2/?
Ringos Herz pochte ein bisschen zu schnell.
Er atmete ein bisschen zu unkontrolliert.
Und Ringos Herz brannte viel zu viel.
Er war sich bewusst, dass er einen Drang zur Selbstzerstörung hatte, den hatte er schon immer. Schon in seiner Jugend hatte er sich gezwungen länger wach zu bleiben und früher aufzustehen, weil der Gedanke, dass es seinen Körper fertig machte, befriedigte.
Er konnte nicht sagen warum, aber sein Selbsthass hatte sich früh entwickelt. Er hasste es, dass er sich für Jungs interessierte und nicht leugnen konnte, dass Yannick ihn anmachte. Er hatte soviel probiert um Jungs zu vergessen, doch er konnte nicht.
Und nun war er verheiratet. Verheiratet mit einem Mann, welcher perfekt war. Perfekt für ihn. Ringo konnte gar nicht beschreiben, wie schön er Easy in jeder Situation seines Lebens fand.
Easy wenn er nachdachte oder arbeitete. Wie er sich überlegend auf die Lippe biss, seine Stirn runzelte.
Wenn Easy beim Sex seine Augen schloss, so sinnlich. Das Beben seiner Lippen und sein stöhnen.
Easy wenn er glücklich war und seinen Augen funkelten, sein breites Lächeln und seine Art und Weise wie er suchend zu Ringo sah, um zu überprüfen ob Ringo auch glücklich war.
Easy wenn er traurig war, seine Grünen Augen die wenn er weinte, nur noch grüner herausstachen.
Doch am schönsten war Easys Persönlichkeit. Er war treu, ehrlich, großherzig und hatte immer Verständnis und Spaß.
Easy war der Inbegriff für schön. Und nun hatte er es versaut. Schon wieder .
Dabei konnte er diesmal wirklich nichts dafür. Huber hatte ihn gezwungen sich entweder so zu geben wie er das gerne hätte, oder er würde ganz andere Leute auf Easy hetzen. Auch wenn Ringo ab dem Zeitpunkt angefangen hatte mehr zu trainieren, mehr zu arbeiten und sich gut mit Huber zu stellen, wusste er, dass er weder stark genug war Easy vor mehren „Leuten“ ,wie Huber sie Universal genannt hatte, zu beschützen, noch dass Huber sich dafür interessierte wie gut Ringo zu ihm war oder wie gut er arbeitete. Wenn es sein musste,dann würde Huber ihn dafür bezahlen lassen. Also hatte Ringo sich wohl oder übel dazu überreden lassen, ein Fotoshooting mit einer Frau und ihrem Kind zu machen, und es als unechtes Familienfoto auf deinem Schreibtisch zu platzieren. Als der Investor dann kam, hat er sich dann noch nach dem Meeting ein bisschen mit ihm unterhalten und ihm das Foto gezeigt. Huber hatte ebenfalls mit Larissa als seine Praktikantin und Tochter gezeigt, dass sie sehr wohl Familienorientiert waren, und sehr viel wert darauf legten.
Dass Easy nicht mal genau in so ein Gespräch reingekommen war, war mehr Glück als Verstand. Erfahren hatte Easy es schlussendlich durch Tobias, welcher dem ganzen am Ende doch auf die Schliche gekommen war. Easy hatte nicht lange gezögert und Ringo aus ihrem gemeinsamen WG Zimmer raus geschmissen und sich von ihm getrennt. Die Scheidung wollte er, hatte er geschrien, und dass er es bereuen würde, dass er Ringo geheiratet hatte,weil es doch vorhersehbar war, dass so etwas passieren würde.
War es nicht.
Zumindest fand Ringo das. Er hatte nicht mehr damit gerechnet, dass sein Boss ihm nach so langer Zeit noch mit einer solchen Härte drohen würde. Ausgerechnet ihm damit drohen würde, was nicht nur Ringos Heiligtum war, sondern ebenfalls seine größte Angst.
Das Easy etwas passieren würde.
Er hatte angefangen so über beschützend zu sein, dass es Easy zwischendurch sogar zu viel wurde und er immer wieder gefragt hatte, was eigentlich Ringos Problem war. Ringo hatte nie deutlich geantwortet, sondern nur gesagt, dass er einen schlechten Tag hatte und viel Zuneigung brauchte.
Zuneigung von Easy könnte er jetzt auch gebrauchen.
Doch die würde Easy ihm nicht mehr geben. Er konnte Easy ja nicht einmal die Wahrheit sagen. Huber hatte ihm das verboten. Wahrscheinlich aus Angst, dass seine Freundin Ute das erfahren würde und ihn sofort wieder verlassen würde.
Außer Atem kam Ringo an dem Hotel in dem er Unterkunft gefunden hatte an und bewegte sich gerade durch in sein Zimmer. Er wollte niemanden sehen und einfach nur für sich alleine seine Unterlagen durcharbeiten und dabei frustriert immer wieder hochsehen nur um das Bild von Easy zu sehen, welches früher immer auf seinem Schreibtisch im Büro gestanden hatte.
Es zeigte Easy lächelnd auf dem Steg am See. Es war nur Sekunden zuvor aufgenommen worden, bevor Easy von Ringo ins kalte Wasser geschubst wurde. Erschrocken hatte Easy aufgeschrien und war keuchend wieder aufgetaucht. Ringo konnte sich genau daran erinnern wie Easy zuerst böse aussah, dann aber angefangen hatte zu lachen.
„Du kommst jetzt sofort auch hier rein! Sonst gibt es 6 Wochen lang keinen Sex für dich!“ hatte Easy mit einem halb ernsten halb lachenden Ton gesagt und zufrieden zugesehen, wie Ringo sich seinen Mantel und seine Jacke ausgezogen hatte, und wirklich hinter her gesprungen war.
Ohne nachzudenken.
Sie waren nicht lange zusammen in dem See gewesen, aber die 15 Minuten die sie dort drinnen waren, waren die lustigsten 15 Minuten die er je erlebt hat.
Danach waren sie gemeinsam heraus geklettert und Ringo hatte Easy seinen Mantel ungelegt, damit dieser nicht so fror. Doch Easy war nun mal Easy und konnte das nicht auf sich sitzen lassen. Also hatte er sich als Ringo bereits im Auto auf dem Fahrersitz saß und die Heizung angemacht hatte, rittlings auf seinen Schoß gesetzt und ihn durch kuscheln versucht aufzuwärmen.
Easy war der liebste Mensch auf der ganzen Welt. Und Ringo hatte ihn vertrieben.
Ringo konnte nicht anders, als sich selbst die Schuld an dem Dilemma zu geben. Schließlich hatte er Huber nicht angezeigt, war nicht früher gegangen und hatte Easy nicht mal heimlich etwas gesagt. Stattdessen lies er Easy in dem Glauben, ihn wieder belogen zu haben. Und das alles nur zu seinem Schutz.
Denn er liebte Easy.











