i made it out, i made it out, but it's six years later and i still haven't got my fucking degree, i still can't focus on anything that doesn't shake me to my core
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Alisa U Zemlji Chuda

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@seelisch-verschnupft
i made it out, i made it out, but it's six years later and i still haven't got my fucking degree, i still can't focus on anything that doesn't shake me to my core
es kann doch nicht sein dass wir alle dieselbe jugend hatten
jetzt darf ich eh fühlen was ich will (jetzt darf ich dich lieben wie es mir passt weil ich es dir ja nicht mehr verständlich machen muss)
was für eine scheiße dass ich älter geworden bin, dass wir alle älter geworden sind, dass nach 18 doch noch was kam
und jetzt hab ich stressekzem und kann nicht ohne lavendelkissen und minzöl pennen und mir tun die knie weh, ciao
mein gesamtes verhalten und die wahl meiner zwischenmenschlichen beziehungen als erwachsener orientiert sich an dem satz nie wieder
waschbeton
rechtsrock, bauwagen, skatepark, ekelhafte latent rechte typen von denen meine freundinnen irgendwas wollten, von denen ich dachte was wollen zu müssen, die nie was von mir wollten
schwänzen, klauen, aufs feld kotzen
drogen drogen drogen
training an training an training, gedemütigt werden
bus einmal die stunde während der schulzeit, am wochenende und in den ferien gar nicht
fahrradfahren
schwarzfahren
zur eberswalder fahren
schwänzen und saufen zu dritt
demütigung, von typen die später die drogen von mir gekauft haben
sonne, warmer sand, das waldstück, der hochsitz, kiffen
allein sein, ständig, weil die anderen beschissen waren und ich auch, ich wollte nur raus da, nur erwachsen sein
streiten, schreien bis die stimme bricht, fahrrad und weg, every other day
keine angst zeigen (oder: einmal und nie wieder), sonst bist du tot
fußball, basketball, volleyball, leichtathletik, nie gut genug, manchmal die beste aber nie der beste, nie meinem ehrgeiz gerecht geworden
der osten ist das narrativ und seine nachwirkungen die realität in denen ich aufgewachsen bin
sich schlagen, mich nicht schlagen weil man schlägt keine frauen, mir dann doch eine reinhauen nachdem ich zugeschlagen hab aus der wut heraus nicht für voll genommen zu werden
wie kifft man am coolsten, french, türkische runde, wasserfall, malochen mochen mochebank, kippen klauen von kaufland und von j.s mutter, johannisbeerwodka und dann mit saft auffüllen
ich kann mich schon gar nicht mehr erinnern wie dieser mensch riecht außer danach wie eben jede*r nach mensch riecht wenn man zwei, drei tage die haare nicht gewaschen hat
ich akzeptiere langsam dass ich meistens gar nicht berührt werden möchte, wenn dann nur kurz, länger aneinanderlehnen oder aufeinanderliegen oder umarmen ist gut, alles andere wird mir fix unangenehm (ich will die berührung nur als physischen beweis, dass ich den jeweiligen meiner menschen nicht anwidere)
das ist wirklich das seltsamste semester meines bisherigen lebens (alles anders aber erscheint doch so fälschlich vertraut)
bisschen herzlos mit mir
selbst geworden
schon ok so, raunen die
schatten, ich hackedicht
auf dem heimweg
bist ja auch wirklich nicht
mehr sie, oder? oder?
