Nachdem die Planung des "School of classic"-Projekts fortgeführt und so in die zweite Runde geschickt wird, haben manche Schüler und Schülerinnen sich gefragt: „Weshalb? Wieso machen ausgerechnet wir das? Wie entstand überhaupt die Idee? Wie kamen wir zu dem Kontakt?“
Diesen Fragen bin ich nachgegangen und habe einige Interviews geführt, unter anderem mit Stephanie Riemenschneider, Musikvermittlerin und Projektleiterin des Projekts „School of Classic“. Sie habe ich gefragt, wie die Idee zu diesem Projekt entstand:
„Der Intendant der Duisburger Philharmoniker, Herr Dr. Wendel, kam auf mich zu mit der Nachricht, dass es ein Konzert mit jungen Solisten aus drei der Musikhochschulen NRWs geben sollte. Solche Kooperationen sind für alle immer eine große Chance, die ich auch interessierten Schülerinnen und Schülern nicht vorenthalten wollte: Man bekommt einen Einblick in fremde Musikwelten, schnuppert in die Welt der Profis hinein, lernt Abläufe der Berufswelt kennen und vieles mehr. So entwickelte sich auf der einen Seite das Konzertkonzept „Virtuosen von morgen“, bei dem Studierende die Chance bekommen, mit einem Profiorchester gemeinsam zu musizieren vor großem Publikum. Und auf der anderen Seite entstand das Schul- und Uniprojekt „School of Classic“, bei dem die Studierenden üben, sich und ihre Musik in Schulen zu präsentieren und Schülerinnen und Schüler lernen, ein Konzert zu managen und mit der Erstellung eines Trailers auch künstlerisch tätig zu werden.“
Da haben wir uns als Schülerinnen und Schüler natürlich gefragt, warum ausgerechnet die Gesamtschulen Meiderich und Süd in das Projekt eingestiegen sind. Und siehe da: Unsere Lehrerinnen und Lehrer haben sich auf eine öffentliche Ausschreibung beworben. Und warum noch ein zweites Jahr? Stephanie Riemenschneider: „Weil alle Beteiligten das Gefühl hatten, dass man das Projekt wiederholen sollte, blieben beide Gesamtschulen auch die Kooperationsschulen für den zweiten Durchgang.“
Es gibt also den Wettbewerb und das Konzert „Virtuosen von morgen“ und natürlich das begleitende Educationprojekt „School of Classic“. Wir wissen, dass die Schulen sich beworben haben. Was aber ist mit den Instrumentalisten, den Studierenden? Wie kommen sie zu dem Projekt? Wie wird man „Virtuose von morgen“? Stephanie Riemenschneider erklärt dazu: „An die kooperierenden Musikhochschulen geht zunächst eine offizielle Projektbeschreibung und Einladung raus. Hierin wird beschrieben, welche Instrumentengruppen sich bewerben dürfen und was man machen muss, wenn man als Studierender teilnehmen möchte. Dieses Jahr durften sich junge Solisten aus den Fächern Gitarre, Violine und Blechbläser bewerben. Man kann sich als einzelner Musiker bewerben, aber auch als Ensemble. Wichtig ist, dass man sich mit einem Musikwerk bewirbt, dass nicht länger als 15 Minuten ist. Die Bewerbung geht an das Management der Duisburger Philharmoniker. Die eingeladenen Studierenden kommen zu einem Auswahlverfahren – das ist eine Art Wettbewerb. Jeder spielt sein Werk vor und eine Jury wählt dann aus den Bewerbern diejenigen aus, die mit dem Orchester musizieren dürfen. Das Besondere an diesem Auswahlverfahren ist, dass die Studierenden nicht nur ihr Instrument perfekt beherrschen müssen. Zusätzlich sollen sie sprechen und so ihre Musik ‚über das Wort’ an das Publikum vermitteln können.“
Im Grunde kann man sich dieses Auswahlverfahren, diesen Wettbewerb, fast ein wenig wie die allen bekannte Formate „The Voice of..." oder "Das Supertalent" aus dem Fernsehen vorstellen: Es gibt eine kleine Bühne mit Flügel und auf der anderen Seite eine Jury. Nur dass da natürlich nicht Dieter Bohlen sitzt. Ich habe Herrn Dr. Wendel, Intendant der Duisburger Philharmoniker gefragt, wie sich die Jury zusammensetzt. Dr. Wendel: „Bei der Auswahl der Jurymitglieder ist es uns wichtig, Vertreter aller beteiligten Institutionen dabei zu haben, also der Stiftung Lichterfeld, der Hochschule für Musik und Tanz Köln, der Folkwang Universität der Künste und der Duisburger Philharmoniker. Unter denen sollten auf jeden Fall auch Experten für die beim Vorspiel zugelassenen Instrumentenfamilien sein.
