MACH MIT
bei unserer kollektiven Tanzchoreographie
Mit seiner Sommerausstellung (4.6.–21.8.2022) bittet das Kunstmuseum Olten zum Tanz.
Der Titel «Put on Your Red Shoes (and Dance the Blues)!» ist dem Stück «Let’s Dance» (1983) von David Bowie entnommen. Die thematische Schau befasst sich mit dem Verhältnis von Tanz und bildender Kunst.
Wir möchten auch unser Publikum zum Tanzen animieren. Die Ausstellung wird deshalb von einem vielfältigen Programm begleitet, dass hoffentlich viele Hüften zum Schwingen bringt.
Abb. 1: Viviane von Gunten beim Dreh der Tutorial-Videos
Ursula Berger (TANZINOLTEN) hat eigens für die Ausstellung eine Choreographie entwickelt, die von Besucher:innen, Passant:innen und Tanzbegeisterten im Museum, in der Stadt oder zu Hause getanzt werden kann.
Die erste Sequenz der Choreographie – zum Refrain – soll zum bewegten «Signet» unserer Ausstellung werden.
Im Museum haben wir eine Tanzfläche mit Filmstation eingerichtet, auf der Sie den Signet-STEP lernen und aufnehmen können.
Weitere Tuturials, aus denen sich die komplette Choreographie zusammensetzen lässt, finden Sie in auf einem Parcour durch die Altstadt.
Den STEP lernen
Hier finden Sie die mit der Tänzerin Viviane von Gunten eingespielten Video-Tutorials. Machen Sie mit und nehmen Sie Ihre Füsse (in roten Schuhen?) beim nachtanzen auf. Wir freuen uns über die Zusendung Ihres Steps per Mail!
Wenn Sie Ihr/e Video/s auf Ihren Social-Media-Kanälen teilen, freuen wir uns über eine Verlinkung mit @kunstmuseumolten und #redshoesstep
Viel Spass!
Tutorials
ganze Choreographie
STEP 1/7 (Signet-STEP)
STEP 2/7
STEP 3/7
STEP 4/7
STEP 5/7
STEP 6/7
STEP 7/7
Die Stadt tanzen – der STEP-Parcours
Wir laden Sie dazu ein, die Stadt Olten auf einem Parcours mit 7 Stationen tänzerisch zu erkunden. Auf diesem Weg lässt sich die komplette Choreographie zusammensetzen.
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für das Solothurner Kunstschaffen
Nr. 19 – Aline Stalder
Aus Anlass der 37. Kantonalen Jahresausstellung der Solothurner Künstler*innen im Kunstmuseum Olten stellen wir Ihnen die beteiligten Kunstschaffenden und ihre Exponate vor.
Die Jahresausstellung der Solothurner Kunstschaffenden findet abwechselnd in Olten und Solothurn statt. 2021 wird sie vom Kunstverein Olten im Kunstmuseum Olten ausgerichtet.
Die Ausstellung gibt Einblick in die vielgestaltige und lebendige Solothurner Kunstszene und bietet eine wichtige Plattform für den Austausch mit und zwischen den Kunstschaffenden der Region.
Aline Stalder
Konstruierte Sehnsucht #2
Betritt man den Ausstellungsraum im dritten Stock, fällt der Blick unweigerlich auf die Installation von Aline Stalder (*1980). Zehn grosse Papierrollen, je 10 m lang, stehen unterschiedlich auf- und ineinandergerollt frei im Raum. Darauf zu sehen sind feine Striche, die sich im Verbund der Rollen zu einem abstrakten Bergpanorama zusammenschliessen.
Entstanden ist das Werk während Stalders Atelieraufenthalts in der Fundaziun Nairs im Engadiner Scuol. Eine typische «Schlechtwetter-Arbeit», wie sie die Künstlerin nennt, der sich Stalder immer dann zuwandte, wenn die Witterung es nicht zuliess, an der frischen Luft zu arbeiten und nach draussen zu gehen. Mit dem Fineliner holte sie sich die Berglandschaften und die bei gutem Wetter erwanderten Routen aus der Erinnerung und ihrem mentalen Bildspeicher kurzerhand ins Atelier.
Den Stift einmal angesetzt, zeichnete die Künstlerin in zügigen Bewegungen das bergige Panorama aus dem Kopf. Stets nach vorne gerichtet auf einer ausgerollten Fläche von ca. 2.5 Metern Länge – dann wurde das bezeichnete Papier eingerollt und das nächste noch freie Stück auf dem Arbeitstisch ausgerollt.
Die Zeichnungen zeigen kein getreues Abbild spezifischer Orte, sondern eigene Kreationen von Bergwelten. Auf Farbe hat die Künstlerin bewusst verzichtet. «Die Betrachtenden sollen sich die entstandenen Flächen und Linien selber ausmalen... man ist sich gewohnt, farbige Landschaftsbilder zu betrachten» erklärt Stalder. Durch die spezifische Präsentation wiederum geben die Rollen viel des Gezeichneten nicht Preis. Man wird aufgefordert, das Bild selbst weiterzudenken. Was ist verborgen? Sind es die Strommasten, Zweitwohnungen, kommt sogar Farbe zum Vorschein oder wie geht die Linie weiter? Geht Sie überhaupt weiter?
Der Werktitel «Konstruierte Sehnsucht #2» nimmt Bezug auf die kunsthistorische Bedeutung der Berge. Im 19. Jahrhundert, insbesondere in der Romantik, aber auch im 20. Jahrhundert war das ästhetische Versprechen der erhabenen Bergwelt zentral – neben ihrer symbolischen Deutung als Hort der Freiheit und ihrer zunehmenden Bedeutung als Freizeit- und Tourismusmagnet.
