Die Bibliothek im Berg (Die Meridian-Abenteuer, Band 5) – Das große Finale der Meridian-Abenteuer: ein Tal ohne Namen und ein Berg voller Bücher. Als Taschenbuch bei Amazon. Mehr: https://lern-digital.de/buecher/
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Эстетика моей работы
Failure isn’t the enemy, comfort is
März 2026
Die Bücherei ist überraschend exklusiv
Ich besitze – wie, glaube ich, alle Erwachsenen in meinem Umfeld – ein Smartphone. Es dürfte etwa zehn Jahre alt sein und zählte schon beim Kauf nicht zur Oberklasse.
Ein Smartphone wird mit einem Betriebssystem ausgeliefert (das ist eine Software, die die grundlegenden Funktionen steuert ). Dazu lassen sich Programme (Apps) installieren, die weitere Funktionen zur Verfügung stellen. In der Regel stammen diese Programme von Dritten. Sowohl Betriebssystem als auch Apps können Updates erfahren, die manchmal neue Funktionen bereitstellen und manchmal bloß die fortlaufende Funktionalität sicherstellen. Was genau ein Update verändert und warum es nötig sein könnte, ist für die Endnutzenden in der Regel nicht leicht zu durchschauen.
Das Betriebssystem ist in meinem Fall Android 9, aus dem Jahr 2018. Für mein Gerät werden von Herstellerseite keine Updates mehr ausgespielt. Das stört mich nicht, weil ich davon ausgehe, dass ein neueres Betriebssystem auch höhere Rechenleistung erfordern würde, die die Hardware gar nicht bereitstellt. Schon jetzt merke ich im Betrieb, dass das Gerät seine besten Tage hinter sich hat.
Ich weiß, dass es technisch grundsätzlich möglich wäre, das Betriebssystem upzudaten. Dafür müsste man die vom Hersteller vorgesehenen Pfade verlassen, Daten- oder auch den gesamten Funktionsverlust des Geräts riskieren und sicher einige Stunden basteln. Dafür gibt es keinen Anreiz, zumal die Apps weiterhin Updates erhalten – erst gestern habe ich knapp 30 installiert – und funktionieren.
Bis auf eine.
Seit dem Umzug in meine aktuelle Heimatstadt habe ich einen Ausweis für die Stadtbilbliothek. Seit etwa einem Jahr nutze ich regelmäßig die Onleihe, um auf dem Handy Hörbücher zu hören, insbesondere bei der Hausarbeit und auf meinem Pendelweg. Das Angebot trifft meinen Geschmack größtenteils nicht, aber ich brauche nur ein bis zwei Bücher pro Monat und auch mal in etwas reinzuhören, nur weil es gerade verfügbar ist, könnte meinen Horizont erweitern.
Inhaltlich ist das Hörbuch-Angebot der ARD Mediathek (neuerdings ARD Sounds) attraktiver. Aber das Angebot der Onleihe ist stabiler, während die ARD gerne Bücher depubliziert, die ich gerade erst zu zwei Dritteln gehört habe. Der Onleihe-Katalog lässt sich auch besser durchsuchen und die Merkliste intuitiver aufbauen. Der Player merkt sich zuverlässig die letzte Position und ich kann mir die Dateien ausgeliehener Bücher herunterladen – das geht bei der ARD längst nicht bei allen Dateien, ist aber wichtig für's Pendeln, weil ich in vielen Zügen kein W-LAN und keine stabile Verbindung über die mobilen Daten bekomme.
Die Stadtbibliothek schickt mir Anfang März eine Mail und kündigt ein Update der Onleihe-App für das Monatsende an. Eher zufällig schaue ich auf die Liste der Mindestanforderungen: Für Android-Smartphones wird Android 10 vorausgesetzt, die Betriebssystemversion von 2019. Ich wundere mich darüber und frage auf Mastodon bei Fachleuten nach, aber man muss das wohl so verstehen, wie es da steht. Ich antworte auf die Mail und schildere den Mitarbeitenden der Stadtbibliothek, wo ich das Problem sehe. Ich bekomme ruckzuck eine Antwort, die ich so interpretiere, dass die Mitarbeitenden auch eher genervt sind – sie verweisen aber auf die Softwarefirma, als ob sie sich nicht als Kunde und Auftraggeber eines Dienstleisters verstehen, der eine Software nach bestimmten Anforderungen dieses Kunden entwickelt.
