Beusselstraße. Juli 2026 Außer, wenn Schnee liegt, fahre ich eigtl nur noch mit dem Rad zur Arbeit. Dafür habe ich mehrere Touren, deren eine ich "Die Idyllische" nenne. Und die führt mich an diesem Mülleimer vorbei. Vorbei an einem "Club", auf dem Gelände einer ehem. Tankstelle, in dem man tanzend die Nacht zum Tag machen kann und die Zeit vergessen wie der Mönch von Heisterbach. Nix, was mich interessieren würde. Was ich aber interessant finde, ist, wie die sich da eingebunkert haben mit ihrem "Club". Der Laden ist befestigt wie der Mauerstreifen zwischen Gaza und Ägypten, die Mauerkronen mit Alublechen benagelt, damit die Hand eines Kletterers keinen Griff findet, Teile der Festungsanlage geschätzte vier Meter hoch. Eine (anti-)faschistische Zwingburg an der Grenze zwischen Industriegebiet und Wohnen.
Vielleicht ist das das, was Burroughs mit Junk-Gebieten meinte, die Übergänge zwischen den Stadtvierteln, in denen der erfahrene Süchtige der Neunzehnvierziger das Heroin witterte, während er in seinem dreiteiligen Anzug, mit nem Hut auf der Rübe, durch die Straßen stromerte und versuchte, seine kranken Triebe zu befriedigen, die stärker sind als der Sex und Grundbedürfnisse wie der Hunger. Mich ficht das alles zum Glück nicht mehr an. Ich existiere inzwischen selbstbeglückend. Mir langt der ganze Schwachsinn, der mir durch den Kopf geht, der mir immer wieder unerwartete Glücksgefühle verschafft, während ich durch die Gegend fahre und meine Mitmenschen studiere.
Und abends gucke ich mir meine Frau an und freu mich, sie an meiner Seite zu wissen, das gefährliche Biest – und das ist schon genug.