«Die Gemälde versuchten Schönheit zu kommunizieren […], sie auf die Leinwand zu bringen und […] damit transportabel zu machen. Meist fehlen in den Berggemälden dieser Zeit grössere Übersetzungsprozesse oder Brüche. Gerade die Brüche interessieren mich bei meinen Panoramen. Es fehlt zum Beispiel die Farbe, das genaue Licht- und Schattenspiel, realitätsgetreue Bergformen usw.... Meine Berge erzählen nicht: So sehen die Berge aus und dort oben ist es schön. Es sind keine perfekten Landschaften. Spannend finde ich die Frage, was heute fotografiert und gepostet wird. Und was wird dabei weggelassen? Man macht viele Fotos, bis man die Seilbahn und die anderen Wanderinnen nicht mehr auf dem Bild hat – damit diese vermeintlich zeitlose Schönheit der Berge zum Vorschein kommt.» schreibt die Künstlerin.
Bereits 2019 ist «Konstruierte Sehnsucht #1» entstanden. Damals ging die Künstlerin etwas anders vor. Sie spannte eine 16 Meter lange Papierrolle auf eine motorisierte Vorrichtung, welche das Papier langsam ab- und wieder aufwickelte. Ähnlich wie ein Seismograph liess die Künstlerin dann den Stift an einer Stelle über die leere Fläche gleiten. Das Werk wurde damals in kleinere Fragmente geschnitten und zum <Internationalen Tag des Berges> 2020 in den Schweizer Botschaften von Islamabad, Teheran, Ankara, Maskat, Rabat, Beirut und Bern gezeigt, wo die Werke noch heute hängen. Als Verkörperung der Sehnsucht nach der Heimat? Nach dem, was unser Land schon seit Rousseau im Kern ausmacht und zusammenhält?
Mit dem Panorama bedient sich Aline Stadler eines Bildtypus, der mit der wissenschaftlichen Erforschung der Bergwelt, mit der Entwicklung technischer Hilfsmittel für die Abbildung, Aneignung und Kartierung der Welt sowie mit neuen Erkenntnissen im Bereich der Optik um 1800 verbunden ist. Ihre technisch, kühl und abstrahierend wirkenden Notationen weisen zwar in diese Richtung, jedoch verwehrt uns die Art der Präsentation just den Überblick, der das Wesen eines Panoramas eigentlich ausmacht, und führt damit sein erkenntnistheoretisches Versprechen ad absordum. Längst wissen wir, dass umfassender Überblick angesichts der Komplexität der Welt eine Wunschvorstellung bleiben muss. Gerade am Unerreichbaren aber entzündet sich die Sehnsucht. Und was verkörpert das Erhabene und Absolute besser als die von mächtigen Kräften über unvorstellbare Zeiträume hinweg geformten Alpen?
Bei den konstruierten Sehnsüchten geht es auch um die Künstlerin selbst, um «den Menschen und die Verbindung zu den Bergen.» Es ist, wie sie sagt, «die zeitlose Sehnsucht nach den schönen Bergen, die mich interessiert. Weshalb dieses Verlangen nach konservierter, unberührter Natur? Und wo trifft das Klischee auf die Realität? – Wer kennt diese Sehnsucht nicht? Einfach nur schöne Landschaft sehen: blauen Himmel, goldenes Licht, scharfkantige Felsen, Wiesen, vielleicht noch Scheunen im Talgrund, vielleicht noch Kühe auf der Alpweide, vielleicht einen Adler, aber sicher keine Parkplätze, keine Seilbahnen, keine Schneekanonen, keine Hochspannungsleitungen, keine Zweitwohnungsbaukräne, keine Rivella-Sonnenschirme, keine Staumauern und vor allem – keine Menschen.»
Nach dem Vorkurs an der Schule für Gestaltung in Basel studierte sie an der Basler Hochschule für Gestaltung und Kunst mit Schwerpunkt Bildender Kunst .
Seit 2014 sind ihre Werke regelmässig in Gruppen und Einzeldarstellungen in der Schweiz und im angrenzenden Ausland zu sehen. In Olten stellte Stalder 2020 im Kulturlokal Mokka Rubin aus.
Mehrere Atelieraufenthalte im In- und Ausland (u.a. war sie mit einem Stipendium des Kantons Solothurn 2019 in Paris) haben ihr Schaffen geprägt, das oft Themen im Spannungsfeld von Natürlichkeit und Künstlichkeit behandelt. Sie arbeitet mit unterschiedlichen Medien und versteht es, ihre Objekte und Installationen mit besonderen haptischen Qualitäten auszustatten. Oberfläche und «Haut» von alltäglichen Dingen stehen dabei oft im Fokus, ist es doch die äusserste Schicht, die Form und Erscheinung eines Gegenstandes definiert. Stalder spielt mit Objekten aus verschiedenen europäischen Kulturen und spannt einen Bogen von der Archäologie bis zum Kitsch.
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für das Solothurner Kunstschaffen
Nr. 18 – René Zäch
Aus Anlass der 37. Kantonalen Jahresausstellung der Solothurner Künstler*innen im Kunstmuseum Olten stellen wir Ihnen die beteiligten Kunstschaffenden und ihre Exponate vor.
Die Jahresausstellung der Solothurner Kunstschaffenden findet abwechselnd in Olten und Solothurn statt. 2021 wird sie vom Kunstverein Olten im Kunstmuseum Olten ausgerichtet.
