“Wenn dat Trömmelsche jeht... “
Die erste Zeit hab ich es erst mal nur für mich getan. Und das war auch schön! Hinter die Schießbude setzen - mit wenig Geduld ein paar technische Übungen vom Lehrer durchziehen und dann einfach nur trommeln, trommeln, trommeln! Ich konnte machen, was ich mir schon sehr lange gewünscht hatte - im eigenen Raum, mit eigenem Set. Wunderbar!
Verlorene Gesichter
Oh Mann, was habe ich das vermisst! Zuletzt in den 90ern und Nullern 8 Jahre in einer festen Truppe gespielt - also richtig mit Ehrgeiz und Produzieren, Einzelaufnahmen, Remixen, Live-Aufnahmen etc. Leider alles vor mp3 und Facebook. Aber gut.
Seit einigen Monaten spiele ich nun wieder in einer Band. Hoooouuuu! DIE BAND! “Wir müssen die Band wieder zusammen bringen!” :-) Ein paar alte Rocker und eine jüngere Dame am Mikro. Sie nennen sich die Lost Faces und haben einen Proberaum mitten auf dem Land, so richtig zwischen den Äckern im Nichts. Eine Wohnung im 1. Stock eines leerstehenden Bauernhauses. Das heißt, wir proben bei Sonnenschein mit offenen Fenstern und Türen und in der Küche nebenan steht ein großer Kühlschrank mit Bier. Rock’n Roll!!
Jetzt spielen wir vor allem anderen nur für den Spaß. Auftritte... ? Nö, warum? Vielleicht mal, wenn wir Bock haben. Wer weiß. Aber im Moment ist es die reine Freude am Zusammenspiel und an Musik. Wichtig für mich, denn ich spiele am Schlagzeug zum aller ersten Mal mit anderen Leuten. Und die sind ziemlich gut.
Learning: Intuition lernt man nicht alleine
Es zeigt sich auch mal wieder: Wenn man mit anderen zusammen spielt, sind die Lernfortschritt überhaupt nicht vergleichbar mit denen, die man alleine im stillen Kämmerlein erzielt.
Es scheint mir ein bisschen wie beim Erlernen einer Sprache a) mit Vokabeltests etc. oder b) im fremden Land direkt. Alleine habe ich mir meist unter der Woche Licks rausgesucht, die ich am Wochenende dann nachgespielt habe. Jetzt, mit anderen zusammen, spiele ich viel mehr instinktiv - manchmal auch Figuren, Breaks etc., die ich mir nie überlegt habe. Einfach, weil es in dem Moment zur Musik passen könnte - und zu den anderen Instrumentalisten.
Das ist allerdings ein Learning, das ich auch schon als Bassist erfahren habe. Ab irgend einem Punkt geht es von selber. Man beginnt zu improvisieren, man verlässt sich auf die eigene Intuition und darauf, dass motorisch geübte Hände und Füße mitziehen.
https://www.youtube.com/watch?v=4o3DIEL9LT0
Learning: 4 Gliedmaßen = 4 Timings
Als Basser hat man es vergleichsweise “einfacher”. Linke Hand ist für die Harmonik zuständig, die rechte für den Rhythmus. Als ich am Schlagzeug angefangen habe, regelmäßig Proben mitzuschneiden, machte ich eine für mich unerwartete Entdeckung: Jede hand und jeder Fuß hat einen ganz eigenen Groove - und der muss nicht zwingend imTakt sein!
Des Rätsels Lösung zeigte sich mir direkt bei den ersten Aufnahmen. Zwischen dem Befehl an die Hand “schlag zu” und dem “Aufschlag” liegt eine Reaktionszeit - und die ist im falschen Timing ungefähr so schwer zu ertragen, wie nicht stimmige Melodie-Instrumente. (Hörbeispiel: Jimi Hendrix in Woodstock. Die zwei Gitarristen liegen ungefähr einen Viertelton auseinander. Das ist die Hölle!)
Vor allem beim Spielen von “Love Machine” von Supermax (oben) fiel es mir wie Schuppen von den Ohren! Die beiden Doppelschläge, die sich durch die gesamten Strophenteile ziehen, können vom Kopf her noch so gut getaktet werden, sie kommen zu spät. Und bei Disco-Nummern sollte man nicht wirklich anfangen zu schleppen!
Alles andere lief ok. Bassdrum, Hi-Hat alles im Fluss aber dann gefühlt Sekunden später ‘pack-pack’. Das klingt regelrecht besoffen. AAAAAHHRRRGGGGH!! Also hinsetzen und üben. Dabei musste ich lernen, so zu spielen, dass es für meinen Kopf insgesamt nicht mehr rhythmisch sauber war - ABER für meine Ohren. Meine linke Hand muss jetzt immer als erste los - schon mal unterwegs sein, während ich den anderen Gliedmaßen die Order ausgebe “los Jungs, der Reihe nach raus!”.
Dabei hätte mir dieses dieses Phänomen gar nicht fremd sein müssen. beim Sprechen auf der Bühne verhält es sich genauso. Um beim Publikum verständlich und in einem normalen Tempo anzukommen, muss man ein ganz klein wenig langsamer sprechen, als es sich für einen selbst richtig anfühlt.
Weiter im Takt...
Und vielleicht spielen wir irgendwann nicht mehr nur im Takt, sondern im Groove. DAS habe ich als ein besonders tiefes Erlebnis in Erinnerung! Wenn man zusammen groovt, dann ist es, als sei man in einer Maschine, die ganz von alleine läuft. Man braucht sich scheinbar gar nicht mehr anzustrengen. Alle Instrumente laufen rhythmisch ineinander und umeinander wie eine Einheit.
Ein nächstes Ziel!! ;-)
















