Heute vor drei Jahren, um genau die selbe Zeit, kam ich gerade in der Klinik an und wurde auf mein Zimmer gebracht. Ich musste alles ablegen: Schmuck, Schuhe, BH, Gürtel. Alles, womit ich mich selbst oder andere verletzen konnte, musste abgegeben werden. Ich wusste das. Ich saß nun in einem langweiligen Zimmer mit nichts zu tun, außer Nachdenken. Ich hatte versucht, mir das Leben zu nehmen. Wiedereinmal. Aber ich bin gescheitert. Wieder war ich einige Wochen dort eingesperrt, hatte die schlimmsten Stimmungsschwankungen und kaum Motivation, etwas zu tun, um mich zu ändern.
Heute, genau heute, bin ich froh, dass ich damals gescheitert bin. Gescheitert beim Versuch, mein Leben zu beenden. Nur zu oft denke ich daran zurück und überdenke alles, bis ich mich schlecht fühle. Es gibt keine absolute Heilung von Depressionen, Angst, Essstörungen, Sucht oder anderem. Alles frisst sich irgendwo in deinen Kopf ein und verschwindet nie mehr.
Doch was ich nun weiß, ist, dass es bessere Zeiten gibt. Gerade erlebe ich großartige Momente, die ich lange Zeit überhaupt nicht hatte. So dachte ich zumindest. Man kann sich auf die schlechten Dinge so sehr fixieren, dass man es sich selbst gar nicht möglich macht, etwas Gutes zu erleben. Jeden Abend wäge ich ab, welche Dinge überwiegen. Und ich stelle immer fest, dass es an uns selbst liegt, was man sehen möchte. Ich picke mir stets mindestens eine Situation oder eine Sache heraus, die ich positiv bewerte. Und allein diese macht es wert, am nächsten Tag wieder aufzustehen.