Die Ausstellung gibt Einblick in die vielgestaltige und lebendige Solothurner Kunstszene und bietet eine wichtige Plattform für den Austausch mit und zwischen den Kunstschaffenden der Region.
René Zäch
Spanische Nüssli (analog)
In x-facher Ausführung reihen sich auf drei Tonkartons «Spanische Nüssli» aneinander. Die typische Struktur der Nussschalenoberfläche wird in den Zeichnungen durch eine Art Gerüst ersetzt, so als erstelle der Künstler einen Bauplan der südamerikanischen Hülsenfrucht. In freiem Raum schwebend und dreidimensional aufgebaut, erinnern sie entfernt an digitale Gitternetze von Vektorgrafiken.
Das viel-ansichtige Porträt des beliebten Partysnacks erfolgte jedoch manuell; – ‹analog› mit Tusche und Feder, wie der Titelzusatz es unterstreicht. Die Leseart bleibt offen, wandert der Blick jedoch von Nuss zu Nuss, so fangen die Striche einem Daumenkino gleich zu tanzen an. Die zu einem dynamischen Muster zusammengefügte Multiplikation eines Gegenstandes im Bild lässt sich bereits in Zächs Zeichnungen der frühen 2000er-Jahre finden. Ungewöhnlich sind hingegen die organischen Formen, welche der Grafik eine zusätzliche Leichtigkeit verleiht. Die Hingabe, mit der der Künstler die unscheinbare Nuss skizziert, enthält die Prise Humor, die in vielen seiner Arbeiten mitschwingt.
Schon während seiner Ausbildung zum Tiefbauingenieur stand für den in Solothurn aufgewachsenen Bieler Künstler René Zäch das freie Zeichnen im Vordergrund. An der Kunstgewerbeschule Basel begann er zu malen und sich mit der Minimal Art auseinanderzusetzen. Stringenz prägt das gescheite wie sinnliche Schaffen des Objektkünstlers und Zeichners, das zwischen Ernst und Ironie pendelt. Bewusst fokussiert Zäch die Ambivalenz von Kunst- und Gebrauchs- oder Alltagsgegenstand.
Wie bei der Serie «Spanische Nüssli (analog)» auch, zielt Zächs Schaffen immer auf die Schärfung des Sehens und auf eine präzise Wahrnehmung. Und es thematisiert neben Präsentations- und Rezeptionsbedingungen von Kunst auch deren Charakter. Hier etwa ihre Fähigkeit, mit einfachsten Mitteln räumliche Illusion zu schaffen. Verblüffend und magisch, wie eine noch in der Fläche liegende Umrisslinie durch eine aus simplen Spiralen bestehende Binnenzeichnung zur dreidimensional fassbaren Form, zum Körper mutiert. Ein klares Konzept, handwerkliche Präzision und eine gute Prise Humor zeichnen auch dieses Werk aus, das sich mit dem vorweihnächtlichen Sujet in die jährlich wachsende Werkreihe eingliedert, die er explizit für die kantonale Überblicksschau schafft, die vor nicht nicht allzu langer Zeit noch «Weihnachtsausstellung» hiess.
Geboren und aufgewachsen ist der heute in Biel lebende Künstler René Zäch (*1946) in Solothurn. Seine Erstausbildung schloss er mit dem Diplom für Tiefbautechnik ab, auf die ein mehrjähriges Studium an der Schule für Gestaltung in Basel folgte. Seit 1974 ist er als freischaffender Künstler tätig.
Mehrfach zog es Zäch ins Ausland, wo er beispielsweise mehrere Jahre in Amsterdam oder Florenz lebte. Für sein Schaffen erhielt der Künstlers mehrere Auszeichnungen und Werkjahrbeiträge, darunter auch der Kunstpreis des Kantons Solothurn (2012). Er ist eine feste Grösse im Solothurner Kunstleben. 2010 hat ihm das Kunstmuseum Solothurn eine umfassende Retrospektive mit Katalog ausgerichtet.
In Gruppen- und Sammlungausstellungen des Kunstmuseums Olten ist sein Werk regelmässig vertreten. Leider musste seine geplante Intervention im Dienstraum, unserer Dependance im Bahnhof Olten, 2021 wegen Corona abgesagt werden. In der Oltner Kunstsammlung ist er mit mehreren Hauptwerken vertreten.
Abb. 5
René Zäch: Suchfinder, 2003/04
Rauminstallation, variabel (Holz, Acryllack, Metall, Plastik)
Kunstmuseum Olten
Der Kunstverein Olten hat René Zäch ein Atelierstipendium in Genua zugesprochen, 2013 hat er die Jahresgabe des Vereins gestaltet.
Abb. 6
René Zäch: o. T., 2013
Hochdruck 2-farbig, 50 x 70 cm, Auflage 350 Ex.
Jahresgabe 2013 des Kunstvereins Olten
Mehr erfahren
René Zäch auf sikart.ch
Retrospektive René Zäch im Kunstmuseum Solothurn 2010
Publikation: René Zäch, Ausst. Kat. Kunstmuseum Solothurn 2010, Rezension Barbara von Flüe
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für das Solothurner Kunstschaffen
Nr. 17 – Maja Rieder
Aus Anlass der 37. Kantonalen Jahresausstellung der Solothurner Künstler*innen im Kunstmuseum Olten stellen wir Ihnen die beteiligten Kunstschaffenden und ihre Exponate vor.
