Das Ich ist nicht Herr im eigenen Haus (5/?)
Ich blieb noch Momente in den Schatten der Gasse, mein Atem angehalten. Mein Date war schon einige Minuten aus meinem Blickfeld verschwunden, dennoch wagte ich keine Bewegung. Ein polterndes Geräusch in meiner Nähe schreckte mich auf, ich huschte zurück auf die Straße, ging schnell wieder in Richtung des Clubs und wünschte mir, meine Absätze würden weniger laut auf die Steine des Weges treffen. Bald sah ich den Türsteher, der seinerseits mich ansah. Als ich schließlich vor ihm stand, nickte er nur und fragte, ob er mir ein Taxi rufen solle. Ich bejahte, fühlte Dankbarkeit in mir aufsteigen und wartete neben ihm auf das Auto. Als ich schließlich im Taxi saß und in das weiche Kunstleder sank, spürte ich, wie schwer mir mein Körper schon seit Stunden war.
Nach einer Nacht, die vor allem von Verfolgungsträumen geprägt war, machte ich mich am nächsten Tag bereit, mich zum Büro zu schleppen. Es war ein grauer Tag, Wolken hingen als Bleidecke über der Stadt und verliehen allem einen tristen Schein. Lustlos wanderte ich zur Haltestelle, lustlos setzte ich mich in den Bus, lustlos öffnete ich die Tür zur unbedeutenden Außenstelle des großen Unternehmens, für das ich arbeitete. Noch eine Stippvisite zur Toilette. Ich betrachtete mein Spiegelbild. Grauer Anzug, weißes Hemd, strenger Dutt, müder Blick. Die perfekte Bürodrohne. Jegliche Spur des gestrigen Abends aus meinem Sein gebügelt.
Noch ehe ich mich an meinen Platz setzen konnte, zitierte meine Vorgesetzte mich mit knappen Worten zu sich. Innerlich verdrehte ich die Augen. Sie war eine Arbeiterbiene von der Sorte, die sich ein bronzenes „f“, das Firmensymbol, ironiebefreit an die Bürouniform aus gestärktem Leinen heftete, damit jeder sehen konnte, wie treu sie der Firma ergeben war.
Sie bedeutete mir, mich zu setzen, schloss die Tür hinter mir. Als ich ein dem sehr harten Stuhl gegenüber ihres Schreibtisch Platz nahm spürte ich einen Stich.
Schwarz.















