Gedanken zum Spiel I
Wann immer ich vom Spiel spreche, meine ich natürlich das Rapgame, hierzulande auch gerne als Mundart-, oder CH-Rap bezeichnet. Ein eigentlich leider ziemlich unbedeutender Zweig der hiesigen (auch weitgehend unbedeutenden) Musiklandschaft, wenn man mal grosszügig von Namen wie Bligg oder Stress absieht. Die haben es nämlich geschaft, in den Mainstream vorzustossen (Ob ich das gut finde sei mal dahingestellt, bzw. ist irrelevant). Anyway. Jedenfalls geniesst das Spiel, repektive einige seiner Protagonisten, seit ein paar Jahren wieder mehr Hype als das zwischenzeitlich der Fall war. Beispiele gefällig? Tommy Vercetti und die ganze EldoradoFM-Entourage (Manillio, Dezmond Dez, CBN), Phumaso&Smack, Cmee, Steezo&Skor, Lo&Leduc, ..... etc. Ebenfalls auf die Liste gehören natürlich Veterane wie Baze, Greis, EKR (letzterer v.a. mit der Temple Of Speed-Reihe) oder auch Gimma. Die sind zwar schon länger dabei als erstgenannte, schaffen es aber trotzdem (oder erst recht) nach wie vor, qualitativ hochwertige Musik zu veröffentlichen. Kommerziell nicht ganz so erfolgreich wie Stress oder Bligg, aber doch so, dass man sie auch ausserhalb des HipHop-Mikrokosmos wahrnimmt.
Nur, wer oder was ist dieser Mikrokosmos überhaupt? Die Szene, die alle immer Scheisse, oder grad gut finden, je nachdem wies um einen selber steht? Wo ist sie, die HipHop-Kultur? Und vor allem: Wer berichtet über sie? - Fragen, die ich mir selber immer wieder stelle und die ich doch nicht so ganz beantworten kann. Vor allem in Sachen Berichterstattung sind wir hierzulande extrem schlecht bedient, denn diese ist - salop gesagt - schlichtweg nicht vorhanden (man ziehe den Vergleich zum nördlichen Nachbarn). Es gibt ganz einfach keine HipHop-Plattform in der Schweiz, die noch irgendeine Relevanz geniessen würde. Nicht im Netz und schon gar nicht im Print-Bereich. Klar, es gab (und gibt?) aightgenossen.ch, ein Internetportal bei welchem man eigentlich schon am Namen ahnt, dass es wohl gänzlich tot sein muss. Und warum dort in der Vergangenheit nur eine handvoll Künstler regelmässig behandelt wurde, muss glaube ich auch nicht mehr diskutiert werden. Was bleibt also übrig? - Print-Medien, die aber mit HipHop so grundsätzlich natürlich nichts am Hut haben. Ergo wird auch dort nur wieder eine handvoll Künstler behandelt, diejenigen nämlich, die für den Feuilleton interessant sind. Nur interessiert sich der Feuilleton eben nicht in erster Linie für HipHop und die HipHopper sich nicht für den Feuilleton.
Dies resultiert dann darin, dass die Künstler sich vor allem selber promoten müssen, was ja in der heutigen Zeit der Social-Networks auch völlig normal und erwünscht ist, nur fehlt dort der natürliche Whackness-Filter. Mir als Fan und Konsument dieser Musiksparte wird es somit nicht unbedingt einfacher gemacht, gute neue Musik zu entdecken, denn von 20 Free-Download-Releases sind nunmal 15 einfach schlecht und von den 5 restlichen sind es dann wahrscheinlich 3 die wirklich hörenswert sind. Zudem habe ich auch nicht unbedingt Lust mich durch irgendwelche Facebook-Pages zu hangeln, um das nächste Mundart-Juwel zu entdecken. Und genau so ergeht es dann auch den lieben 20Minuten-Artikeltippsern, wobei noch hinzukommt, dass diese schlagzeilenorientiert arbeiten. Sprich: Wer am lautesten schreit, bekommt die Aufmerksamkeit. Nur ginge es ja eigentlich drum, wer am besten rappt, nicht wer am lautesten schreien kann.
Dies soll übrigens kein Geheule sein, denn es geht uns ja gut. Besser den je vermutlich. Und all das, was ich hier vermisse, ist ja auch nicht unbedingt notwendig, der Erfolg der erwähnten Artists spricht für sich. Aber ich würde mir trotzdem das eine oder andere kompetente Medium mehr wünschen, welches sich mit unserer Kunstform, oder noch besser, unserer Kultur beschäftigt. Was mir fehlt, ist ein schweizer Pendant zu Falk (mixeryrawdeluxe), Toxic (HipHop.de) oder einer Vis-a-Vie (16bars.de). HipHop-Journalisten, die fähig sind, die kulturelle Signifikanz eines Protagonisten zu erkennen und anhand dieser zu berichten. Auf einen L-Montana, liebe 20Minuten, trifft dies nämlich nicht zu. Sorry.
Yours truly,
Peter Bixxel









