Aus-Ruhen
Am Dienstagnachmittag im Leipziger Zoo saß ich eine Weile im Pongoland und schaute in Ruhe der großen Schimpansengruppe zu. Sie hatten gerade Snacks erhalten und nach etwas Aufregung waren sie wieder zur Ruhe gekommen. Einige waren noch dabei, die Reste der Snacks zu genießen, andere hatten es sich wieder bequem gemacht und ruhten, und die Jungtiere waren mit kleinen Spielereien weitestgehend mit sich selbst beschäftigt. Ich genoss es einfach, die vielen kleinen sozialen Interaktionen zu beobachten und hatte meine Kamera zur Seite gelegt. Da kam eine menschliche Mutter vorbei, ihr Kind auf dem Arm. Sie schaute unruhig über das Gehege und sagte dann zu ihrem Kind: “Da passiert ja nichts, die schlafen alle, die liegen nur faul rum.” Das Kind war noch neugierig am Schauen, aber die Mutter entschied, es sei sofort Zeit, weiterzugehen. Spontan dachte ich: “Gee, wer Actionkino habe will, sollte woanders hingehen”. Und dann fragte ich mich: Was bringen wir eigentlich unseren Kindern bei, wenn wir Ruhen und Schlafen gleichsetzen mit “faul rumliegen”?
Wie es der Zufall wollte, war in meiner E-Mail-Box nun dieser interessante Newsletter “Rest is Resistance”. Leseempfehlung. Und wer es nicht mag, die Reflektion über Ruhe mit Critical Race Theory und Afrofuturismus zu verbinden, kann ja einfach mal wieder Heinrich Bölls “Anekdote zur Senkung der Arbeitsmoral” lesen. Es gibt beim Hanser Verlag dazu übrigens auch eine nette Bilderbuch-Version: “Der kluge Fischer” (gezeichnet von Émile Bravo)














