Am letzten Abend in Bagan habe ich spontan (natuerlich) beschlossen, einen Zwischenstopp im Kaff Monywa einzulegen, waermstens empfohlen wurde mir der Ort vom Hotelmanager des THIRI MARLAR, wo ich gewohnt habe. Da soll es wundervolle Hoehlen, Wandmalereien und den zweitgroessten stehenden Buddha der Welt geben. Merkwuerdig, dass bisher niemand darueber gesprochen hat. Die Busfahrt nach Monywa ist wundervoll. Die Landschaft ist irrsinnig schoen, ueber Fluesse, vorbei an Sandbaenken, Erdnussplantagen, Palmen und kleinen Bauernhoefen. Ich war uebrigens der einzige Tourist an Bord und zog saemtliche Blicke auf mich, auch als wir einen kurzen Halt gemacht haben und ich den bekannten suessen Tee mit Kondensmilch getrunken habe. An die Blicke habe ich mich mittlerweile gewoehnt, ich lache immer zurueck, wobei mein Gegenueber dann auch grinsen muss.
Schoenes, verborgenes Myanmar!
Monywa war eine ausgesprochen gute Entscheidung. Das kleine Staedtchen und die Umgebung bedeuten fuer mich das reine und pure Asien. Kein Tourist weit und breit! Ich bestaunte eine farbige Tempelanlage mit hunderten kleinen Buddhastatuen und anschliessend fuhr ich tatsaechlich zum zweitgroessten stehenden Buddha der Welt. Was soll ich sagen: menschenleer! Unglaublich, und das bei einer fantastischen Aussicht ueber das ganze Tal. Auch den Turm den wir bestiegen haben mit seinen ueber 2000 Buddha Statuen rundherum verstreut hatte ich ganz fuer mich alleine.
Am naechsten Tag fuhr ich zu den Hoehlen und abgesehen von einer Schulklasse war wieder keine Seele da. Natuerlich habe ich gerne erneut gefuehlte 50 Fotos mit mir schiessen lassen, ich habe zwar jeweils einen Wangenkrampf vom Lachen aber wenn ich das Strahlen der Kinderaugen sehe, ist mir das auch wurscht. Das schoenste war aber die Fahrt dahin.
So wunderschoen und es fuehlte und fuehlt sich so an, als ob ich der einzige westliche Mensch in ganz Myanmar bin. Alles ist so unberuehrt. Ziegenherden, Ochsenkarren, Sonnenblumenfelder, weitere Erdnussplantagen, streunende Hunde und ich mittendrin. Myanmar pur!
So schnell vergeht die Zeit. Mittlerweile habe ich drei Tage in Mandalay verbracht und um gleich mit dem Klischee aufzuraeumen: Mandalay ist weder romantisch noch schoen. Es ist eine laute, schmutzige Grossstadt und all jene, die sich aufgrund irgendwelcher Buecher ein fantastisches Bild davon gemacht haben muss ich leider enttaeuschen. ABER, und hier kommt das grosse ABER, die Orte rund um Mandalay sind absolut sehenswert! Es gibt so viel zu bestaunen und so wurden aus meinen zwei gebuchten schlussendlich drei Naechte im zentralen AD1 Hotel, was sehr zentral gelegen ist und über so hilfsbereites und nettes Personal verfügt, dass ich gerne wieder hierher zurueck komme, sollte Mandalay nochmals meinen Weg kreuzen! Am ersten Morgen bin ich zusammen mit zwei Maedels aus Frankreich, die in Bangkok studieren zur bekannten U Bein Bruecke gefahren, um mir den Sonnenaufgang anzusehen. Diese ist mit 1.2km die laengste Teakholzbruecke der Welt. Die Stimmung am Wasser war trotz Wolken fantastisch und auch wenn ich Gefahr laufe, mich hier dauernd zu wiederholen: es war wunderschoen!
Nach dem Fruehstueck habe ich mir ein Motortaxi mit Fahrer gemietet fuer umgerechnet $15 am Tag, not too bad. Und er hat mir alles rund um die Stadt gezeigt. Die Landschaft abseits des Trubels und der Hektik und des Gestanks ist toll und so habe ich zwischendurch die Augen geschlossen und einfach nur genossen. Am naechsten Tag unternahm ich noch einen Kurztrip nach Mingun, das schoenste daran ist die Fahrt mit dem Boot. Eine Stunde lang liess ich die Seele baumeln und nun kann ich es nicht erwarten, tagelang auf dem Mekong umer zu schippern, das muss Ruhe pur sein!
Immer wieder begegnet mir mein Fahrer Nyi Nyi. Er ist so ein guter Mensch und obwohl ich ihn anfangs kein bisschen verstanden habe, so habe ich jetzt das Gefuehl, ausgesprochen gut mit ihm kommunizieren zu koennen. Vielleicht liegt es daran, dass wir beide Dienstagskinder sind. Auf alle Faelle hat er mir erzaehlt, dass die Moenche jeden Morgen um 4 Uhr den Buddha in der Mahamuni Pagode waschen (Frauen duerfen diese Statue uebrigens nicht beruehren aber niemand konnte mir genau erklaeren warum) und dieses Wasser wird anschliessend verkauft. Es ist also heiliges Wasser und auch Nyi Nyi hat eine Buddel davon. Mit diesem hat er sein Bike besprenkelt und so hatten wir stets eine sichere Fahrt.
Mittlerweile bin ich in Asien angekommen und schon voellig im flow. Ich habe nette, lustige, spannende und coole Leute kennen gelernt und es ist schoen, ab und an mit jemandem was zu unternehmen oder sich einfach zu unterhalten und zu lachen aber um ganz ehrlich zu sein geniesse ich es sehr, den Tag hindurch etwas fuer mich zu unternehmen und das mit einem Grinsen im Gesicht. Ehrlich, ich kann einfach nicht aufhoeren zu lachen. Es ist so schoen hier und jeder Augenblick erscheint mir so kostbar. Ich lebe den Moment. Wie hat die junge Frau im Hostel so schoen gesagt, als ich nach dem passenden Wort gesucht habe? “The word is free”. Recht hat sie. Ich fuehle mich frei, einfach nur frei!
Und genau mit dieser Einstellung erlebt man dieses Land am besten. Eigentlich wollte ich lediglich zum Bahnhof, um mir ein Ticket fuer den Zug nach Thazi zu kaufen, natuerlich fuhr ich wieder mit Nyi Nyi obwohl ich genau weiss, dass das Hotel viele andere Fahrer hat. Auf jeden Fall sind wir auf dem Rueckweg an einer Menschenmenge vorbeigefahren und ich fragte ihn, was hier los sei. So hielt er an und erklaerte mir, dies sei eine hinduistische Hochzeit. Ich haette mir nicht im Traum ausgemalt, 5 Minuten spaeter Teil dieses Fests zu sein, als ein aelterer Mann und offenbar hoch angesehen bei der Gesellschaft auf mich zukam und mich einlud, der Zeremonie beizuwohnen und gemeinsam mit den Gaesten zu speisen. Auch Nyi Nyi wurde herzlich eingeladen, er verliess den Tempel aber nach 15 Minuten da er weitere Auftraege hatte. Ich wurde also begruesst, willkommen geheissen, ausgefragt, angelaechelt und bevor ich mir versah, sass ich dem jungen Brautpaar gegenueber und die Braut strahlte mich an. Was fuer ein tolles Erlebnis. Farbenfroh, laut, duftend, FANTASTISCH! Und ich war ein Teil davon.