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[...] “Arbeiterinnen sind zum Verheizen da. Aus dem Tagebuch einer ‘Schokolade’-Arbeiterin” von Beate Soltesz.
Volk
Die Etablierung eines Gewaltmonopols über ein Territorium und die auf ihm lebenden Menschen erfolgt nicht, um sie zu unterdrücken. Ihre Ernennung zu Untertanen oder Bürgern zielt auf ihre Benutzung, fordert tätige Anerkennung der Herrschaft, also Einsatz für deren Belange. Das Interesse an menschlichem Inventar war und ist für keinen Staat mit der Formalität erledigt, die heutzutage in der Ausstellung eines fälschungssicheren Passes zelebriert wird. Umgekehrt: Als Volk bewähren sich Reichs- und Staatsangehörige dadurch, dass sie ihr gesellschaftliches Leben – ihre Arbeit und ihren Erwerb, die Einteilung ihrer Bedürfnisse, damit ihren Verkehr untereinander – so einrichten, wie es die öffentliche Gewalt vorsieht. Deren Maßgaben für das Zusammenwirken der Bürgerschaft, die sich allemal um die Mehrung von Reichtum und Macht der Nation drehen, heißen ,Recht und Ordnung’ und organisieren die Lebensverhältnisse der Landsleute, um aus ihren Leistungen nützliche Dienste für das Programm der Nation zu machen.
Das Volk: eine furchtbare Abstraktion (pdf)
Unbekanntes Flugobjekt
Gefühlsäußerungen betteln um Nachsicht; Argumente erzwingen Einsicht.
Als er sich das Bahnticket nicht mehr leisten konnte gab ihm sein Auftraggeber ein Fahrrad und er fuhr jeden Tag drei Stunden zur Arbeit, arbeitete zwölf Stunden und fuhr wieder drei Stunden zurück.
Krise. Spanien.
Photograph by Massoud Hossaini in Afghanistan after a bombing. This photograph received this year's Pulitzer for breaking news photography.
via Darakshan Raja (fb)
Geld
Der Platz, an dem Waren getauscht werden, ist der Markt. Wer am Markt – gleich, ob es jetzt ein kleiner lokaler oder der große Weltmarkt ist, oder eine Tauschbörse am Internet – etwas erwerben will, muß gleichzeitig etwas anderes dafür hergeben. Er muß also etwas haben, das er eintauschen kann. Wenn er nichts hat, hat er auf dem Markt nichts verloren. Er kann sich also auch von dort nichts holen. Was immer für Bedürfnisse er hat, er kann sie nicht befriedigen. Gleichzeitig haben wir eine Eigentumsordnung, die viele Menschen von jeder Möglichkeit, etwas herzustellen, ausschließt. Die meisten Menschen haben kein Land, auf dem sie etwas anbauen könnten. Sie haben keine Werkstatt, in der sie etwas zusammenbasteln könnten. Sie haben nicht einmal ein Haus oder eine Hütte im Wald, in der sie wohnen könnten. Um an Lebensmittel, Wohnraum oder Gebrauchsgegenstände heranzukommen, müssen sie etwas dafür hergeben – heutzutage ist das Geld. Es wäre aber um nichts besser, wenn Tauschgegenstände aller Art auch auf dem Markt zugelassen bzw. nachgefragt würden, weil die haben sie ja auch nicht. Die meisten Menschen sind von jeder Möglichkeit, etwas Nützliches zu erzeugen, einfach ausgeschlossen.Es gibt ja viele Erklärungen, warum auf der Welt gehungert wird. Sie sind alle falsch. Unter anderem deshalb, weil sie diese grundlegende Gleichung: Um etwas zu bekommen, muß man etwas hergeben, nicht zur Kenntnis nehmen. Da werden logistische und Verteilungsprobleme angeführt, die Natur und ihre Tücken, menschliche Gier und korrupte Beamte, oder eine ungerechte Weltordnung, in der die einen sich überfressen