Rache ist ein Gericht, dass am besten nie serviert wird
Achtung! Heftiger Inhalt mit Erwähnung von Vergewaltigung, Folter und Mord
Kalte, graue Kellermauern umringen mich. Ich kannte sie einstmals, so wie das Kloster darüber, doch nun sind sie wie ein Labyrinth aus dem kein Ausweg scheint.
Egal welchen Gang ich entlang eile, Alexander ist stets mit gezogenem Dolch an meinen Fersen und ich erkenne, dass Fliehen sinnlos ist. Die Augen schließend atme ich tief ein, drehe mich um, stelle mich ihm und seinem Zorn.
All die Grausamkeiten von denen ich ihm erzählt habe, all die Strenge, die er durch mich erfahren hat und all die Lektionen die nur dem einen Ziel galten. Rache an meinem Peiniger, seinem Erzeuger - dem Grafen.
Es wahr vor 15 Jahren, jetzt gefühlt wie eine Ewigkeit, dass der Graf sich an mir verging und Alexander in mir heranwuchs.
Natürlich war ich nicht die einzige und für Mädchen wie mich, gab es ein Prozedere und ein Exil bis nach der Geburt in der einsamen Waldhütte.
Ich lief fort, zog Alexander gut versteckt in jenem Wald auf. Speiste ihn mit den Grausamkeiten, die der Graf beging um seine Abscheu zu wecken und zu nähren.
Ich kehte nach einigen Jahren ins Kloster zurück, wohlwissend, dass Alexander sich als Kind schon gut alleine im Wald auskannte und versorgen konnte.
So gewann ich nach und nacht das Vertrauen der Schwestern und des Grafen, der immer noch regelmäßig seinen Trieben nachging, ob man nun wollte oder nicht.
Im Nachhinein betrachtet hätte ich ihn nicht alleine zum Hofe schicken sollen um dort sich als Kammerbursche Zugang zu verschaffen.
Aber was weiß schon eine grämig gealterte, knorrige Hexe wie ich von den Verlockungen mit denen der Graf den Kopf des Jungen herumdrehen kann.
“Hexe, vermaledeite Hexe, koste von deiner eigenen Liebhaftigkeit”, schreit Alexander, als er mir endlich den Dolch ins Herz rammt.
In meinen letzten Sekunden erkenne ich, dass ich keinen deut besser bin als der Graf. Ich freue mich, dass zumindest mein Sohn nun frei von seinem Peiniger ist, auch wenn meine Seele in der Hölle schmoren mag für das, was ich ihm angetan habe.