Die Jahresausstellung der Solothurner Kunstschaffenden findet abwechselnd in Olten und Solothurn statt. 2021 wird sie vom Kunstverein Olten im Kunstmuseum Olten ausgerichtet.
Die Ausstellung gibt Einblick in die vielgestaltige und lebendige Solothurner Kunstszene und bietet eine wichtige Plattform für den Austausch mit und zwischen den Kunstschaffenden der Region.
Maja Rieder
Operator (Juxtapose)
Zurückhaltend ist sie nicht, die Arbeit von Maja Rieder. Im Gegenteil; grossformatig nimmt sie die Wand im letzten Raum des Erdgeschosses in Beschlag und fordert die Besucher:innen mit ihrer Kombination aus Farben und Symbolen zur Betrachtung auf.
Zwei nebeneinanderliegende Felder mit farbkräftiger orange-violetter Grundierung sind grossflächig mit schwarzer Tusche überpinselt. Begonnen bei einem feinen Kreuzmuster im Hintergrund über überkreuzende Formen der mittleren Schicht bis hin zu den beiden zentralen neongelben Kreuzen im Vordergrund des Bildes, das «Kreuz» oder auch «X» bildet das tragende Element der Arbeit.
Bleibt die Symbolik zunächst offen, so vermittelt sie doch unterschiedliche Stimmungen. Bedrohlich wirkt das ‹Fadenkreuz›, warnend das ‹Andreaskreuz›. Harmloser ist hingegen das «X»: im römischen Ziffernsystem verkörpert es die Nr. 10, als Buchstabe wird es auch als Abkürzung für ‹Kuss› genutzt.
Der Titel «Operator (Juxtapose)» legt eine Spur zur Mathematik. Die sich «gegenüberstehenden Operatoren», hier für Addition und Multiplikation, stehen im Zeichen der Vermehrung, das X hingegen für das Unbekannte, für das, was wir (noch) nicht kennen. Dazu passt der umfassende Kreis, ein vieldeutiges Symbol für Unendlichkeit, Einheit oder Vollkommenheit…
Rieders Arbeiten wirken gleichermassen einfach wie komplex. Ihre bevorzugten Medien sind die Zeichnung und die Malerei auf Papier, im raumgreifenden Format. Körpereinsatz, Bewegung und Arbeitsinstrumente manifestieren sich darin unmittelbar. Der Zufall gestaltet trotz eines konzeptuellen Vorgehens die Genese der Bilder mit und betont deren sinnliche Qualität. Die Beziehung von Maja Rieders Kunst zum Raum ist eng. Ihre Werke bilden selbst Räume aus. So ist das redundante X in unserer Arbeit nicht nur Zeichen und Form, sondern wird von der Künstlerin auch als räumliche Dimension und dynamisches Element verstanden.
Ein mathematisch inspiriertes Gedankenspiel zum Schluss: Fassen wir das Bild als Gleichung auf, so interessiert sich Maja Rieder weniger für das Ergebnis der Gleichung, sondern für den Rechenprozess. Denn, so die Künstlerin, «der Prozess ist am Ende das, was die Arbeit ausmacht.»
Biographisches
Maja Rieder, 1979 geboren im solothurnischen Kestenholz, vollendete zunächst eine Lehre als Goldschmiedin bevor sie sich der Bildenden Kunst zuwandte. Hierfür studierte sie im Bachelor am Institut Kunst an der Hochschule für Gestaltung und Kunst in Basel und schloss 2011 ihr Masterstudium an der Fachhochschule Nordwestschweiz ebenfalls in Basel ab, wo sie heute lebt und arbeitet.
Seit über 10 Jahren stellt sie (inter)national erfolgreich aus. Aktuell ist ihre Kunst an der verschiedene künstlerische Disziplinen verbindenden Ausstellung «Fritz Hauser, Sweet Spot» im Kunsthaus Baselland und in einer Gruppenschau in der Galerie Wuethrich in Basel zu entdecken.
Mit ihrem Heimatkanton ist Maja Rieder nach wie vor verbunden. Über die Jahre war sie in den Museen von Grenchen, Olten und Solothurn wiederholt zu Gast und hat ihre Arbeit auch an zahlreichen kleineren Kunstorten wie dem Künstlerhaus S11 in Solothurn oder der Galerie Rössli in Balsthal gezeigt. Ihr Schaffen wurde vom kantonalen Kuratorium, aber auch von den Kunstvereinen Solothurn und Olten gefördert. 2009 stellte sie beim Kunstverein Olten aus, 2015 präsentierte sie im Kunstmuseum Olten gemeinsam mit Matthias Huber Werke, die in der ehemals in Olten beheimateten Druckwerkstatt (Lenzburg) entstanden waren. An den Jahresausstellungen bilden ihre Beiträge eine Konstante.
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für das Solothurner Kunstschaffen
Nr. 16 – Matthias Huber
Aus Anlass der 37. Kantonalen Jahresausstellung der Solothurner Künstler*innen im Kunstmuseum Olten stellen wir Ihnen die beteiligten Kunstschaffenden und ihre Exponate vor.
Die Jahresausstellung der Solothurner Kunstschaffenden findet abwechselnd in Olten und Solothurn statt. 2021 wird sie vom Kunstverein Olten im Kunstmuseum Olten ausgerichtet.
Die Ausstellung gibt Einblick in die vielgestaltige und lebendige Solothurner Kunstszene und bietet eine wichtige Plattform für den Austausch mit und zwischen den Kunstschaffenden der Region.
