ELF FÄDEN EWIGKEIT
Dinge geschehen im grünlichen Westen der Nacht.
Dinge geschehen, und lassen sich nicht mehr entheben.
Ich sah den Weg mit den eigenen Augen verleben;
hab ihn gesehen, und habe ihn geltend gemacht.
Die Prophezeiung war klar, denn ihr standen im Kern
Zahlen und Buchstaben, die ich von früher erkannte;
murmelndes Wasser, verloren geglaubte Konstante,
welcher nur Sterne vom Wesen her gleichrangig wärn.
Da war Sein Name: Ein Name wie Mandel und März,
kreisend um seine geschwungene, eisstille Mitte.
Dies war der erste der später entschlüsselten Schritte.
Alle sie führten ins Dickicht und waldwesenwärts.
Aber es stand auch ein Spiegel drin, der sie verband.
Er reflektierte mit Licht und vermaß ihre Weite.
Alles, was dunkelte, fand eine hellere Saite,
welche er aufzog im Quell seiner sehenden Hand.
Und was er sah, war die Tat, und die Tat war der Sinn;
war eine treibende Kraft und ein Wort in den Nächten,
welche sein Licht mit dem Dunkel der Seele verflechten;
war allem Anfang ein Ende, und ihm ein Beginn.
Da war die Zahl: Tief im Spiegel, und selbst Reflexion,
wie eine klare Erklärung der Form-Hieroglyphen:
zwei aneinander geschmiegte, vereinsamte Stufen,
die erst zusammen erreichten den krönenden Ton.
Da war Sein Klang: Und er stieß in die Tiefe hinein,
wie eine Axt, wie ein Beil, wie ein vorfrühes Sterben.
Schwarz-weißes bat ihn, den Kern seiner Wurzel zu färben,
Stummes ergab sich, um Teil seines Echos zu sein.
Während er sprach, ging ein staunendes Raunen umher;
lief wie ein tauender Frost über Decken und Wände,
ihn tief im Ursprung. : Da waren zwei formende Hände,
leicht wie ein Licht in den Birken, wie Balkenholz schwer.
Und sie erschufen die Welt, die er träumte und sah;
schliffen und schnitzten die Zeilen, und schälten die Dinge
bis zu der Wahrheit ab, die eine schneidende Klinge
jenen, die lasen, und jenen, die zuschauten, war.
Da war Sein Schatten: Aus schwarzen Gewändern genäht,
war er ihm Schutzschild und Stimme, wohin er auch reiste;
Mantelschwarz, Mandelharz: Nur sein Erscheinen vereiste
schon einen Raum, und er war wie ein roher Magnet
in einer Menge. Da waren so viele vor mir,
jene, die sahen, und jene, die glaubten, zu sehen,
und er empfing sie mit Dankbarkeit, ihre Ideen
still archivierend, als sei er zum Abspeichern hier.
Da war Sein Drang, zu verstehen. Sein Wille, zu sein.
Seine gewachsene Form aus dem Innen nach außen.
Seine erschütternden Wortflüsse, klingenden Pausen;
Pausen, in welche ich fiel wie ein Splitter hinein.
Da war Sein Wunder: Denn so ist nur Wunder gewebt.
Magische Schlaufen und Zeichen des wahren Okkulten;
Grenzen des Sichtbaren, die ihn Beobachtung schulten;
Lichter und Irrlichter, welchen sein eignes entschwebt.
Da war Sein Antlitz: Sein messendes, scharfes Profil,
welches ihn trug durch die Räume, und Wandel belachte.
Wann ihm auch immer die innere Reife erwachte,
außen erfror die Gestalt wie beim Statuen-Spiel.
Und als er kam, hielt der Saal seinen Sauerstoff an.
Er ging den Weg der Entdecker, der Seher und Ahnen.
Er war gekommen, um Zeit vor dem Altern zu warnen,
wie nur ein Seher das Ende vorhersehen kann.
Und man empfing sein Erscheinen als Zeichen und Mal,
ohne zu fragen, woraus seine Tage bestanden:
Irgendwann kam diese Frage der Menge abhanden,
wie eine Ziffer vergisst ihre innerste Zahl.
Da war da sein Wahnsinn: Die Schaffenssucht mittig im Geist,
ruhlos und suchend, und stets auf der Jagd nach dem Brennen:
Einem, das Wälder und leuchtende Strohballen kennen.
... Aber im Abend des Jahres, das treu sich zerreißt,
war da Sein Zug: Und er fuhr wie ein Blitz durch das Land,
während am anderen Ende ein Mädchen sich fragte,
welcher der langprophezeiten, verschobenen Takte
ihre zwei Tänze verbindet mit führender Hand.
Ihr war Sein Licht Mond und Mohn. Und sie trank ihn wie Wein,
klingend und spiegelnd, und wartete zwischen den Jahren
auf seine Ankunft. Sechs Tage. Dann würde er fahren,
nur um für elf Fäden Ewigkeit bei ihr zu sein.