ANIMAE LIGNORUM · MANIBUS PARTUS
Animae Lignorum: Seelen der Bäume. Kinder des heiligen Hains.
Nadeln und Laub in der Mitte verwachsen, bis dass die Blüte sie trennt.
In ihrem Wandelkern liegt ihre Wahrheit: Beide zusammen sind Eins.
Manibus partus, – so lautet die Inschrift auf ihrem Moos-Monument.
Animae Lignorum: Seelen der Hölzer. Kernzehrend, brennend und hell.
Erde und Wind sind im Innern verschmolzen. Wehe dem, der sie zerbricht.
Lüg nicht die Hand an: Die hört es am meisten. Rinde ist auch nur ein Fell.
Irrlichter kennen die Form ihrer Zweige, Menschen erfassen sie nicht.
Geh oder bleib: Sie erschaffen sich trotzdem, wie sich die Sonne gebärt.
Nabelschnur, Nadelspur: Alles im Spiegel, alles im eigenen Maß.
Omega – Alpha: Es kennt keine Grenze, was keine Grenze besaß.
Rinde bleibt Rinde und Rabe bleibt Rabe, wenn man den Fluss überquert.
Und es ergibt endlich Sinn, wenn von innen Animae Lignorum schallt:
Manibus partus: Aus Händen geboren, beide zusammen sind Wald.
II
Manibus partus: Aus Händen geboren. Beide erschaffen die Welt
Aus ihren Fingern, und suchen nach Dingen, die ohne Mittelwert sind:
Neigungen, welche den Händen entspringen, haben sie sichergestellt.
In ihrer Form suchen Worte und Farben, wann ihre Traumzeit beginnt.
Bindeglied, Rindenlied: Wo fängt der Kreis an? Wo liegt der innerste Ring?
Untergrund abtastend fühlen die Wurzeln: Alles vermischt sich im Wind.
Sieh ihnen nach, dass im Innern der Rinden Ordnung dem Zuschnitt entging.
Priesterhand, Finsterland: Pochende Tiefen, ewig dem Greifen geweiht.
Animae Lignorum: Seelen der Stämme, Traum zwischen Ahnung und Ding.
Rabe bleibt Rabe und Rinde bleibt Rinde; sie aber bleiben zu zweit.
Trink aus den Händen, die fassen und formen: Setz deine Seele in Brand.
Ursprung der Wiederkehr, Urstamm der Wälder, Winden der ziffernden Zeit.
Seelen der Keimenden, manibus partus: Alles beginnt aus der Hand.