Matthias Huber
Malerei
Was für eine Leuchtkraft! Die Gemälde von Matthias Huber (*1980) in der Jahresausstellung sind lichtdurchflutet und vermitteln ein wohlig warmes Gefühl – ein Stimmungsaufheller in dieser eher düsteren Zeit. Die einzelnen Farbfelder auf dem kleineren Werk sind mit Strukturen und Mustern versehen. Jedes ist für sich ein kleines Einzelbild. Die Kombination mag etwas unruhig wirken, ist aber dennoch stimmig. Überall lassen sich wunderbare Komplementärkontraste entdecken.
Das zweite Gemälde kommt einem Feuerwerk gleich, was zum Jahreswechsel passen würde. Oder handelt es sich vielleicht doch eher um Blüten, die im Frühjahr aus den Knospen hervorspriessen? Die Farbigkeit ist etwas zurückhaltender als im kleineren der beiden Werke aber dadurch nicht minder ausdrucksstark.
Beide Werke haben eine besondere Stellung im Schaffensprozess des Künstlers. Sie sind quasi als Begleitprodukte seiner «eigentlichen» Bildproduktion entstanden; möglich, dass Mathias ihnen daher mit einer weniger grossen Erwartungshaltung begegnet ist, und dass die Leichtigkeit und Unbekümmertheit, die sie ausstrahlen, auch daher rührt?
Das aus der Distanz textil anmutende, kleinere Bild ist ein «Übplätz». Auf den exakt umrissenen Rechtecksfeldern hat der Künstler unterschiedlich Möglichkeiten für Farbübergänge ausprobiert, bevor er sie skaliert, im grösseren Massstab auf Gemälden einsetzte. Eine Art Studiensammlung also, die zum Bild mutierte, als das letzte Feld ausgefüllt war. Ein fertiges Bild – und als solches ein absoluter Exot unter Hubers Bildern. Matthias Huber arbeitet immer an vielen Bildern gleichzeitig und dies über einen langen Zeitraum hinweg. Oft unterzieht er Werke nach Jahren erneut einer Überarbeitung. Wirklich fertig sind sie eigentlich nie. Selbst Werke, die sein Atelier verlassen haben, sind nicht davor gefeit, nochmals mit einem Pinsel in Berührung zu kommen.
Mit dem grösseren Gemälde hat eine andere Bewandtnis: Die Leinwand diente dem Künstler einige Zeit jeweils am Ende des Arbeitstages dazu, die Restfarbe aus seinen Pinseln zu bekommen. Im Unterschied zur verhalten-sorgfältigen Pinselschrift auf dem kleinen Bild, ist der Gestus hier flüssig, salopp. Die fächerartigen Pinselstrichballungen dokumentieren die gerade bevorzugte Palette des Künstlers (und die Vorfreude auf das Feierabendbier?)
Beide Gemälde verraten uns also etwas über die Arbeitsweise von Matthias Huber, lassen uns – von den Rändern her – erahnen, was ihn gerade im Atelier beschäftigt; ein passender Beitrag für eine Jahresausstellung, die Einblick in das aktuelle Kunstschaffen einer Region geben will!
Und bei Matthias Huber heisst das normalerweise: Grossflächige Malerei, die das Medium nicht in seiner Vielfältigkeit, sondern in seiner Einfachheit ausreizt: Das ist, wodurch seine Arbeiten überzeugen. Die intuitive Linienführung und Farbgebung berühren, wer seine Gemälde betrachtet. Die Werke ergeben sich erst durch das Arbeiten an ihnen, was sich in einer durchgehend hohen Qualität der technischen Ausführung manifestiert und Matthias Hubers oft bunte Arbeiten zu einem regelrechten Augenschmaus macht. Es ist aber auch die Haltung der Kunst gegenüber, die überzeugt. In ihr findet sich eine Vielzahl interessanter Ansätze, die Bezug nehmen auf alltägliche Situationen, Materialien oder sonstige Voraussetzungen. Gebrauchsgegenstände dienen dem Künstler als Inspirationsquelle, als Experimentierfelder.
Huber sammelt gern und viel, und aus dieser Tätigkeit entstehen immer wieder hochinteressante Arbeiten. Einerseits betreibt er seit Jahren diese sorgfältig komponierte, farbenfrohe Malerei, andererseits ist da immer wieder dieses Versteckspiel mit fremdem Material, das er sammelt und für seine Zwecke umdeutet.
«Ich brauche halt beides», erklärt Huber. Malerei sei ein sehr langsamer und mehrstufiger Prozess, einem Archiv nicht unähnlich. Beide, so Huber, seien Teil einer Formen- und Farbensammlung, aus der er schöpfen könne. «Der Fundus der Malerei kommt halt von Innen und jener der gefundenen Bilder ist in einer Schachtel.» Lösungen ergeben sich oft erst nach langer Reifezeit: «Manchmal finde ich Sachen nach Jahren wieder und sie haben sich verändert, plötzlich ergibt sich etwas.» Bei Gemälden sei das nicht anders. Daneben sei Malen für ihn auch eine Strategie, sich zu befreien. Der Mythos der spontanen Kreativität sei zwar ein schöner, aber auch ein falscher.
Biographisches
Matthias Huber wurde 1980 in Bottmingen geboren und lebte von 1982 bis 2010 im Kanton Solothurn. Nach den Schulen studierte er an der Hochschule der Künste in Bern Visuelle Kommunikation und schloss ein Studium an der Hochschule für Gestaltung und Kunst der Fachhochschule Nordwestschweiz mit dem Master of Fine Arts ab. Huber lebt und arbeitet heute in Basel.
