wenn sie eine Stunde joggen gehen. Sie verstehen nicht warum und wollen dann lieber auf den Kaffee verzichten und weiter an dem Artikel schreiben, aber das wird Ihnen verwehrt. Es gibt jetzt nur noch die Möglichkeit zu joggen, danach den Kaffee zu trinken und dann den Artikel weiterzuschreiben. Nach etlichen Diskussionen, fügen Sie sich und machen, was Ihr Kollege will. Nach diesem anstrengenden Tag kommen Sie nach Hause, wollen nur noch ihre Ruhe habe und das Erlebte mit Ihrem Partner/Partnerin besprechen, doch da bekommen Sie den selben Ablauf präsentiert. Wenn Sie reden oder sich ausruhen wollen, müssen Sie erst 1 Stunde joggen. Auch hier verstehen Sie den Zusammenhang nicht, fügen sich aber irgendwann, denn Sie wollen ja Ruhe haben. So geht das dann so lange, bis Sie es von sich aus machen. Sie verstehen den Zusammenhang nicht, machen es aber. Und dann, wenn Sie es endlich von sich aus machen, folgt dann die nächste unlogische Handlung. Sie sind dann nicht mehr Sie selbst, Ihren sonstigen Ablauf gibt es nicht mehr. Sie handeln so, wie gewünscht, aber verstehen nicht warum sie so handeln. Ich hoffe, dass ich verständlich machen konnte, was mich an ABA stört und warum ich Kinder davor schützen möchte.”
Selbstverständlich gibt es auch vereinzelt Eltern, welche von dieser Therapie profitieren und nun angepasste und funktionsfähige Kinder haben. Allerdings ist es fragwürdig, welche Folgen solch eine Therapie birgt. Als Autist sich entgegen seiner autistischen Wahrnehmung verhalten zu müssen, kann zu Depression, Trauma und Persönlichkeitsstörung führen. Es gibt weitaus sanftere und respektvollere Therapien, welche ebenso zum Erfolg führen. Autisten sollten eine Stimme in dieser Richtung haben, schließlich geht es ja auch um das Thema Inklusion, Teilhabe und Selbstbestimmung.