„Die Leidenschaft vieler Archivare für ihren Beruf [...] besteht darin, aus einem losen Haufen Papier einen Kosmos der Ordnung zu formen. Wie bei der Beschäftigung mit einem Zauberwürfel wird aus einem bunten Durcheinander im sachgemäßen Prozess von Restauration, Ordnen, Titelaufnahme und weitergehender Erschließung ein symmetrisches Nebeneinander geordneter Flächen, das sich von der Einzelakte bis zum Find-Findbuch erstreckt. Eine Mischung aus Puzzle- und Detektivspiel, für die man auch noch bezahlt wird. Wäre das Ganze nicht ziemlich einsam – eigentlich ein Traumberuf für alle, die gern mit Legosteinen gespielt haben. Besucher sind vor diesem Hintergrund erst einmal unerwünscht, weil in der Benutzung stets die Gefahr der Wiederkehr des Chaotischen liegt.“ (Wrage, Henning in: "Freitag",2003) Es ist doch faszinierend, dass dem Beruf des Archivars, aber auch der restlichen Archivmitarbeiter nach wie vor ein negatives Image nachhängt. Wie bereits in einem früheren Post erwähnt, sind wir nicht von Spinnennetzen und Staub umgebene Kellerhüter oder, wie hier so schön umschrieben, Profipuzzler, die Fans von Lego sind und daher den Sinn für Ordnung und Zusammenführung haben. Ich habe nie mit Lego gespielt, ja ich habe nicht mal die Geduld dafür. Und geschickte Hände sowie die Fähigkeit zusammengehörendes zu erkennen, ist durchaus wünschenswert. Aber wir sind keine gesonderte Spezies, die auserwählt worden ist, für irgendwelche kinderspielähnliche Aufgaben bezahlt zu werden, die es im Grunde gar nicht wert sind. Der eine oder die andere kann natürlich meinen, ich interpretiere viel zu viel hinein, aber es ist doch irgendwo leidvoll, immer wieder auf diese geringschätzige Einstufung und falsche Umschreibung unseres Berufsstand zu stoßen. Zumal nie, so scheint es mir, gefragt oder erwähnt wird, warum wir diese Aufgaben ausgeführen, mit welcher Absicht. Ja, tatsächlich kommen wir den oben beschriebenen Aufgaben nach, aber wir sind keine Randerscheinungen, die in irgendwelchen stillen und vereinsammten Kämmerlein unsere Zeit fristen. Die Arbeit im Archiv umfasst um einiges mehr, kann sehr spannend sein und ist auch durchaus offen für alle. Es ist wohl verständlich, dass, aus Gründen der Bestandserhaltung, Unterlagen, vor allem die ein gewisses Alter nachweisen und bestimmte Inhalte gar von höchster Bedeutung tragen, nicht Tag ein, Tag aus durch sämtliche Hände gehen können, auch schon aus rechtlicher Sicht ist dies nicht möglich. Aber es ist niemals die Aufgabe der Archive und damit ihrer Mitarbeiter Informationen und das Archivgut der Außenwelt zu enthalten. Im Gegenteil, es ist unsere Hauptaufgabe die vorliegenden Informationen zu sammeln, zu erschließen, zu bewahren und sie dann zugänglich zu machen. Ziel ist u.a., Geschichte aufzuarbeiten und die Zukunft mitzugestalten. Die Posts der Teilnehmer der Fernweiterbildung Archiv an der FH Potsdam (FWA22), Homepages von Archiven und die Beteiligung von Archiven an verschiedenen Veranstaltungen, wie z.B. Ausstellungen, zeugt davon, dass das Archivleben durchaus wechselhaft, bunt, gesellschaftsorientiert und modern ist. Es ist daher nicht fair, uns und unsere Arbeit in so kleine, verkümmerte Schubladen schieben zu wollen. Auch, weil es vermeintlich zukünftige Archivare und Archivarinnen, von der Entscheidung diesen Beruf zu ergreifen, abschrecken kann.