Für das Kunstmuseum Olten ist er kein Unbekannter, waren seine Werke doch schon mehrfach an Ausstellungen präsent. Anlässlich der 31. Jahresausstellung der Solothurner Künstler*innen im Kunstmuseum Olten 2015 wurde Matthias Huber der Preis der Rentsch-Stiftung verliehen. 2019 wurde eines seiner Werke aus der Jahresausstellung vom Kuratorium des Kantons Solothurn angekauft.
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Website Matthias Huber
Laudatio Werkjahrbeitrag Kanton Solothurn
Matthias Huber auf plattformplattform.ch
Jahresaussenprojekt im Kunsthaus Baselland, 2016
Beitrag in der Tageswoche zum Projekt im Kunsthaus Baselland, 14.6.2016
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für das Solothurner Kunstschaffen
Nr. 15 – Luzia Klossner
Aus Anlass der 37. Kantonalen Jahresausstellung der Solothurner Künstler*innen im Kunstmuseum Olten stellen wir Ihnen die beteiligten Kunstschaffenden und ihre Exponate vor.
Die Jahresausstellung der Solothurner Kunstschaffenden findet abwechselnd in Olten und Solothurn statt. 2021 wird sie vom Kunstverein Olten im Kunstmuseum Olten ausgerichtet.
Die Ausstellung gibt Einblick in die vielgestaltige und lebendige Solothurner Kunstszene und bietet eine wichtige Plattform für den Austausch mit und zwischen den Kunstschaffenden der Region.
Luzia Klossner
Landscape Model for Daily Use
Das Werk Luzia Klossners (*1996) erstreckt sich mittig über dem Boden des letzten Ausstellungsraumes im Erdgeschoss.
Die 6 Tonobjekte und unterschiedliche Schaumstoffmatten verschmelzen zu einer fremdartigen Landschaft aus gegensätzlichen Elementen. Runde organische Formen stellen sich gegen die harten dicken und dünnen Kanten der Matten. Harmonieren die hellgrauen Gegenstände mit den violetten und zartfliederfarbenen Nuancen des Kunststoffes, so stehen die erdigen Terracottatöne der anderen Objekte wiederum im Kontrast dazu.
Dadurch, dass wir die Installation als Betrachtende umrunden können, erhält sie weitere Lebendigkeit. Schattenwürfe werden sichtbar, und je stärker der Blick die Formen des Gebildes abtastet, desto deutlicher treten Assoziation hervor. Hier ein Canyon, da Fabriktürme, eine Vase, Iglu, Moschee, und ist das etwa eine Anlehnung an eine Betonkirche, wie diejenige von Carsten Schröck?
Das menschliche Gehirn ist bemüht, ein möglichst schlüssiges, auf seine visuellen, ästhetischen, kulturellen und soziologischen Erfahrungen beruhendes Bild der Welt zu liefern. Eine Erkenntnis, welche die Ausgangsposition zu Klossners künstlerischer Arbeit liefert. Sie selbst schreibt: «Ich setzte Zeichen, die den Betrachtenden das Gefühl geben, etwas zu erkennen. Durch die Verschiebung von Funktions- und Anwendungsmuster ergeben sich Objekte, die unterschiedliche Assoziationen ermöglichen und dadurch Sehgewohnheiten offen legen.»
Der Titel «Landscape Model for Daily Use» hat sowohl eine deskriptive Komponente als auch einen verweisenden Charakter. Mit diesem Modell greift die Künstlerin auf ein beliebtes Verfahren der Bildenden Kunst zurück, welches die Kraft besitzt, die wahre Natur, sprich die schwer erfassbare Realität, vielschichtig erfahrbar zu machen. (vlg. Sabine Vogel)
Biographisches
Die Werke der gebürtigen Baselerin Luzia Klossner (*1996) bewegen sich auf der Bruchkante zwischen Kunst und Design. Aus dem Bereich des Objektdesigns kommend merkte sie schon bald, dass Ihr Interesse über die Ästhetik und Funktionalität von Gegenständen hinaus reicht. In Ihren Werke hinterfragt Klossner die gesellschaftlichen Konventionen, die mit alltäglichen Objekten in Verbindung stehen und spielt mit der Grenze ihrer Lesbarkeit.
Luzia Klossner schloss in diesem Jahr ihren Bachelor of Arts in Kunst und Design an der HSLU in Luzern ab. Seit 2018 ist die junge Künstlerin schweizweit in diversen Gruppenausstellungen vertreten.
Fragen an Luzia
Alle in der Jahresausstellung vertretenen Künstler*innen haben wir gebeten, uns dieselben sieben Fragen zu beantworten. Auf diese Weise möchten wir – im O-Ton – mehr über ihr jeweiliges Selbstverständnis, ihre Arbeitsweise und ihre Inspirationsquellen erfahren:
Warum bist Du Künstler*in geworden?
LK: Ich bin mehr oder weniger zufällig zur Kunst gekommen. An der Hochschule Luzern hatte ich mich anfangs für den Studiengang Objektdesign eingeschrieben. Nach dem ersten Studienjahr habe ich mich dann entschlossen, in den Studiengang Kunst+ zu wechseln. Angezogen hat mich die selbständige Art zu arbeiten und das freie Experimentieren mit Ideen, Materialien und Präsentationsformen.
