Irgendwann kommt der Moment, in dem man erkennt, dass man nicht trotz der Betäubung überlebt hat, sondern wegen ihr. Tag für Tag, Monat für Monat, Jahr für Jahr wurde der Schmerz leiser. Überdeckt von allem, was ihn für einen Augenblick erträglicher erscheinen ließ. Nicht, weil er verschwunden war, sondern weil man gelernt hatte, ihn nicht mehr zu hören. Und dann kommt der Wunsch, endlich ohne all das zu leben. Frei zu sein. Bereit zu sein.
Doch manchmal zeigt sich erst in der Stille, wie laut die Wunden wirklich sind. Wenn die Betäubung nachlässt, kehrt nicht nur das Leben zurück, sondern auch alles, was so lange auf Abstand gehalten wurde. Erinnerungen. Gefühle. Trauer. Angst. Sehnsucht. Und plötzlich prasselt nicht das Neue auf einen ein, sondern all das Alte, das nie gegangen ist. Vielleicht ist Heilung nicht der Moment, in dem nichts mehr schmerzt. Vielleicht ist sie der Mut, den Schmerz anzusehen, ohne sich vor ihm zu verstecken.

















