2003
Der Dell
Etwa im Jahr 2003 schafft unsere Firma für die Mitarbeiter Personal Digital Assistants (PDAs) an. Manche sagen dazu auch Handheld Computer, oder Palmtop. Letzteres ist allerdings ein Markenname, der in unserem Falle nicht zutrifft (es handelt sich um einen Dell Axim 5), aber wie beim Tempotaschentuch ist das den Leuten bisweilen auch egal. In der Firma setzt sich die Bezeichnung „Der Dell“ durch.
Der Dell sieht aus wie ein zu knubbelig geratenes Smartphone. Sein Betriebssystem ist Windows Mobile. Es gehört eine Art Dockingstation dazu, in der er geladen wird, und die über den Schreibtisch-PC Kontakt zu Netzwerk und Internet hat. Ausserhalb der Station hat das Gerät keinen Internetzugang. Touchscreen? Ja, irgendwie schon, allerdings funktioniert er nur mit dem (leicht verlierbaren und teuer nachzukaufenden) Eingabestift wirklich befriedigend – an Texteingabe mit dem Finger ist nicht zu denken (mal einen Menüpunkt mit dem Finger anstupsen funktioniert aber).
Sein eigentlicher Trumpf ist, dass er einen GPS-Empfänger hat, so dass er (nach unserer 2003er Recherche, die gut ist oder vielleicht auch nicht) die zu diesem Zeitpunkt mit Abstand billigste Lösung ist, einem Auto nachträglich ein Navigationssystem zu verpassen. Man braucht lediglich eine Navigations-Software, die in unserem Fall von Tomtom und auf CD geliefert wird. Sie kostet zwar Geld, aber längst nicht so viel wie die Lösungen, welche die Autohersteller anbieten.
Die Navigation mit Tomtom auf dem Dell funktioniert jedenfalls hervorragend (um Längen besser als das vom Autohersteller gelieferte Navi, das ich 2019 benutze). Abgesehen davon bin ich aber der einzige Mitarbeiter, der mit dem Dell so richtig warm wird. Als einziger richte ich die Synchronisierung mit meinen Mails, Terminen und Kontakten ein (erstere, mangels Internetverbindung, halt nur zum Nachlesen), und benütze das Gerät intensiv und gern.
Etwas ungutes Thema ist die Akkulaufzeit, sie beträgt nur wenige Stunden. Ich mildere das Problem, indem ich im Internet einen Superakku mit doppelter Kapazität bestelle, der allerdings auch doppelt so gross ist wie das Original, an der Geräterückseite rucksackartig übersteht, und den Apparat noch knubbeliger macht.
Ich versuche, das Gerät zum Musik- oder gar Filmeabspielen zu verwenden – wie traumhaft wäre es, in Bus, Bahn und Flugzeug Spielfilme darauf abspielen zu können, die Umsitzenden würden sabbern vor Neid! Es wird aber nichts damit. Zwar sind die notwendigen Programme (das Wort App existiert glaub ich noch nicht, und wenn, ist es mir noch zu suspekt, um es zu denken) durchaus vorhanden, aber Speichermedium und Prozessor sind so hoffnungslos überfordert, dass man nur milde lächeln kann.
Schon bald sehe ich bei meinem österreichischen Kollegen einen PDA, der nicht nur alles kann, was der Dell kann, sondern auch noch fotografieren, telefonieren und Musik abspielen! Jetzt sabbere ICH vor Neid. Ob ich wohl je ein solches Wundergerät mein Eigen nennen werde?
(Tilman Otter)














