Zeichen setzen..
Es waren schwierige Stunden, die letzten Tage. Was in Paris geschehen ist vermag niemand so richtig zu fassen und zu sortieren. Schon wieder hat ein Akt der Feigheit und des Grauens die Stadt der Liebe getroffen. Wie damit umgehen und wie weiter machen? Vielerorts sind die Stimmen laut geworden, es sollen “Zeichen gesetzte werden”, wir müssen für unsere Rechte und Freiheit einstehen und dürfen uns nicht von der Angst den Weg weisen lassen. Worte die wundervoll klingen in Zeiten einer solchen Ohnmacht und Leere. Worte die einem Mut geben und die einen aufstehen lassen. Aufstehen gegen den Terror und die Bedrohung. Wenn wir alle vor Angst erstarren, dann haben die Islamisten endlich was sie wollen, also tut etwas dagegen. Steht auf und zeigt Trotz. Auch ich wurde erfüllt von einer Art stolz und einem gewissen Trotz. Ich wollte aufstehen für Freiheit und Menschlichkeit. Und bevor es falsch verstanden wird, ich will es noch immer! Plötzlich eine neue Meldung durch alle Kanäle! Das Freundschaftsspiel Holland - Deutschland abgesagt. Weitere Gründe und Hinweise wurden nicht gegeben, die wenigen Zuschauer sollten das Stadion verlassen und der Platz vor der Arena wurde geräumt. In meinem Kopf formte sich Wut. Sollten schon wieder unschuldige Bürger Opfer eines Verbrechens werden? Doch gleichzeitig kam mir ein weiterer Gedanke. Mein Vater befand sich auf dem Weg in das Stadion. Er und seine Freunde haben Karten für das Spiel und müssten sich in diesen Minuten in Hannover aufhalten. Die Gefühle überschlugen sich und ich kann sie bis jetzt nicht beschreiben, vorherrschten war eine unglaubliche Angst und Bilder von Paris. Gedanken kreisten mir durch den Kopf, die so absolut gar keinen Sinn ergaben, doch was wäre, wenn irgendetwas passiert? Nicht im Stadion, sonder irgendwo anders in Hannover? Ich rief meinen Vater an und bat ihn sich umgehend auf den Heimweg zu begeben. Sie sollten Hannover verlassen und zurück fahren. Gott sei dank bemerkte er meine Angst und versprach mir, dass sie direkt losfahren würden. In dieser Nacht ist nichts in Hannover passiert und genau das ist gut so! Noch während der Ermittlungen in Hannover überschlugen sich die (Falsch-)Meldungen. Es kamen Gerüchte auf und verschwanden wieder, doch das alles war nicht wichtig für mich. Viel schlimmer war es Kommentare unter sogenannten “Live-Blogs” zu lesen. Die Menschen zogen es ins lächerliche, ich las Kommentare wie “Alles bloße Panikmache”, “Wieso lassen wir die Angst regieren?”, “Sogar Frankreich spielt in Wembley, armes Deutschland”. Doch der schlimmste aller Kommentare war “Schade, sie hätten mal ruhig alle diese Volksverhetzer wegbomben sollen”. Wahrscheinlich oder hoffentlich meinte er unsere Politiker, die sich auch auf den Weg ins Stadion befanden, doch in einer Situation wie meiner kochen die Gefühle in dieser Situation hoch. Was ist bloß los mit den Menschen? Wie kann es sein, dass so wenig Menschlichkeit gezeigt wird? Überall wird sich immer beschwert, dass erst etwas passieren muss, damit etwas geschieht. Gestern in Hannover ist nichts passiert, weil VORHER gehandelt wurde. Es wurde sich dazu entschlossen keine Menschenleben zu riskieren und jetzt? Jetzt beschweren sich die selben Leute, dass Deutschland “keinen Arsch in der Hose” hat und sich dem IS bückt? Was ist los mit diesem Land? Es ist so einfach aufzustehen und Zeichen zu setzen für die Freiheit, wenn es nicht um Familienangehörige geht. Es ist so einfach Menschlichkeit zu zeigen, wenn man nur ein Facebook-Profilbild in den Farben eines Landes halten muss. Und vor allem ist es so leicht sich in Ermittlungen, Journalismus und Politik einzumischen, wenn man noch nie in seinem Leben über den Tellerrand geschaut hat.













