"Ich weiß nicht wo ich heute Nacht schlafen soll Schatz, ich kann nicht nach Hause, das endet im Zweifelsfall nicht gut."
Wir telefonieren, ich bin da schon ein paar Stunden draußen. Alles was mir wichtig ist in meinen Rucksack gepackt, nurnoch weg. Alle meinen Menschis in der Stadt habe ich geschrieben; einen Schlafplatz hat niemand.
Mein Freund redet auf mich ein "Ruf S. an, du würdest dass gleiche für ihn tun."
Und ich rufe dich an und wir telefonieren und beratschlagen. "Wenn du in einer Stunde keinen Schlafplatz hast, hole ich dich zu mir."
Du holst mich ab, 60km einfache Strecke. Du fährst 120km, damit ich einen sicheren Schlafplatz habe an dem ich mich wohl und sicher fühle.
"Brauchen wir ein Navi zu deiner Wohnung?" fragst du als ich in deinem Auto sitze, ich schüttle den Kopf. Du willst mit ihr reden und ich verstehe das. Unterwegs fällt mir meine Zigarette aus der Hand und wir brauchen; du brauchst ewig um den scheiß glühenden Stummel unter dem Sitz zu finden. "Schon okay" sagt deine Stimme, die sich nach Sicherheit, Geborgenheit und Liebe anfühlt.
Du gehst in die Wohnung, redest mit ihr, nennst mir Optionen. Du könntest sie zu einem Freund fahren & ich bleibe in der Wohnung. Wieder Kopfschütteln. Ich will zu dir, raus aus dieser Stadt, bloß nicht in diese Wohnung. Nicht jetzt. Nicht heute. Aber ich werde zurück kehren. Vielleicht morgen schon.
Wir reden die ganze Fahrt. Ich weine, ich schreie, ich schimpfe. Du bremst mich stellenweise, lässt mich aber machen. Irgendwann redest nurnoch du, ich höre dir zu und schweige meistens. Dir zuhören reicht.
Ich lerne deinen Mitbewohner kennen, rolle mich am Sofa zusammen und kann endlich loslassen. Ich habe seit langem nicht mehr so viel an einem Tag geweint. Doch langsam kommt da wieder der Mut und die Kraft zu kämpfen. Nicht jetzt. Nicht heute. Aber ich werde die Kraft haben, um zu kämpfen.
Wir gehen schlafen, es tut gut neben dir einzuschlafen. Ich schlafe wenig und schlecht aber zumindest neben dir und mit dem Wissen, dass alles irgendwie gut werden wird. Nicht jetzt. Nicht heute. Aber es wird alles gut werden.
Wir stehen früh auf, ich wollte zumindest versuchen arbeiten zu gehen. Du hättest mich gefahren, obwohl du eigentlich frei hast.
Es geht nicht und das ist okay. Wir besprechen den Tag, ich schreibe ihr.
Es ist 11 Uhr und wir sind wieder in der Stadt, in meiner Wohnung. Ich rede mit ihr, du hast dich in mein Bett gekuschelt. Es ist ein sachliches, distanziertes Gespräch. Wir klären, wie es mit der Wohnung weitergeht- nicht mehr, nicht weniger. Aber wir klären es, das ist dass wichtigste.
Du nimmst mich danach in den Arm, kraulst meine Haare. Es fühlt sich nach "ich bin stolz auf dich an". Und es tut so gut. Ich liebe dich über alles, du bist mittlerweile mein bester Freund und mein Seelenmenschi. Ich will nie wieder ohne dich.