Handwerk und Design sind noch immer Themen, die meine künstlerische Arbeit stark prägen. Im Studium schärfte ich meinen Blick für die Bedeutung der Beziehung zwischen Mensch und Objekt. Die Betrachtung im Kontext der Kunst machte mir bewusst, wie viele Codes wir im Unterbewussten entschlüsseln, bevor wir ein Objekt gebrauchen. Die Tatsache, dass unser Körper vierundzwanzig Stunden am Tag und in allen Lebenslagen von Objekten unterstützt wird, und wir uns dennoch selten mit deren Bedeutung und Wirkung beschäftigen, beeindruckt mich.
Ich bin der Meinung, dass wir unsere enge Bindung zu den Gegenständen dazu nutzen sollten, um kritisch zu hinterfragen wie wir leben und wonach wir streben.
Wie definierst Du Kunst?
Für mich ist Kunst anzufertigen oder zu betrachten eine Methode um zu denken, die Dinge zu reflektieren, nicht nur auf intellektueller, sondern auch auf emotionaler und körperlicher Ebene.
Welchen Ort hat die Kunst in der Gesellschaft?
Obwohl Kunst so unumgänglich zu unserem Alltag gehört, in dem sie gesellschaftliche Debatten aufgreift und dadurch Platz schafft für Auseinandersetzungen, ist der Begriff für viele etwas ausserhalb ihrer Wohlfühlzone. Das liegt meiner Meinung nach daran, dass unter anderem die Meinung vorherrscht, es gäbe ein richtig und falsch bei der Betrachtung von Kunst. Das konnte ich oft in Gesprächen mit meiner Familie oder Freunden beobachten. Die Angst davor, etwas falsch zu verstehen, hält dann davon ab, sich wirklich auf ein Kunstwerk einzulassen. Ich denke, das ist einer von vielen Gründen, weshalb ein Teil der Gesellschaft die Relevanz von Kunst nicht wirklich nachvollziehen kann.
Gibt es eine/n ideale/n Betrachter/in für Deine Werke?
Ich freue mich über jeden, der sich die Zeit nimmt, mein Werk zu betrachten und sich damit auseinander zu setzen. Ich sehe es als meine Aufgabe in meinem Werk Anhaltspunkte zu setzen, die vom Betrachtenden gedeutet und verknüpft werden können.
Wo arbeitest Du? Wie sieht Dein Arbeitsort / Atelier aus?
Vor kurzem bin ich in ein Gemeinschaftsatelier gezogen, das zum Stellwerk Basel gehört, hier arbeite ich mit 5 weiteren Kunst- und Kulturschaffenden. Mein Arbeitsplatz ist meistens gut strukturiert und ordentlich, so behalte ich den Überblick über Skizzen und Materialversuche.
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Nr. 14 – Laura Mietrup
Aus Anlass der 37. Kantonalen Jahresausstellung der Solothurner Künstler*innen im Kunstmuseum Olten stellen wir Ihnen die beteiligten Kunstschaffenden und ihre Exponate vor.
Die Jahresausstellung der Solothurner Kunstschaffenden findet abwechselnd in Olten und Solothurn statt. 2021 wird sie vom Kunstverein Olten im Kunstmuseum Olten ausgerichtet.
Die Ausstellung gibt Einblick in die vielgestaltige und lebendige Solothurner Kunstszene und bietet eine wichtige Plattform für den Austausch mit und zwischen den Kunstschaffenden der Region.
Laura Mietrup
Nesi
Mit etwa 6 x 2 Metern gibt das Werk von Laura Mietrup die grösste Position der #jahresausstellung ab. Es erstreckt sich über die gesamte Wandfläche, die erst kürzlich für die imersive Cyanotypie von Daniela Keiser durch die Entfernung der alten Bilderleisten vergrössert worden war.
«Nesi», so der Titel des reliefartigen Werks, setzt sich aus unterschiedlichen geometrischen Formen zusammen. Umrandet von einem schwarzen Rahmen ist die Fläche in unterschiedlich grosse Rechtecke gegliedert. Scheint es sich zunächst – gelöst von jeglicher Gegenständlichkeit – um eine suprematistische Reduktion auf geometrische Köper zu handeln, so treten bei näherer Betrachtung der Gestaltungsmittel wohlbekannte Gegenstände wie etwa ein Fussmassagegerät hervor.
Alles bis auf eine rote Scheibe als Blickfang ist in Schwarz gehalten. Was in den einzelnen Elementen gesehen wird, ist allein den Betrachtenden überlassen. Ob Ufo, Gitarre, mechanische Bedienungsanleitung oder doch nur Fliegenklatsche – den Assoziationen ist freien Lauf gelassen.
Bemerkenswert ist auch die glatte, makellose Oberfläche der Elemente. Hierbei greift Mietrup auf Masken, Techniken und Methoden zurück, die sie in ihrer Ausbildung als Rahmenvergolderin gelernt hatte. Im Allgemeinen fliessen immer wieder autobiografische Elemente in ihre Werke mit ein. Strukturen, die repräsentativ für Ereignisse in ihrem Leben stehen, deren Bedeutung jedoch nur die Künstlerin selbst kennt. Ähnlich verhält es sich auch mit den Werktiteln, die, der Fantasie entsprungen, mal mehr nach dem Klang eines Wortes, mal mehr in Bezug auf eine Botschaft ausgesucht werden, die den Aussenstehenden jedoch verborgen bleibt.
Die Bandbreite von Mietrups Arbeiten erstreckt sich von kleinen Skulpturen über Gouachen hin zu dreidimensionalen Wandgemälden und raumeinnehmende Installationen. Stets in klaren Formen, manchmal humoristisch, aber stets rätselhaft geheimnisvoll.