der zug flüstert über die trasse
hoch oben über mir
vielleicht einbildung
kiesel rieseln ins gesicht
du stehst an der ecke, mit kippe, mit regenjacke, mit halbem lächeln
dich gibt es doch gar nicht mehr, dachte ich
aber ich bin ja auch hackedicht
und züge flüstern eigentlich nicht
offensichtlich hab ich's irgendwie nicht mitgeschnitten, als mir die angst vor'm tod zurück ins hirn gefahren ist, und ich weiß nicht genau, ob sie nicht die ganze zeit da gewesen ist, und ich sie damals mit 12 bei der ersten konfrontation mit dem gevatter ohne viel aufheben einfach sehr rigoros und energisch weggesperrt hatte, und dieses mentale schloss an diesem massiven mentalen panzerschrank hielten beide auch bestens, während ich ein teenager war. da konnte ich mit dem tod ständig kokettieren, ohne dass er jemals ernsthaft auf mich hätte wirken können, konnte meine fingerspitzen an seine grauen wangen legen und die um ihn geschlungenen stofffetzen um meine handgelenke wickeln. wir hatten viel spaß, gevatter tod und ich, bevor ich 20 wurde. und dann wurde ich 20, und dann wurde es frühjahr, frühsommer, sommer, und inmitten eines traumhaften junis (oder julis) fraßen sich die tränen meines meistgeliebten menschens durchs metall; bis seine dissoziation zu meiner geworden war, bis ich nicht mal zusammenbrechen konnte trotz der schrecklichkeit seines zustands, bis ich trotz des damoklesschwerts über uns in form seines drohenden suizids in der s5 trotzdem nur trocken schlucken konnte, 20, 30, 100 mal, und der sommerabend um mich herum so ein ganz typischer, unverwechselbarer berliner sommerabend, gab für mich eigentlich selten was schöneres zu sehen als diese beschissenen goldgesprenkelten lauen berliner sommerabende, und ich wollte bei diesem anblick plötzlich nur noch schreien angesichts der ironie in der parallelität von leid und glück und lebensmut und todeswunsch, aber konnte einfach nicht. nur trocken schlucken, das ging. also schluckte ich vor mich hin, bis mein hals so kratzte, dass ich mich nach ersticken fühlte. wahrscheinlich war es innerhalb dieser einen woche voller angst und durchhaltevermögen, denn ich spürte damals in jedem knochen, dass sein letzter pulsschlag hundertprozentig auch mein todesurteil bedeutet hätte, kodependenz heißt das wohl in der fachsprache, hab ich später erfahren. in der woche hab ich auch gelernt zu beten. in der woche hab ich ständig mit gott geredet, also ich hab geredet, und der himmlische arschlochvater schwieg wie immer, dieser emotional inkompetente hund. in der woche hab ich kaum richtig geatmet. viellicht beim schlafen. ich probte verschwinden und tot sein, bis ich meinen fuß wieder auf die einfahrt des vivantes-klinikums kaulsdorf setzte, denn was soll man mit einem toten besten freund? was soll man noch auf der welt mit einem toten besten freund, der das lebendigste wesen war, dass dir je begnetet ist? denn der vor ihm war schon gegangen, legitimerweise. was soll man mit einem besten freund, der dich für einen verräter hält und nichts weiter, und der nie wieder ein wort mit dir wechseln wird? was soll man mit besten freund_innen, wenn sie sich nach einiger zeit wieder alle auf ihre eigene art zu entfernen wussten? aber darum geht es wohl nicht, und das ist mir bewusst. aber sterben lassen, loslassen, den verlust zur aushaltbaren möglichkeit werden lassen, ihn? große liebe nummer 2? niemals. das war nicht drin. ich weiß nicht, ob es jetzt drin wäre. wahrscheinlich nicht. ich bin schon seit einer ganzen weile auf irgendeiner abgefuckten transzendenten ebene mit diesem menschen, dieser menschenseele unwiderruflich verbunden, und sein blut auf den fliesen würde sich nicht aus meinem kopf herauswaschen lassen, vermutlich nicht mal dann, wenn ich mich lobotomieren lassen würde. der tod und ich hatten ganz still und leise die rollen getauscht, und plötzlich konnte ich ihn nicht mehr berühren, aber er kann mir nun seit dieser unheilsjuniwoche letztes jahr in jeder grabesruhigen nacht seine hand in den nacken legen, wie es ihm gerade passt – weshalb ich mich letztes jahr im november dann auch rotzverschmiert und mit unkontrolliert strömenden tränen auf der damentoilette unten im haus 8 am neuen palais wiederfand, nachdem ich wutentbrannt darüber gezwungen zu werden, einer neunten klasse etwas über tod und sterben beibringen zu müssen, aus dem integrationsseminar gestürmt war.