und die anderen deswegen nicht einmal das Nötigste bekommen. Wenn solche Gründe angenommen und anerkannt werden, ist der Tausch und das Prinzip des Eigentums fein heraußen: Sie können nicht der Grund sein. Oft wird eben eine bessere Austausch-Ordnung, ein „gerechterer“ Zugang zu ebendiesem globalen Markt als Lösung für die Ernährungsprobleme der Menschheit angeführt. Dabei muß man, um hungrige Menschen zu finden, schon lange nicht mehr in die Dritte Welt, die Länder der Peripherie schauen. Es gibt, wie man den Medien entnehmen kann, längst in den Zentren unserer Weltordnung, auch hier in Berlin, jede Menge Leute, die Schwierigkeiten haben, sich ordentlich zu ernähren. Zum Beispiel Schulkinder, die zu Hause nichts zum Essen haben und in Schulen und öffentlichen Küchen mit Essen versorgt werden müssen. Und diese sozialen Zustände werden gar nicht verschwiegen, jeder kennt sie. Aber da auch jeder, der das liest oder im Fernsehen sieht, überzeugt ist, daß Tausch und Eigentum notwendig sind, und daß gar nichts produziert würde, wenn es dann nachher nicht mit einem Gegenwert abgegolten wird, so kann man solche eigentlich empörenden Zustände ruhig zur Sprache bringen. Die Medien können sicher sein, daß niemand deswegen an unserem Wirtschafts- und Gesellschaftssystem zu zweifeln anfängt, sondern nur Initiativen fordert, die diese Zustände handhabbar machen. Ich lege deshalb so großen Wert auf den Umstand, daß der Tausch eine Form des Ausschlusses ist, weil heute, angesichts der Tatsache, daß das Geld irgendwie ein bißl in Mißkredit geraten ist, viele Kritiker unseres Gesellschaftssystems die Lösung aller Probleme in einer Rückkehr zu einer Art Tauschwirtschaft sehen, oder zu einem Tauschmittel, das kein Geld ist, sondern irgendein anderer nützlicher Gegenstand. Ich will auch noch darauf hinweisen, daß es vor dem Kolonialismus viele Gesellschaften und Wirtschaftsformen gegeben hat, die von Tausch nichts gewußt haben, und wo die Menschen sich auch irgendwie ernährt und gekleidet haben. Viele der indigenen Bewegungen in Lateinamerika heute zum Beispiel haben es sich zum Ziel gesetzt, das Land, das ihnen im Laufe der Jahrhunderte geraubt worden ist, wieder zurückzubekommen und in Gemeinschaft zu bewirtschaften. Und sie werden brutal niedergemacht von den jeweiligen Regierungen – auch in Venezuela zum Beispiel – weil ihr Begehr eben eine prinzipielle Kritik an Eigentum und Tausch bedeutet und damit die Grundlage der Staaten, in denen sie leben, in Frage stellt.
Die Verteidiger unserer Gesellschaftsordnung hingegen werden nicht müde, darauf hinzuweisen, daß Tausch eine feine Sache ist und am besten mit Geld geht. Damit wollen sie Werbung für das Geld machen. Sie weisen mit allerlei Beispielen darauf hin – kürzlich gab es dazu einen ausführlichen Artikel in der FAZ – daß es furchtbar unpraktisch ist, wenn Leute mit Kartoffeln auf den Markt gehen und diese für Schuhe tauschen wollen.
- A. Lanier
aus: "und weiter"
Die erste Erklärung hält fest, dass gute Argumente hierzulande leider nicht die Welt regieren, sondern Interessen und Zwänge; dass es beim Lernen nicht ums Begreifen, sondern um gute Noten geht, und dass falsche Gedanken eher dazu taugen, sich in dieser Welt als anständiger Mensch vorzuführen, als richtige. Dieser Ansatz ist ziemlich aus der Mode gekommen.
