61 Fenster für das Solothurner Kunstschaffen Nr. 15 – Luzia Klossner
Aus Anlass der 37. Kantonalen Jahresausstellung der Solothurner Künstler*innen im Kunstmuseum Olten stellen wir Ihnen die beteiligten Kunstschaffenden und ihre Exponate vor.
Die Jahresausstellung der Solothurner Kunstschaffenden findet abwechselnd in Olten und Solothurn statt. 2021 wird sie vom Kunstverein Olten im Kunstmuseum Olten ausgerichtet.
Die Ausstellung gibt Einblick in die vielgestaltige und lebendige Solothurner Kunstszene und bietet eine wichtige Plattform für den Austausch mit und zwischen den Kunstschaffenden der Region.
Luzia Klossner Landscape Model for Daily Use
Das Werk Luzia Klossners (*1996) erstreckt sich mittig über dem Boden des letzten Ausstellungsraumes im Erdgeschoss.
Abb. 2 Luzia Klossner: Landscape Model for Daily Use, 2021 Mixed Media, Installation, 200 x 250 x 20 cm Ausstellungsansicht Kunstmuseum Olten, 2021 37. Jahresausstellung der Solothurner Kunstschaffenden mit Werken von Luzia Klossner, Mathias Huber (links) und Maja Rieder (rechts) Foto Kaspar Ruoff © Künstlerin
Die 6 Tonobjekte und unterschiedliche Schaumstoffmatten verschmelzen zu einer fremdartigen Landschaft aus gegensätzlichen Elementen. Runde organische Formen stellen sich gegen die harten dicken und dünnen Kanten der Matten. Harmonieren die hellgrauen Gegenstände mit den violetten und zartfliederfarbenen Nuancen des Kunststoffes, so stehen die erdigen Terracottatöne der anderen Objekte wiederum im Kontrast dazu.
Dadurch, dass wir die Installation als Betrachtende umrunden können, erhält sie weitere Lebendigkeit. Schattenwürfe werden sichtbar, und je stärker der Blick die Formen des Gebildes abtastet, desto deutlicher treten Assoziation hervor. Hier ein Canyon, da Fabriktürme, eine Vase, Iglu, Moschee, und ist das etwa eine Anlehnung an eine Betonkirche, wie diejenige von Carsten Schröck?
Abb. 3–6 Luzia Klossner: Landscape Model for Daily Use, 2021 Mixed Media, Installation, 200 x 250 x 20 cm Foto + © Künstlerin
Das menschliche Gehirn ist bemüht, ein möglichst schlüssiges, auf seine visuellen, ästhetischen, kulturellen und soziologischen Erfahrungen beruhendes Bild der Welt zu liefern. Eine Erkenntnis, welche die Ausgangsposition zu Klossners künstlerischer Arbeit liefert. Sie selbst schreibt: «Ich setzte Zeichen, die den Betrachtenden das Gefühl geben, etwas zu erkennen. Durch die Verschiebung von Funktions- und Anwendungsmuster ergeben sich Objekte, die unterschiedliche Assoziationen ermöglichen und dadurch Sehgewohnheiten offen legen.»
Abb. 7 Luzia Klossner: Landscape Model for Daily Use (Detail), 2021 Mixed Media, Installation, 200 x 250 x 20 cm Foto + © Künstlerin
Der Titel «Landscape Model for Daily Use» hat sowohl eine deskriptive Komponente als auch einen verweisenden Charakter. Mit diesem Modell greift die Künstlerin auf ein beliebtes Verfahren der Bildenden Kunst zurück, welches die Kraft besitzt, die wahre Natur, sprich die schwer erfassbare Realität, vielschichtig erfahrbar zu machen. (vlg. Sabine Vogel)
Biographisches
Die Werke der gebürtigen Baselerin Luzia Klossner (*1996) bewegen sich auf der Bruchkante zwischen Kunst und Design. Aus dem Bereich des Objektdesigns kommend merkte sie schon bald, dass Ihr Interesse über die Ästhetik und Funktionalität von Gegenständen hinaus reicht. In Ihren Werke hinterfragt Klossner die gesellschaftlichen Konventionen, die mit alltäglichen Objekten in Verbindung stehen und spielt mit der Grenze ihrer Lesbarkeit.
Luzia Klossner schloss in diesem Jahr ihren Bachelor of Arts in Kunst und Design an der HSLU in Luzern ab. Seit 2018 ist die junge Künstlerin schweizweit in diversen Gruppenausstellungen vertreten.
