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Tag 17
Ernüchterung, General Glumpf und cleveres Kamel Heute, ihr Lieben, begann der Tag ziemlich traurig, und solltet ihr schon einige Zeit mein Blog lesen, vielleicht gar zwischenzeitlich ein wenig Verbundenheit empfinden, dann sei darauf hingewiesen, dass liebevolle Gemüter nun von Betroffenheit und Mitleid ergriffen werden könnten. Folgendes ist geschehen: Ich ging heute morgen zur Waage und stellte mich drauf. Sie zeigte 92,1 kg. Gestern waren es 91,9 kg. Halten wir einen Moment inne! Steigen wir rückwärts von der Waage. Und steigen wir nochmal drauf: zweiundneunzigkommaeins. Fassungslos setzte ich mich; nicht auf den Boden, sondern auf einen Stuhl und blickte ins Leere. Ich habe zugenommen. Langsam und ohne mich wehren zu können, hob ich mein T-Shirt, das mich bei Nacht vor Kälte und Mückenstichen behüten soll, ein Stück hinauf. Da waren sie; und da sind sie noch immer; die Fettrollen an meinem Bauch. Ich verschränkte die Arme auf der Platte meines Arbeitstisches, ließ den Kopf kraftlos herab und weinte nicht bitterlich. Und das war gut so, denn Tränen hätten nichts genützt. Gut, ich hätte etwas Wasser verloren und damit auch an Gewicht, aber diesen Vorteil bedachte ich gar nicht, hingegen erfasste mich eine Schwermut, trotz der ich mich allerdings erhob und schweren Schrittes in die Küche gelangte und die Schranktür zum Gewürzschrank öffnete. Da stehen die Gläser nach wie vor nicht; und so war ich erneut getroffen; denn so langsam frage ich mich allen Ernstes, ob mein Unterbewusstsein, und zugegeben, damit mein Gehirn, von derartiger Beschränktheit ist, dass ich mich noch immer nicht daran gewöhnt habe, selbigen Küchenschrank, eben in der Absicht eines Hirntests, umgeräumt zu haben. Mit müden Beinen mühte ich mich in meine Jogginghose, und, von besagter Schwermut wie betäubt, brauchte ich noch weitere zehn Minuten, bis ich mich aufraffen konnte, die Turnschuhe anzuziehen. Zweihundert Gramm hatte ich zugenommen. Das kann doch nicht wahr sein. Also auf! Dauerlauf! Fünf Tibeter! Dauerlauf! Auf in den Tiergarten! Ich zwang mich zum Sport aber kam nicht in die Gänge. Ich war müde und hatte mein ganzes Projekt satt! Vorbei an dem Cafe, wo man so schön sitzen kann? Vorbei? Oder einfach hinsetzen und Kaffee trinken. Nein! Weiter! Die ganze Strecke zog sich. Endlich war ich im Wald und noch tiefer in Gedanken. Es wurde nebelig und regelrecht dunkel. Die Äste der Bäume ächzten. Knacken. Schritte. Direkt neben mir. Ein kleinwüchsiger fettleibiger Mensch war plötzlich aus dem Nichts aufgetaucht und hielt schnaufend Schritt. Er trug schwere Lederstiefel und eine zugeknöpfte Uniformjacke, die aus allen Nähten zu platzen drohte. Auf seiner Brust prangte ein Namensschild: General Glumpf. "Na, du Ratte!?" fistelte er und wandte sich mir zu. "Willst mich wohl loswerden?" Aus seinen kleinen, stechenden Augen sah er mich mit höhnischem Flackern angriffslustig an. Mir war langsam etwas mulmig zu Mute. Einfach ignorieren und schneller Laufen? Aber dann öffnete er seine Jacke, "Ich zeig dir mal was, du Wicht", und ich sah, wie sich von seinem nackten Bauch Unmengen kleiner Fettkugeln lösten und mir über die Schuhe, unter die Hose und dann den Leib hinauf rollten. "Du jagst mich durch die Wälder? Über Brücklein und Stege?" Ich hatte den enormen Wasserstrahl, und wer die Besprenkelungsanlagen im Tiergarten kennt, weiss, welche Reichweite sie haben, zwar wahrgenommen, aber es war zu spät. Eine kräftige Dusche riss mich aus dem Tagtraum und erfrischte derart, dass ich lachen musste. Und damit war Schluss mit Selbstmitleid! Aufraffen! Weitermachen! Nicht aufgeben! Es gibt immer wieder ein Tief. Und da muss man durch. Den Fettzellengeneral werde ich jagen! Allerdings! Zu Hause angekommen saß die Einzige, mein Töchterchen, bei Kaffee und Handy. Micky, der KaterKater, genoss zart angekochte Rindfleischhäppchen. Meine Minutensteaks. Na wunderbar. Es ergab sich sodann ein Gespräch mit Sofie, nicht mit Micky, der konzentrierte sich auf mein Steak, das mir, nicht das Steak, sondern das Gespräch, dem Scharfsinn meiner Tochter zu Dank, eine mögliche Erklärung und Hoffnung zugleich gab. Denn, und darüber sprachen wir, es war mir ein Rätsel, wie ich nur zugenommen haben konnte; hatte ich doch gestern lediglich 635 Kalorien verspeist. Selbst ohne Sport, ich hatte mir eine Pause gegönnt, musste ich mehr als diese 635 Kalorien verbraucht haben. Wie also kann ich dann zunehmen? Und dann stellte meine Tochter die aufschlussreiche Frage: "Wie viel Wasser hast du getrunken?" Und mir dämmerte es. "Wenn du nämlich zu wenig Wasser trinkst, Paps, dann speichert dein Körper Wasser ab; ähnlich wie ein Kamel. Clever, nicht wahr?" "Ah." "Man sagt zudem: Ein Liter Wasser verursacht einen Effekt, der einer Verbrennung von etwa 100 Kalorien entspricht. Allerdings nur dann, wenn man etwa drei bis vier Liter Wasser am Tag trinkt." Und sie hatte recht: Gestern habe ich wenig Wasser getrunken. Eigentlich nur so viel, wie ich für meine Vitaldrinks brauche. Etwa einen Liter. Vielleicht, überlegten wir dann, baue ich, durch den regelmäßigen Sport, inzwischen auch tatsächlich etwas Muskeln auf. Heute, jedenfalls, habe ich drei Liter Wasser getrunken. Tag 17 ist geschafft. Noch 4 Tage.
Fitness für Übersetzer
Wer täglich 8000 Schritte geht, der bleibt fit und gesund … hab ich neulich gelesen. Also habe ich mir einen Schrittzähler geleistet und mit Entsetzen festgestellt, dass ich an einem normalen Arbeitstag im Heimbüro gerade mal auf 1500 Schritte komme.
Das ja gerade Übersetzer (fast) immer an Rückenproblemen leiden – und wir ja alle nicht jünger werden – muss sich was ändern, und zwar sofort. Ich…
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