Lieber brotlose Kunst, als im Kulturbetrieb angekettet? Alternatives Jugendzentrum vor Castingshow? Ist es erstrebenswert, der beste Amateur zu sein, oder lieber ein durchschnittlicher Profi unter …
Lieber brotlose Kunst, als im Kulturbetrieb angekettet? Alternatives Jugendzentrum vor Castingshow? Ist es erstrebenswert, der beste Amateur zu sein, oder lieber ein durchschnittlicher Profi unter unzähligen?
Joe Flory aus Birmingham hat sich offensichtlich entschieden, veröffentlicht er doch bereits sein zweites Album unter dem Pseudonym Amateur Best. Die Zuordnung des Genres fällt bei „The Gleaners“ jedoch schwerer als nach dem ersten Hören erwartet: Indietronics, Electronics, Techno oder House, je nach Song, je nach Passage. Einigen wir uns auf Popmusik mit elektronischen Klangerzeugern.
Flory haucht seine feinen Melodien mit rauchigem Timbre, welches in den besten Augenblicken an den großen David Sylvian denken lässt (oder zumindest an dessen Neffen zweiten Grades, der mehr The Postal Service als Japan konsumiert hat). Die Songs sind Songs, keine Tracks, was gut ist (obwohl ich die Fernsehserie „Der lange Treck“ immer sehr mochte, eine Information, die an dieser Stelle aber nur als käsiger Kalauer dient). Es steckt etwas Anachronistisches in Florys Kompositionen, etwas Altbackenes, das in mir Assoziationen von verrauchten Jugendzimmern und staubigen Möbeln aus Eiche Furnier weckt. Vielleicht weckt diese Bilder die laut Info der Plattenfirma von Amateur Best beanspruchte Schnittmenge mit dem Werk von Ryuchi Sakamoto, jenem japanischen Musikgenie, das seine Finger bei unzähligen Produktionen im Spiel hatte, die ich in den frühen Neunzigern (in verrauchten Jugendzimmern) entdeckte und bis heute schätze. Hören kann ich Sakamotos Berührung in „The Gleaners“ beim besten Willen nicht.
Die Sounds, das Zünglein an der Waage für jede Art elektronischer Musik, sind weich, süß und so wattig, dass sie mir die Gehörgänge verkleben. Alles ist präsent, drängelt in der Produktion nach vorne. Zu wenig wird nur angedeutet, strahlt aus der zweiten Reihe, nichts gibt sich geheimnisvoll, kann über die lange Distanz erst entdeckt werden. So weiß ich nach dem ersten Date schon zu viel über mein geschwätziges Gegenüber, das alles Interessante wie im Rausch ausplappert und es bleibt bei einem flüchtigen Flirt. Bei aller Sympathie.