Ich warte erst mal ab, vielleicht kann ich entgegen der Ankündigung die nicht-geupdatete Programmversion weiter nutzen? Nein, das Update wird automatisch und wie angekündigt eingespielt. Ab sofort funktioniert die Onleihe nicht mehr auf meinem Handy.
Jetzt zum Grund meiner Verwunderung: Ich erlebe die Stadtbibliotheken der Städte, in denen ich zuletzt gelebt habe, als vorbildlich inklusiv. Anders als viele andere etablierte zivilgesellschaftliche Einrichtungen und Institutionen mit einem theoretisch inklusiven Anspruch – wie Kirchen, viele Vereine und Verbände – ist es in meiner Wahrnehmung wirklich gelungen, ein Angebot zu machen, das milieu-übergreifend wahrgenommen wird. Genau deswegen halte ich mich dort so gerne auf. Ich würde sogar sagen: So vielfältig wie die Stadtbibliothek sind in meiner Wahrnehmung ansonsten nur die Spielplätze (die naturgemäß auf Kinder und Menschen mit Kindern beschränkt).
Eine solche Vielfalt ist nach meiner Erfahrung kein Zufall, sondern – gerade unter der Bedingungen knapper Ressourcen – das Ergebnis kompetenter fachlicher Überlegungen und guter Arbeit in ihrer Umsetzung. Vielfalt setzt Niedrigschwelligkeit voraus, also einen wachen Blick dafür, welche Hindernisse für Menschen mit unterschiedlichen Voraussetzungen die Praxis meiner Einrichtung einzieht und echte Anstrengungen dabei, diese Hindernisse zu verringern.
Der Zwang zu einem zeitgemäßen Handy (oder wahlweise den erforderlichen Kenntnissen und der Risikobereitschaft, entgegen dem Willen des Herstellers ein neueres Betriebssystem aufzuspielen) scheint mir ein echtes Hindernis zu sein.
Ich kenne keine Statistiken zu in Betrieb befindlichen Smartphones und keine Nutzungsstatistiken der Onleihe-App. Vielleicht wurden die analysiert und es lässt sich empirisch nachweisen, dass ich nur einer von fünf Menschen bundesweit bin, die die Onleihe mit Android 9 genutzt haben?
Aber irgendwie glaube ich das nicht. Für mich scheint es vielmehr, als würde für die digitale Onleihe eine andere Priorität gesetzt als für den physischen Bibliotheksbetrieb. Das verwundert mich.
Die Onleihe war schon öfter Thema im Techniktagebuch, meistens geprägt von leisem Spott über die technisch wenig ausgereifte bzw. attraktive Präsentation:
Ein richtiges Buch ist kein Büchereibuch ist kein E-Book (Mai 2022)
Im Land der Traditionen (Dezember 2020)
Ich möchte E-Books leihen, statt sie zu kaufen, aber eine Stunde später möchte ich das nicht mehr (Dezember 2018)
Aber tatsächlich wäre genau das die Art von Software-Lösung, die mir als Angebot der öffentlichen Bibliotheken auf Anhieb einleuchten würde:
Eine Oberfläche, die sich sichtbar – und nicht im Guten – von zeitgemäßen kommerziellen Angeboten unterscheidet; Nutzungsprozesse, die an unnötigen Stellen ihr Vorbild in der physischen Welt nachbauen; aber halt eine Möglichkeit, mit dem sich auch eine Siebzehnjährige, die nur das abgelegte Telefon ihres Onkels mit dem Wackelkontakt im Ladegerät nutzen kann, ihre Romantasy-Schmöker reinpfeifen kann.
(Matthias Colloseus)
Das Traktat Middoth: Horror – Hörspiel (Gruselkabinett 106)
In Das Traktat Middoth ereignen sich 1895 in England unheimliche Dinge in einer der berühmtesten Bibliotheken des Landes.
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Thomas Mann – Autor und Ich-Erzähler der Novelle – macht mit seiner Familie Ferien am Meer in Italien. Die Geschichte spielt Mitte der 20er Jahre, in Italien hat mit Mussolini der Faschismus Einzug gehalten, im Land herrscht eine Atmosphäre aus Überheblichkeit, Nationalismus und Fremdenfeindlichkeit. Die Familie wird im Grandhotel herablassend behandelt, man verwehrt ihnen die besten Plätze und…
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