Sehr gefreut haben wir uns, dass auch der Dirigent des Virtuosen-Konzertes GMD David Marlow sich die Zeit genommen hat, dabei zu sein. Und natürlich gehören Lehrer und Schüler der Partnerschulen dazu. So stellen wir eine objektive und sachkundige Beurteilung der Leistungen der Kandidaten beim Wettbewerb sicher und geben den beteiligten Schülern die Möglichkeit, ihren "Star" für den sie ja unter anderem ein Schulkonzert selbst vorbereiten werden und für den sie ein Marketingkonzept entwickeln, mit auszuwählen und kennenzulernen.“
Natürlich braucht man für so ein großes Projekt auch Geld. Nur woher kriegen wir das?
Herr Dr. Wendel: „Der Kontakt zu Petra und Ralph-Robert Lichterfeld kam durch einen glücklichen Zufall zustande: Mein Kollege vom Schauspiel, Michael Steindl, kannte die beiden und wusste, dass sie große Musikliebhaber sind. Er hat ein erstes Treffen vermittelt, bei dem das Ehepaar erzählte, dass es eine Stiftung gegründet hat zur Förderung junger Künstler. […]“
Daraufhin konnte ich glücklicherweise sogar Kontakt mit dem Ehepaar Lichterfeld bekommen und sie fragen, warum sie auf verschiedenen Ebenen junge Künstler unterstützen. Interessant ist, dass beide Lichterfelds eine ganz besondere Verbindung zur Musik haben: „Wir beide haben uns in jungen Jahren über das gemeinsame Singen und Musizieren kennengelernt. Dem Tun und Wirken der anspruchsvollen Musik messen wir einen hohen Wert für die Lebensqualität bei.“
Was mir gar nicht klar war: Auch so in meinen Ohren schon perfekte Musiker wie Judith Stapf brauchen Unterstützung. Herr Lichterfeld erklärte mir: „Der Markt für Kunst und Kultur ist ein ganz besonderer. Selbst für exzellente Künstler, gerade auch für Anbieter wertvoller Musik, ist es schwer, sich Aufmerksamkeit, Gehör zu verschaffen und seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Es bedarf eines Netzwerkes mit anderen professionellen Künstlern und eines nachhaltigen Zugangs zu regelmäßigen Konzertgängern. Die Verantwortung, hier nach dem Maß unserer Mittel Hilfe anzubieten, nehmen wir an und sehen uns in den Auswirkungen und den Erfolgen der jungen Künstler bestätigt.“
Am Ende kann ich sagen, dass wir als Schüler und Schülerinnen der Gesamtschulen viel Spaß daran finden, an dem Projekt teilzunehmen - aber jetzt zu wissen, wie es überhaupt dazu gekommen ist, fordert unsere Motivation erneut. Hiermit wollen wir uns bedanken bei Herrn Dr. Alfred Wendel, Michael Steindl, Petra und Ralph-Robert Lichterfeld sowie Stephanie Riemenschneider, Ute Gibbels und vielen mehr, die mit der Idee und den ersten Schritten die Grundbausteine der Konzerte gelegt haben.