ich kann mich nicht fassen, da ist kein mensch, kein charakter, nur haltung haltung haltung, politisches prinzip, nichts eigenes, nur werte, an die ich glaube und mit tausenden anderen teile, ich bin nicht, nur die werte und der kampf, sie sehen immer gleich aus, sie sind in ihrer form nicht veränderbar, und nun haben sie sich so in mich eingegraben, dass sie mich bestimmen, die wachenden und schlafenden minuten bestimmt vom ideal, vom befreiungskampf, dass sie meine einzige perspektive auf die welt sind und alle meine wahrnehmungen laufen durch ihren filter, werden zurechtgestutzt durch die aus ihnen logisch folgen müssende analyse der welt, mein denken ist so auf stromlinie universaler politisierung, nichts ist gefeit vor der lesart, die durch konsequentes haltung zeigen, haltung denken, entsteht. es gibt keine unschuld mehr, alles verrottet, alles berührt vom faschismus, vom kapitalismus, wir sind dem schmutz in unseren lungen und dem plastik in unserem blut schon jahre ausgeliefert und es gibt keine stelle auf diesem planeten, die noch gar nicht verrußt, geschändet, vergiftet wurde. kleine dosen, ich inhaliere flach, mein brustkorb verknotet sich beim gedanken an faschos und queerfeindlichkeit und kleine tote kinder im mittelmeer und us-amerikanische krankenhäuser, die heillos mit covid19-fällen überlaufen sind, tod und tod und tod, wohin ich auch gerade probiere zu denken, blut im mund, umhüllt den zahn, läuft den rachen herunter, schlucken hilft nicht, und in zehn, fünfzehn, wenns gut läuft in zwanzig jahren werden wir lebendig gekocht weil wir die erde getriezt und getriezt und getriezt haben, bis es zu heiß und zu nass zum atmen für uns geworden ist, bis wir buchstäblich gar gekocht werdeb durch die hitze und nässe in der luft um uns herum, oder wir ertrinken vorher an ihr, weil unsere alveolen kein gas mehr tauschen können unter diesen bedingungen, und die flüsse werden verseucht sein mit öl und die landschaft wird nur verbrannter, rissiger sand sein bis auf einen schmalen streifen, der ständig von sturmfluten heimgesucht wird, und wir werden ausgerottet sein, alle, alle, alle, selbst die reichsten, wenn wahrscheinlich auch zuletzt. wir werden verglühen auf diesem wunderschönen, zugrunde gerichteten planeten, und wir hier sind zu einem guten teil mitverantwortlich, was unter 300 jahre vollblutkapitalismus alles so dermaßen umfassend ruinieren kann, ist das nicht großartig? ist es nicht einfach großartig? atomkrieg wär schneller und weniger furchterregend gegangen.
der alkohol dämpft angenehm die scharfen ecken des speeds, und ich kann mich nicht entscheiden, was mit dem anbrechenden morgen geschehen soll.
ich bin mir selbst inzwischen meist zu viel wert, um weiter menschen zum bleiben zu bitten.
ich muss niemanden von mir überzeugen, denn entweder kommt mensch ohne viel bemühen insgesamt gut mit mir klar, oder eben nicht, aber keine der beiden möglichkeiten können faktisch etwas an dem umstand ändern, dass ich mich selbst nicht länger hasse.
ich bin jetzt oft gern mit mir.
fuck i miss being a junkie
(mir den kopf rasieren und mich dann um zwei uhr morgens im club mit nem halben teil intus in klassischem fred perry polo, einer einen hauch zu engen blue jeans und retro-trainingsjacke dem erstbesten hübschen typen mit buzzcut, docs und adidas outfit auf den schoß setzen, und er stockt nicht mal eine sekunde / anfangen mit ihm auf full on kinky slut modus rumzumachen, bis er mich letztendlich in einer der dreckigen schummrigen klokabinen rücksichtslos von hinten durchfickt / unser stöhnen verschluckt vom bass der floors, zwei verschwitzte spätadoleszente jungskörper aneinander, der rohdiamant ekstase in den schößen, spucke, sperma, die zerbissenen, zersaugten kapillaren den hals hinunter, viel lust, mehr lust, rasende lust aufeinander)
i'm pushing my luck way too hard currently, because actually, i'm walking the very thinnest line and desperately trying to keep up the denial to myself
statt twitter öffne ich die notiz auf meinem telefon und ergänze sie mit dem, was von meinen gedanken mich für den moment überzeugt. wieder ausschließlich für meine eigenen augen zu schreiben bedeutet freiheit. denn die kleinen roten herzen als anerkennung meiner worte meinen im gegenzug leider, dass ich mich vom angemessenen adressat*innenbezug in ketten legen zu lassen habe.
die erste sexuell besetzte erinnerung: ich bin vielleicht elf, im bad meiner großmutter presse ich mein gesicht in das verschwitzte und nach rauch riechende oberteil des groben, lauten handwerkers, der die einfahrt neu pflastert