Fragen an Luzia
Alle in der Jahresausstellung vertretenen Künstler*innen haben wir gebeten, uns dieselben sieben Fragen zu beantworten. Auf diese Weise möchten wir – im O-Ton – mehr über ihr jeweiliges Selbstverständnis, ihre Arbeitsweise und ihre Inspirationsquellen erfahren:
Warum bist Du Künstler*in geworden?
LK: Ich bin mehr oder weniger zufällig zur Kunst gekommen. An der Hochschule Luzern hatte ich mich anfangs für den Studiengang Objektdesign eingeschrieben. Nach dem ersten Studienjahr habe ich mich dann entschlossen, in den Studiengang Kunst+ zu wechseln. Angezogen hat mich die selbständige Art zu arbeiten und das freie Experimentieren mit Ideen, Materialien und Präsentationsformen.
Handwerk und Design sind noch immer Themen, die meine künstlerische Arbeit stark prägen. Im Studium schärfte ich meinen Blick für die Bedeutung der Beziehung zwischen Mensch und Objekt. Die Betrachtung im Kontext der Kunst machte mir bewusst, wie viele Codes wir im Unterbewussten entschlüsseln, bevor wir ein Objekt gebrauchen. Die Tatsache, dass unser Körper vierundzwanzig Stunden am Tag und in allen Lebenslagen von Objekten unterstützt wird, und wir uns dennoch selten mit deren Bedeutung und Wirkung beschäftigen, beeindruckt mich. Ich bin der Meinung, dass wir unsere enge Bindung zu den Gegenständen dazu nutzen sollten, um kritisch zu hinterfragen wie wir leben und wonach wir streben.
Wie definierst Du Kunst?
Für mich ist Kunst anzufertigen oder zu betrachten eine Methode um zu denken, die Dinge zu reflektieren, nicht nur auf intellektueller, sondern auch auf emotionaler und körperlicher Ebene.
Welchen Ort hat die Kunst in der Gesellschaft?
Obwohl Kunst so unumgänglich zu unserem Alltag gehört, in dem sie gesellschaftliche Debatten aufgreift und dadurch Platz schafft für Auseinandersetzungen, ist der Begriff für viele etwas ausserhalb ihrer Wohlfühlzone. Das liegt meiner Meinung nach daran, dass unter anderem die Meinung vorherrscht, es gäbe ein richtig und falsch bei der Betrachtung von Kunst. Das konnte ich oft in Gesprächen mit meiner Familie oder Freunden beobachten. Die Angst davor, etwas falsch zu verstehen, hält dann davon ab, sich wirklich auf ein Kunstwerk einzulassen. Ich denke, das ist einer von vielen Gründen, weshalb ein Teil der Gesellschaft die Relevanz von Kunst nicht wirklich nachvollziehen kann.
Gibt es eine/n ideale/n Betrachter/in für Deine Werke?
Ich freue mich über jeden, der sich die Zeit nimmt, mein Werk zu betrachten und sich damit auseinander zu setzen. Ich sehe es als meine Aufgabe in meinem Werk Anhaltspunkte zu setzen, die vom Betrachtenden gedeutet und verknüpft werden können.
Wo arbeitest Du? Wie sieht Dein Arbeitsort / Atelier aus?
Vor kurzem bin ich in ein Gemeinschaftsatelier gezogen, das zum Stellwerk Basel gehört, hier arbeite ich mit 5 weiteren Kunst- und Kulturschaffenden. Mein Arbeitsplatz ist meistens gut strukturiert und ordentlich, so behalte ich den Überblick über Skizzen und Materialversuche.
Abb. 8 Atelier Luzia Klossner Foto + © Künstlerin
Abbildungen
Abb. 1 Luzia Klossner (*1996) Landscape Model for Daily Use, 2021 Mixed Media, Installation, 200 x 250 x 20 cm Ausstellungsansicht Kunstmuseum Olten, 2021 37. Jahresausstellung der Solothurner Kunstschaffenden Foto Kaspar Ruoff © Künstlerin
Abb. 2–10 Siehe Legenden unter den Abbildungen.
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Ein Beitrag von Rani Magnani, Kunsthistorikerin Praktikantin Kunstmuseum Olten
Redaktion: Katja Herlach Kuratorin Kunstmuseum Olten
Veröffentlicht am 26.1.2022












