Der Junge und die Vögel
Es war einmal ein kleiner Bub, der hieß Justin. Justin war ein kleiner aufgeweckter Junge, manchmal sehr übermütig, was seinen Eltern nicht immer ganz gefiel. Seine Eltern waren nicht die Lieben von der Sorte, die man so kennt, oh nein, eher das Gegenteil. Kinder stressten sie. Eines Tages war Justin besonders aufgeweckt und voller Energie. Abends schlief er dann voller Erschöpfung ein. Diese Gunst der Stunde nutzten die bösen Eltern und beschlossen ihr friedlich schlafende Kind los zu werden. Sie legten ihn in einen großen geflochtenen Strohkorb und stellten ihn nach draussen ins Dunkle.
Draußen in den Bäumen schliefen ein paar Vögel auf den Ästen und einige sahen immer wieder zu dem Haus rüber. Da entdeckte einer der neugierigen Vögeln den Korb vor der Tür und dachte sich, da fliege ich mal rasch hin, vielleicht ist da ja was leckeres zu essen drin. Er flog also rüber zu dem Strohkorb und entdeckte statt einer leckeren Mahlzeit den kleinen friedlich schlafenden Buben. Das Vögelchen dachte sich, oh nein, welche bösen Menschen stellen denn einen so kleinen friedlichen schlafenden Buben in so einer kalten dunklen Nacht einfach nach draussen?. Er beschloss dem Kind nicht sein Schicksal zu überlassen, nahm den Strohkorb behutsam zwischen seinen Schnabel und flog mit ihm fort. Er flog und flog, bis ihn seine Kräfte verließen. Er flog zu einer kleinen Lichtung, wo alle seine Freunde warteten. "Wo warst du so lange?", fragte einer von ihnen. "Und was hast du dabei?" "Ruhig, ruhig", sagte der kleine Vogel, "du weckst ihn noch auf, schau." Alles Vögel bildeten einen Kreis um den Korb herum und schauten hinein. Plötzlich schlug der kleine Bub die Augen auf. Alle Vögel erschraken und flogen hin und her. Der kleine Bub fing an zu schreien und zu weinen. "Ruhig, ruhig, ihr macht ihm Angst, beruhigt euch alle." Die Vögel gehorchten und setzten sich wieder hin. Inzwischen hörte der kleine Bub auf zu weinen und schaute mit großen Augen die Vögel an. "Hmm, wie mag er wohl heissen?", fragte einer der Vögel. "Schau doch mal im Korb nach ob da was drin liegt", sagte ein anderer. Der Vögel sprang in den Korb und schaute sich um. Doch nichts war zu sehen, außer der kleine Bub und kleine nackige Füße, die der Bub ihm entgegen streckte. "Ihhh, geh mir mit deinen Käsefüßen weg", sagte der Vogel. Da entdeckte er um den Hals des Buben ein kleines Kettchen wo Justin drauf stand. "Ich glaube er heisst Justin", rief der Vogel. Der Bub lachte. Scheinbar schien der Vogel ihm zu gefallen, auch wenn er ihn nicht verstand. "Was machen wir jetzt mit ihm", fragte einer Vogel. "Wir können ihn doch nicht behalten. Wo sind seine Menschen Eltern?" "Bleibt ruhig", sagte der kleine Vogel. "Der Korb stand vor der Tür eines Hauses, wo ich nach Nahrung suchte. Keine lieben Eltern stellen ein Kind in einem Strohkorb einfach nachts nach draussen im dunklen. Es ist kalt. Wir müssen uns um ihn kümmern." Die Vögel steckten ihre Köpfe zusammen. "Nun gut", sagte einer der Vögel, "wir machen es. Von nun an gehört Justin zum Kreis der Vögel. Wer damit einverstanden ist, hebe den Flügel." Alle streckten ihre Flügel nach oben bis auf einer. "Weiss einer von euch Deppen überhaupt wie man sich um ein Kind kümmert?", fragte er. " Er kann ja nicht mal laufen, nur vor sich hin brabbeln und offensichtlich ganz viel sabbern." Die Vögel schauten den kleinen Buben Justin an. Dieser hatte inzwischen den Korb umgeschmissen, ist raus gekrabbelt und knabberte an einem Blatt rum. Dabei gab er quiekende Laute von sich. Scheinbar schien ihm das ganze zu gefallen. "Wir kriegen das schon hin", sagte der Vogel. "Schaut doch, es gefällt ihm, also kein Grund zur Sorge. Zusammen schaffen wir das."
Tage vergingen, Justin schien es an nichts zu fehlen. Die Vögel kümmerten sich gut um ihn. Sie brachten nach und nach Essen zu ihm, meistens Beeren. Würmer fand Justin nicht so lecker, denn er spuckte sie immer wieder aus. "So eine Verschwendung", schimpfte einer der Vögel. "Wir machen uns die Mühe und er ist so undankbar." "Ach, lass ihn", sagte der Vogel. "Uns schmeckt doch auch nicht alles."
Wochen, Monate vergingen und Justin wuchs und wuchs. Inzwischen konnte er laufen und scheuchte die Vögel immer wieder auf. Er sah es als Spiel, denn jedesmal, wenn er sie aufscheuchte, lachte er aus vollen Halse. Die Vögel waren ihm nicht böse, schließlich war er immer noch ein Kind.
Jahre vergingen und Justin wuchs zu einem großen Mann ran. Er verstand immer noch nicht die Sprache der Vögel, aber er lernte sie. Die kleinen Vögel zwitschern, die Tauben gurren. Würmer machten keine Geräusche. Das fand er komisch. Und Augen hatten sie auch keine, egal wie lange er sie anstarrte. Die Vögel waren seine Familie, das wusste er. Und mehr brauchte er auch nicht, denn er war glücklich. Inzwischen konnte er ihnen helfen auf Nahrungssuche zu gehen. Er tat nichts lieber als das. Er half ihnen Stöcker und Aste zu sammeln für Nester, Beeren und Würmer zu sammeln. Und er baute ihnen aus Ästen und Blättern einen kleinen Unterschlupf damit die nachts geschützt waren und die Kälte aufhielten. Er war glücklich. Denn er hatte alles was er brauchte. Die kleinen Vögel und sich. ♡
~ geschrieben von mir selbst
~ für Justin, der manchmal den Glauben an sich selbst verliert:
Du bist gut so wie du bist. Und egal wie stürmisch und kalt die Nächte auch sein mögen, du musst an dich glauben und dir selbst sagen das irgendwann auch die Sonne wieder scheint und alles irgendwie besser wird. Nicht perfekt, aber besser. Hab dich lieb 🤗🖤













