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Ich gehe durch die Nächte ohne Traum:
Ich träume schon bei Dämmerung zu viel.
Würde ich Nächte ebenso zerträumen,
wär mir der Tag zu ehrlich; und ich fiel
dann in die hellen Stunden wie ein Baum
im Dickicht fällt, umringt von hundert Bäumen,
und niemand würde merken: Einer fehlt.
Der Weizen merkt es nicht im goldnen Feld.
Der Beerenstrauch lässt los und merkt es nicht.
Ich lasse ähnlich los. Mir tropft das Licht
aus meiner ausgehöhlten Muttermitte,
und trifft es auf Papiere, dann zerbricht
die Schale ihm, und Wort befreit sich vorm
Gefesseltsein durch seine Strahlenform
wie eine duftumhüllte goldne Quitte.
Ich kam mit Worten her. Ich kam mit Trauer.
Ich war kein Trost. Auch meinen Eltern kaum.
Ich wuchs wie eine gutdurchdachte Mauer
zwischen den Tagen und dem Sinn darin,
und hielt sie stets für meinen eignen Traum,
welchem ich Träumer und Geträumter bin.
Und hinter mir war Nacht und vor mir: Tag
(Fata Morgana, unecht bis ins Mark).
Nur Wort war wirklich wahr. Kein Gott, kein Grund, –
nur Klänge, die mir kamen aus dem Mund
und Tropfen, die ich fallen ließ wie Steine:
Und jeder davon wurde Berg und Bach,
doch niemand wusste, was ich damit meine,
wenn ich erklärte: Lieber lieg ich wach,
als zu zerträumen. Wort ist meine Macht,
und Rhythmus meine Mitte; und ich weiß:
Ich kam mit Trauer, und sie fürchtet mich,
denn sie erinnert sich an jene Nacht,
in der ich kam, weil meine Mutter rief.
Sie fühlt die Sehnsucht noch; den spitzen Stich,
der mich gebar. Ich aber weiß nicht mehr,
wie diese Welt vor meiner Trauer war.
Ich bin der Abgesang. Ich bin der Abschiedsbrief
an die Verlorenen. Ich kam mit Worten her,
und Worte werden mich zu Grabe tragen.
Ich sehe in den Nächten hell und klar:
Ich bin das Kind der Trauer. Schau mich an.
Ich muss nicht träumen. Tag ist Traum genug.
Die Trauer tut mir nichts, denn ich begann
aus ihr ganz wie dem All der Große Wagen
einmal entsprang, und fahre wie ein Zug
ihm hinterher, und frage mich nur: Wann
traut sich die Nacht, nach meinem Geist zu fragen ...?