Hirn
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Inhalt:
Günther Grass schreibt ein Israel-Gedicht Lyrisches Leiden an einem Stück deutscher Staatsideologie Joachim Gauck hält eine „brillante“ Antrittsrede Was weiß dieser Mann von dem Land, dem er vorsitzt? Die USA erneuern ihren globalen Führungsanspruch (II) Die USA erneuern ihre Allianz mit Europa Führung per Bündnis Die „indispensable nation“... ... und ihre unverzichtbaren Partner Das Ringen um Führung Unzufriedenheit mit berechnenden Verbündeten Neue Fronten im arabisch-islamischen ‚Krisenbogen‘ Ein Programm des passiven Imperialismus für den Irak „Wir bilden Partnerschaften für die regionale Sicherheit“ „Wir bilden Partnerschaften für unsere gemeinsame Sicherheit“ „Wir bilden Partnerschaften für mehr Handel“ „Wir bilden Partnerschaften für Demokratie“ Die „gemeinsame Vision“ für ein „souveränes Afghanistan“ – Ein Land, ein Auftrag: Übernahme des US-Kriegs gegen den Terror ‚American leadership‘ im Fall Iran: Die Erledigung einer Hauptgefahr für die US-Weltordnung Die iranische Herausforderung Die amerikanische Antwort Der Golfkooperationsrat unter der Führung Saudi-Arabiens – Ein strategischer Verbündeter der Weltmacht mit störenden Eigeninteressen Israel: Amerikas ebenso unbedingter wie schwieriger Alliierter Chronik – kein Kommentar! (1) Kinderüberraschung: Ein kleiner Beitrag zur Gewissensbildung unserer Naschkatzen (2) Fraport erklärt der Region ihren Flughafen: Es war schon immer etwas lauter, Bewohner einer kapitalistischen Metropole zu sein (3) „Kony 2012“ ein Kindermärchen – oder: Wie die Internet-Community gegen das Böse kämpft und was die offizielle vierte Gewalt daran auszusetzen hat (4) Schleckerinsolvenz: Eine selten schöne Pleite (5) Transfergesellschaft – der Streit um die Abwicklung der Schlecker-Frauen (6) „Wir sind es wert“: Die Gewerkschaft Verdi klärt auf über den wahren Wert der Beschäftigten im öffentlichen Dienst – Mickerlohn + 6,42 % : 2 (7) Boni für ‚gute Leistung‘ im Niedriglohnland: Ein Update zur Lohngerechtigkeit rund um die Tarifrunde 2012 (8) Winterkorns „17-Millionen-Gage“: Verdienen „unsere“ Manager, was sie verdienen? ‚Erfolg‘ ‚Risiko‘ ‚Verantwortung‘ ‚Marktwert‘ (9) „Betreuungsgeld“ oder „Herd- und Fernhalteprämie“? Ein demokratischer „Kulturkampf“ um das richtige „Familienbild“ in Deutschland (10) Günther Jauch: „Gestresst – Arbeiten bis zum Umfallen“ – wie man lernt, aus dem Leiden an der Konkurrenz wieder Freude an der Selbstbehauptung in ihr zu schöpfen (11) Die deutschen Medien berichten über den republikanischen Vorwahlkampf in den USA: Demokratie zum Abgewöhnen I. Vorwahlkämpfe der US-Republikaner ums Präsidentenamt – für deutsche Medien das Letzte II. Klappt das? (12) Thilo Sarrazins neues Buch „Europa braucht den Euro nicht“ und Peer Steinbrücks Replik: Die Abrechnung eines Machtpolitikers mit störenden Einwänden gegen ein imperialistisches Währungsprojekt
Toleranz
Täglich melden sich Menschenfreunde zu Wort - mit dem überzeugenden Argument ihrer amtlichen, kirchlichen oder persönlichen Autorität im Rücken -, die zu Rücksichtnahme auf Alte, Ausländer, Krüppel, ledige Mütter und Aids-Kranke auffordern. Die Liste, die da zusammenkommt, haben die an ihre Vergeßlichkeit erinnerten Mitbürger merkwürdigerweise dauernd im Kopf: In den Figuren, die der Toleranz anheimgestellt werden, erkennen brave Deutsche alle die wieder, bei denen sie ein erlaubtes Recht auf herzliche Verachtung und grundsätzliche Mißbilligung haben. Der Personenkreis, der zum Prüfstein dafür erhoben wird, wie ernst wir es mit der menschlichen Qualität unserer Gesellschaft meinen, macht offenbar Erfahrungen, die mit Intoleranz nur matt umschrieben sind. Wo dagegen auch einmal das Wort fällt ‚Auch Türken sind Menschen' und eine Spende abgeliefert wird, da sind Verachtung und gutes Gewissen eine innige Gemeinschaft eingegangen.
