Der Mann dillert sich den gesamten Vormittag durchs Internet. In der Zwischenzeit habe ich eingekauft, die Bude auf den Kopf gestellt, die Klamotten durch die Waschmaschine gejagt und just, wenn es um's Kochen geht, zeigt er seine kompetenzsimulierende Küchenpräsenz und bekommt sich vor lauter klugen Ratschlägen gar nicht mehr ein. "Warum nimmst du dieses Messer? Probiere es doch mal mit jenem." oder "Der Topf ist doch viel zu klein, nehm doch einen anderen." oder "Meinst du, die Temperatur ist richtig eingestellt? Ich glaube, die ist zu hoch, naja du weißt ja was du machst." oder "Regel doch mal die Abzugshaube höher, hier ist alles vernebelt, man sieht schon gar nichts mehr." Wenn es ums Essen geht, versteht der Mann keinen Spaß. Ich höre zu und nehme erst recht den kleinen Topf, der Mann regelt die Abzugshaube zwei Stufen nach oben und verläßt kopfschüttelnd die Küche. Ich regel den Abzug wieder nach unten, schütte die Zutaten in den Topf und bemerke, dass es tatsächlich ein eng wird, im Topf. Leise hole ich ein größeres Kochgefäß aus dem Schrank und kippe um - also nicht ich kippe um, der Inhalt vom kleinen Topf fällt in den großen. Das Fleisch liegt ein wenig zerfranst vor mir. Ein Filetiermesser wäre tatsächlich hilfreicher gewesen. Die Pfanne raucht, der Feuermelder schrillt. Der Mann schreit aus dem Wohnbereich, ob ich jetzt nicht doch vielleicht die Temperatur runter und den Dunstabzug nach oben regeln möchte? Dabei sucht er aufgeregt nach einem Stock um der nervigen Beschallung Einhalt zu gebieten. Nein, möchte ich nicht. Bei mir ist alles im grünen Bereich, das Fleisch schmurgelt in der Pfanne, der Abzug läuft auf Stufe 1. Lauter kann ich das Gebrumme nicht ertragen. Der Mann gibt auf und wechselt das Zimmer. Was er nur hat, es duftet doch köstlich.
Nach dem Essen darf Mann den Tisch abräumen. Er stapelt das gesamte Geschirr auf der Spülmaschine zu einem imposanten Türmchen. Komisch, dass die Spüliklappe immer nur beim Mann klemmt. Bei mir funktioniert die einwandfrei. Ich bestaune noch ein wenig den kunstvollen hergerichteten Berg aus Tellern, Schüsseln und Gläsern und beginne die Geschirrkörbe zu bestücken. Und schon ist auch der Mann samt seiner kompetenten Beraterfunktion in der Küche präsent. Ich bekomme Instruktionen, wie Teller, Tassen, Gläser, Schüsseln, Töpfe etc. am effektivsten platziert werden können. Alles wird nun von Männerhand neu einsortiert und angerichtet. Ich bin kurz vorm platzen und kehre Spülmaschine und Mann den Rücken.
Es ist Abend. Der Mann durchforstet das Internet. Punktgenau, als das Kreismesser der Brotschneidemaschine durch die krustige Rinde fährt, steht er hinter mir...







