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@politikerfreunde
Fritz Felgentreu (SPD)
Die Idee
"Die da oben", "wir hier unten" - nie schien die Kluft zwischen den Bürgern und den Menschen, die sie vertreten, so weit zu klaffen wie heute. Politiker gelten als geltungssüchtig, kooperationsunwillig und nur um der eigenen Vorteile und der ihrer Partei bemüht. So ein Verständnis ist fatal für eine funktionierende, repräsentative Demokratie.
Gleichzeitig haben es sich Politikerinnen und Politiker aller Parteien angewöhnt, sich nur noch in Floskeln auszudrücken. Die politische Kommunikation ist clean geworden, alles, was an Persönlichkeit anecken und Wähler verschrecken könnte, wird glattgeschliffen. Auf der Strecke bleibt dabei viel zu oft - das Menschliche, das Gefühl, dass "da oben" eben keine seelenlosen Roboter sitzen, sondern Menschen wie du und ich.
Dieses kleine Projekt möchte das ändern. Nicht mit harten, journalistischen Fragen oder persönlichem Seelenstriptease, sondern mit einem Rückgriff auf die Kindheit. In meiner Grundschulzeit gab es eine nette Tradition: Wir haben Freundebücher herumgereicht, um ein wenig mehr von unseren Mitschülern zu erfahren - mein Lieblingsgericht, mein Lieblingsschriftsteller, meine Lieblingsfreizeitbeschäftigung. Harmlose Sachen waren das, die doch manchmal zu überraschenden Erkenntnissen über den Klassenkameraden aus der letzten Bank geführt haben. Genau das möchte ich nun wieder tun... nur unter den Politikern dieses Landes.
So funktioniert’s
Wir lassen ein altes, unverändertes "Das ist meine Schulklasse"-Buch aus den 80ern¹ zirkulieren. Jeder Politiker², der das Buch erhält, darf eine Doppelseite darin gestalten. Dabei steht es ihm offen, welche Fragen er wie beantworten will, ob er sie abwandeln möchte oder den Platz ganz freilässt, ob er ein Foto einklebt, etwas zeichnet oder den Platz freilässt - genauso, wie es schon zu Schulzeiten auch gehandhabt wurde.
Ist er fertig, schießt er mit seinem Smartphone ein Foto von seiner Doppelseite und schickt es an [email protected], wo es auf dem Blog/Tumblr politikerfreunde.tumblr.com erscheinen wird. Dann gibt er das Buch weiter und zwar - ganz wichtig! - an einen Politikerkollegen aus einer anderen Partei! So wiederholt sich das Ganze, bis das Buch voll ist. Der letzte Eintragende sendet das Buch dann an mich zurück.
Auf diese Weise erfährt nicht nur die Öffentlichkeit ein wenig mehr Greifbares über die Menschen, die sie im politischen System repräsentieren sollen, sondern auch Politiker etwas Persönliches über ihre Kollegen, die sie sonst vielleicht nur im Umfeld ihres Berufs wahrnehmen.
Ich würde mich sehr freuen, wenn das Projekt, parteiübergreifend, gelingen könnte. Bei Fragen können Sie sich stets an [email protected] wenden.
¹ Warum gerade dieses Buch? Ganz einfach: Es war das gleiche, das ich selbst zu Schulzeiten hatte. Pure Nostalgie. ² Ich benutze hier der Übersicht halber das generische Maskulin. Selbstverständlich sind alle Geschlechter gemeint.