Im Sommer 2008 trafen wir Stachelhauskinder uns zum ersten mal fĂŒr ein Wochenende in der Schiffsgarage im Fuchsloch in Rurberg. Seit Urzeiten haben wir bei familiĂ€ren AnlĂ€ssen Lieder gespielt, meistens Tillmans Klassiker.
Im April rĂŒhrte der Clan die GĂ€ste meines Geburtstages mit einer Version von "Silently Weeping" zu TrĂ€nen und danach entstand die Idee, eine Geschwisterband zu grĂŒnden. Die Schiffsgarage war ein riesiger, fast leerer Raum in dem ich mich ein wenig eingerichtet habe. Ich hatte vorher ein paar GerĂ€tschaften gekauft - Loopmaschinen, Stimmeffekte, Mikros und Computer zum Aufnehmen. Die Garage klang sehr hallig, fast wie eine Kirche, so das wir kaum Effekte fĂŒr die Stimmen brauchten. Wir richten uns ein und musizierten erstmal wild drauflos - wir begannen mit dem Song "The Happy Sad", der, wie fast alle Lieder, die wir damals angingen, aus alten Zeiten stammte. Wir wechselten die Instrumente, spielten verschiedene Versionen, probten diverse Arrangements, kamen aber auf keinen grĂŒnen Zweig.
Um Mitternacht fing Tillman an auf der Gitarre eine kleine Weise zu spielen. Eine Art Mittelalterthema, welches bei Kerzenschein und Rotwein seine Wirkung entfaltete. Ina saĂ, ganz in sich gekehrt - in einer anderen Ecke der Garage und mit einem Male fing sie an eine Melodie zu Tillmans Akkorden zu singen. Es war ein ganz bezaubernder Moment, weil in dieser Nacht plötzlich alles zusammenpasste.
Sogar die improvisierten Lautmalereien, die aus Ihrer Kehle kamen erschienen mir, wie ein bereits vollendeter Text.
Es klang wie ein Klagelied aus einer fernen Zeit und in seiner Reinheit und Anmut hatte ich soetwas im Stachelhauskosmos noch nie gehört.
Das war ein Augenblick absoluter Aufrichtigkeit und Hingabe, die zarte Verschmelzung von zwei musischen Menschen im Rahmen einer spontanen Improvisation. Obwohl wir das Lied "That Ain't A Thing" dann noch einmal im Studio einspielten, hat es nicht einen Hauch seiner Aura verloren, weil wir es so schlicht und ursprĂŒnglich belassen haben, wie damals im Sommer 2008. Und weil Ina ihre Verletzlichkeit beim Einsingen nicht verloren hat.
Das Lied spaltet die Zuhörerschaft - einige können es kaum ertragen, andere können nicht aufhören, es immer wieder zu hören. Und so soll Popmusik sein.
Auch fĂŒr mich ist das Lied ein Klassiker - ich werde es immer lieben. Ich wĂŒnsche mir, noch das eine oder andere mal in den Genuss solcher Momente zu kommen. Das sind Lieder, die einfach so entstehen, weil da etwas zusammenwirkt, was es sonst in keiner Konstellation gibt. Das ist Magie. Das ist Musik.