MSZ 1987 Ausgabe 10: Toleranz
Vortrag: Die Kritik der Toleranz
Überall gibt es Ärger mit den Ausländern – mehr als lange üblich: In Deutschland, Österreich, den USA (dazu die folgenden Artikel), in Frankreich, das rumänische Roma deportiert, in England, wo eine British National Party Streiks gegen die Beschäftigung osteuropäischer EU-Bürger organisiert; in einer ganzen Reihe weiterer EU-Staaten, wo ausländerfeindliche Parteien Wahlen gewinnen. Immer wieder und immer massiver stören sich politische Parteien und Regierungen am Vorhandensein, an der Zahl oder der Verfassung von Bevölkerungsteilen, die als nicht dazugehörig identifiziert und vom Hauptvolk abgegrenzt werden. Diese Ab- und Ausgrenzung lebt von der Scheidung zwischen zwei Sorten von Menschen, welche niemand anderer als die Staatsmacht in die Welt setzt: Zwischen solchen, die zu ihr gehören, ganz und gar ihrer exklusiven hoheitlichen Gewalt unterworfen sind, also nicht umhinkommen, ihre Ansprüche zu bedienen – sie genießen als Inländer das interessante Recht, im Bereich dieser Hoheit leben zu dürfen. Und all denjenigen, die anderen Staaten angehören und im Land nichts verloren haben, es sei denn, der Staat hat besondere Gründe, ihnen den Aufenthalt dennoch zu gestatten – weil und solange die Fremden ihm von Nutzen sind. Ob und wann sie stören, hängt also auch nicht von ihnen ab.
GegenStandpunkt: Nationalismus global: Der Ausländer und das Problem, das er darstellt
Robben <3
Kapitalismus </3
das neue argument. durchschlagend.
demnächst: Halbzeit
Prüfen, ob das überhaupt geht, was man gerade macht, ist eben ein Widerspruch. Wer sollte diese Prüfung denn durchführen?
Kritik bürgerlicher Wissenschaft: Immanuel Kant, Erkenntnisvermögen – der direkte Weg zum Ding an sich
"Geht" Kommunismus?
Wir tun nicht, was du vermisst, weil wir es nicht nur für sinnlos, sondern für widersinnig halten, Zweifel an der Möglichkeit einer Alternative zur kapitalistischen Ausbeutung dadurch ausräumen zu wollen, dass wir die Schönheiten oder die guten Chancen einer befreiten Gesellschaft ausmalen. Leute nämlich, die die "Überzeugungskraft der zutreffendsten Kapitalismuskritik" daran überprüfen möchten, ob wir ihnen etwas Alternatives bieten können, was ihnen gefällt und realistisch erscheint, verwerfen unsere Kritik - und zwar auf eine ebenso grundsätzliche wie unehrliche Art; mögen sie sich darüber im Klaren sein oder nicht.
1.
Wer nach vernommener Kritik fragt, ob etwas anderes als das Kritisierte überhaupt geht, lässt die Analyse der Ursachen der "systembedingten gesellschaftlichen Übel" stehen, als ob er sie teilen würde. Wäre es so, könnte er aber nicht mehr vernünftig daran zweifeln, dass Anderes als das kritisierte Schlechte möglich ist. Immerhin sind die angegebenen Ursachen keine Naturnotwendigkeiten, sondern beruhen auf gesellschaftlichen Machtverhältnissen, die keineswegs so sein müssen, wie sie sind. Umgekehrt: Wer an der Realisierbarkeit einer Alternative zweifelt, ist nicht davon überzeugt, in den dargelegten gesellschaftlichen Gründen von Zuständen, deren Unzuträglichkeit er zugibt, deren wirkliche Gründe erfahren zu haben. Der ist im Gegenteil davon überzeugt, dass es dafür noch einen ganz anderen Grund als die herrschenden Gewaltverhältnisse geben muss; irgendeine noch nicht erfasste Notwendigkeit, die den kritisierten Zuständen ihre Festigkeit verleiht. Der bestreitet also die Stichhaltigkeit unserer Argumente. Man kommt nicht darum herum, darüber zu streiten.
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