Biographisches
Geboren ist Laura Mietrup (*1987) in Rheinfelden, wo sie im Schreinerbetrieb ihrer Eltern aufwuchs. Vom Handwerklichen angezogen, machte sie zunächst eine Berufslehre als Rahmenvergolderin. Am Haus der Farbe, der Zürcher Fachhochschule für Gestaltung in Handwerk und Architektur, absolvierte sie eine Weiterbildung bevor sie an der Hochschule für Gestaltung in Basel (HSG) ihren Bachelor of Fine Arts und schliesslich an der Hochschule der Künste in Bern (HKB) ihren Master of Fine Arts abschloss. Heute lebt Mietrup in Basel, wo sie im Atelierhaus Klingenthal ihren Arbeitsort besitzt.
In den letzten Jahren war die Künstlerin an diversen Ausstellungen in der Schweiz und im angrenzenden Ausland präsent. Das Kunsthaus Baselland richtet ihr Anfang 2022 ihre erste grosse Einzelausstellung aus (14.1.–37.2.2022) .
Vom Kunstmuseum Olten wurde Laura Mietrup mit dem erstmals im Rahmen der Jahresausstellung vergebenen Ausstellungspreis ausgezeichnet. Er besteht in einer Einladung, den Dienstraum, die Dependance des Kunstmuseums Olten im Bahnhof Olten, zu bespielen. Wir freuen uns auf ihren Beitrag Ende 2022.
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für das Solothurner Kunstschaffen
Nr. 13 – Edy A. Wyss
Aus Anlass der 37. Kantonalen Jahresausstellung der Solothurner Künstler*innen im Kunstmuseum Olten stellen wir Ihnen die beteiligten Kunstschaffenden und ihre Exponate vor.
Die Jahresausstellung der Solothurner Kunstschaffenden findet abwechselnd in Olten und Solothurn statt. 2021 wird sie vom Kunstverein Olten im Kunstmuseum Olten ausgerichtet.
Die Ausstellung gibt Einblick in die vielgestaltige und lebendige Solothurner Kunstszene und bietet eine wichtige Plattform für den Austausch mit und zwischen den Kunstschaffenden der Region.
Edy A. Wyss
Objekt (Einschneidend 1)
Einschneidend, 2020, Lack auf MDF-Platten, 205 x 100 cm
Das Werk des Balsthaler Künstlers Edy A. Wyss (*1945) ist ganz und gar in (Ultramarin-)Blau gehalten. Es besticht durch seine Klarheit und wirft dennoch Fragen auf. Der Titel ist Programm: Die gänzlich mit Lack überzogene Holzfaserplatte weist an fünf Stellen «Einschnitte» auf. Die in der Platte fehlenden Versatzstücke sind am Boden davor platziert – so als könnten sie, wie bei einem Puzzle, wieder an der richtigen Stelle eingefügt werden.
Doch so einfach macht es uns Wyss nicht. In seinem breitgefächerten Schaffen geht er unterschiedlichsten Fragestellungen nach. Das Lesen der Zeichen, die er setzt, erfordert Zeit. Denn «Je schneller man ein Bild lesen kann, desto schneller hat man es wieder vergessen.» (Zitat Künstler)
Beim Rundgang durch die Jahresausstellung wird die Betrachterin des grossformatigen Werkes mit sich selbst konfrontiert. Unscharf allerdings, trotzdem ist die Silhouette deutlich erkennbar. Man kommt also nicht umhin, sich mit dem Spiegelbild und mit der Wirkung des Werkes auseinanderzusetzen. Aufgrund des Entstehungsjahres 2020 liegt die Vermutung nahe, dass das «einschneidende Ereignis» einen Zusammenhang mit der Corona-Pandemie hat. Möglich, aber nicht zwingend.
Die blaue Farbe will nicht recht zum «Einschneidenden» passen – vermittelt sie doch im Allgemeinen ein Gefühl von Ruhe und Harmonie. Blau wird eine emotional ausgleichende, angenehme Wirkung zugeschrieben. Ein Widerspruch?
Die Welt ist aus den Fugen geraten – sowohl, was das globale Geschehen, aber auch, was das eigene Wohlergehen des Künstlers anbelangt. Durch eine Krankheit verlor Edy A. Wyss sehr plötzlich die Sehkraft seines linken Auges.
Diese Erfahrung verarbeitet er in seinen Kunstwerken. Er nimmt die künstlerische Freiheit für sich in Anspruch und vermittelt den Betrachtenden durch die Fragen, die er stellt, Denkanstösse. Er liebt aufwendige Entstehungsprozesse und intensive Denkarbeit, kaum etwas wird dem Zufall überlassen.
Der Künstler wurde 1945 in Fulenbach geboren. Als er zwölf war, zog seine Familie nach Balsthal. Eigentlich wäre er gerne Bauer geworden, schlug aber nach ersten Zeichenversuchen einen anderen Weg ein. Er liess sich zum Grafiker ausbilden und absolvierte anschliessend in München eine Kunstausbildung. 1975 kehrte er eher zufällig wieder nach Balsthal zurück, wo er noch immer sein Grafik- und Kunstatelier betreibt. Er ist Mitglied der losen Künstlergruppe «Lenz Friends» und nimmt seit 45 Jahren an Einzel- und Gruppenausstellungen teil.
Werke von Edy A. Wyss sind im öffentlichen Raum in der Region anzutreffen, so beispielsweise im Empfangsbereich mehrerer Bankfilialen. 2003 durfte er auf Ausschreibung der Papierfabrik Tela den farbenprächtigen Strassenkreisel «vom Holz zum Papier» in Niederbipp realisieren.