Wir erlebten einen Tag. Sagen wir, dass an diesem Tag etwas Wichtiges, Bedeutsames geschah. Etwas, das zum Ausgangspunkt eines Filmes werden könnte, etwas, das in sich den Keim zur Darstellung eines Ideenkonfliktes trägt. Doch wie hat sich dieser Tag nun unserem Gedächtnis eingeprägt? Als etwas Amorphes, Fliessendes, das noch kein Skelett, kein Schema hat. Lediglich das zentrale Ereignis dieses Tages ist zu protokollarischer Konkretheit geronnen, zu einem klaren Gedanken und zu einer bestimmten Form. Vor dem Hintergrund dieses ganzen Tages nimmt sich dieses Ereignis wie ein Baum im Nebel aus. Der Vergleich ist sicher ungenau, da alles, was ich als Nebel oder Wolke bezeichne, natürlich keinesfalls dasselbe ist. Einzelne Tageseindrücke weckten in uns innere Impulse, Assoziationen. Im Gedächtnis blieben die Gegenstände und Umstände als etwas zurück, das keine scharf umrissenen Konturen hat, das unvollendet, fliessend, zufällig ist. Kann ein solches Empfinden mit filmischen Mitteln wiedergegeben werden? Ohne den geringsten Zweifel! Mehr noch: Dazu ist vor allem sie, diese realistischste aller Künste imstande.
Andrej Tarkowskij: Die versiegelte Zeit. Gedanken zur Kunst, zur Ästhetik und Poetik des Films. Berlin: Alexander Verlag 2009, S. 38f.














