Der Boden vibrierte nach jedem Einschlag so heftig, das man fast von den Füßen gerissen wurde. Feindliche Artillerie hielt den Beschuss nun schon volle fünf Stunden aufrecht. Bedeckte das gesamte Gebiet mit schwerem Beschuss. Wir konnten nur in unseren Stellungen bleiben und darauf warten was als nächstes passiert.
Die Luft war erfüllt von beißendem Rauch. Seit Tagen brannten Gebäude und der Rauch hielt sich schwer über dem Dorf. Feuerwehren gab es schon lange nicht mehr im Dorf, die die Brände hätten löschen können. Ein Altenheim diente uns als notdürftiges Lazarett. Doch auch dieses Gebäude stand nur noch bedingt. Die Verletzten befanden sich alle in den unteren Ebenen, um sie vor dem Beschuss zu schützen. Wenn der Beschuss mal nachlässt, lassen wir sie raustransportieren, in Sicherheit. Es gab noch eine nahegelegene Stadt die unter der Kontrolle unserer Truppen war. Diese hatten wir zu einer Festung ausgebaut. Mehrere Stellungen, Schützengräben und kleinere Bunkeranlagen befanden sich rund um die Stadt. Zusätzlich geschützt von Luftabwehrraketen. Dort befand sich auch unsere Hauptstreitmacht, sowie unsere Panzerbrigade.
Der Beschuss ließ langsam nach. Es kamen nur noch vereinzelt Granaten herein. Einer unserer Offizier kam auf meine Stellung zugelaufen. "Wir haben einen Funkspruch abgefangen. Es sieht alles danach aus das sie uns stürmen wollen.", sagte er außer Atem. " Schnappen sie sich Ihre Leute und bewegen sie sich 200 Meter weiter und halten die Feuerlinie, Jakobi." kam der Befehl. Unteroffizier Jakobi stand auf, schnappte sich seine Ausrüstung. Den schweren Rucksack, die Schutzweste und sein Sturmgewehr. Wir taten es ihm gleich. Obwohl es uns allen widerstrebte jetzt da raus zu gehen.
Es war ein kurzer lauf bis zur provisorisch errichteten Feuerlinie. Ein kleiner Graben, hinter einem Deich. Unsere MG´s bezogen jeweils an unseren Flanken Stellung. Wir luden unsere Waffen durch und legten uns auf die lauer, bereit, jeden der kam zu töten. "Wartet auf meinen Befehl. Ihr feuert nicht direkt auf Sicht. Habt Ihr verstanden?", raunte Jakobi. "Jawohl!", kam es einstimmig zurück. Langsam kamen Regentropfen herunter. Wir warteten, doch es passierte erstmal gar nichts. Außer das es mehr zu Regnen begann. Es vergingen gefühlt eineinhalb Stunden, als wir in der Ferne ein lautes Brummen hörten. Wir sahen uns an. Das klang wie Motoren. In einigen Augen war Angst zu sehen, Angst nicht zu wissen was da jetzt kam. Nach kurzer Zeit wurde das Dröhnen von Motoren lauter und schon bald konnten wir die Schützenpanzer sehen, die diesen Lärm machten. Aufgrund der schlechten Sicht durch den Regen, haben sie uns noch nicht entdeckt. Jakobi ging an den Funk. "Schützenpanzer etwa 300 Meter vor unserer Position. Erbitten Artillerie Unterstützung, Over." Die Schützenpanzer kamen näher, nicht mehr lange und sie würden uns entdecken. "Jakobi von Artillerie, Artillerie Unterstützung aktuell nicht möglich. Tut mir leid, Over und out." "Scheiße!", fluchte Jakobi. "Macht euch bereit. Seht ihr Infanterie, feuert ihr. Wenn die Schützenpanzer anfangen zu feuern, ziehen wir uns erstmal ein wenig zurück." Wir legen an und bereiten uns seelisch auf das Gefecht vor. Einige flüstern leise Gebete, andere sagen nichts. Ein Schuss löst sich. Dann noch einer. Mich traf eine heiße Patronenhülse. Ich sah einen Feind und eröffnete ebenso das Feuer. Zwei Schüsse und er fiel mit dem Gesicht voran in den Dreck. Mittlerweile feuerte unsere gesamte Feuerlinie. Doch unser Beschuss blieb nicht Unbeantwortet. Die Schützenpanzer eröffnete genauso wie die feindliche Infanterie das Feuer. Der schwere Beschuss der Panzer sorgte dafür, das wir hinter dem Seich in Deckung mussten. Der Lärm war Ohrenbetäubend. Hin und wieder erwiderte einer von uns das Feuer. Jakobi schaute über den Deich und wurde durch den oberen Teil des Deichs direkt in die Brust getroffen. Blut spritzte in meine Richtung und traf warm mein Gesicht. Er rollte getroffen und vermutlich tot in den Graben zurück, wo er regungslos liegen blieb. Ich wischte mir mit meiner Hand durchs Gesicht und schmierte mein ganzes Gesicht rot. Ich griff nach einer Granate. Ein Kamerad tat es mir gleich und wir warfen die scharf gemachten Granaten vor die Schützenpanzer. Einer fuhr über die Granate, die darunter explodierte. Die andere Granate explodierte vor dem Panzer und hinterließ kein Schaden. Das Fahrzeug was darunter getroffen wurde, schien beschädigt. Denn es fuhr nicht weiter. Aber dafür schoss es meinem Kameraden das Gesicht weg. Blut und teile vom Gehirn spritzten komplett umher. Ich blickte nach links und sah das schon mehrere meiner Kameraden schreiend oder regungslos im Graben lagen, der sich nach und nach mit Blut füllte. Eine leise Stimme war durch das Funkgerät zu vernehmen, welches Jakobi noch immer bei sich trug. Da er darauf lag, konnte ich kein Wort verstehen. Plötzlich zerrissen Explosionen die Luft. Es war allerdings keine Artillerie von uns, sondern vom Feind, der den Beschuss auf die Dorfgrenzen wieder startete. Ich schoss nochmal über den Deich und traf zwei Feinde die auf wenige Meter vor unserer Deckung herangekommen waren. Die Schützen Panzer hatten Stellung bezogen und intensivierten den Beschuss auf die Stellungen die hinter uns lagen. Einige Feinde hatten den Deich erreicht und liefen herauf. Ich schoss links von mir einem Feind ins Bein. Er fiel schreiend in den Graben. Doch mehrere kamen herauf. Ich legte mich auf den Rücken, den Deich vor mir im Blick, bereit zu Feuern, als mich eine Kugel unter der Achsel, wo keine Weste war traf. Mir stockte der Atem, kurz darauf wurde es dunkel.