Der Knochenarchivar
Tief unter den Hallen, dort, wo Staub auf Staub sinkt und kein Tag mehr gezählt wird, sitzt der Knochenarchivar auf seinem steinernen Sitz.
Um ihn herum liegen die Bände derer, die geglaubt haben, ihre Namen würden vergehen.
Er hat sie alle behalten.
Er wacht über das, was geschrieben wurde, bewahrt er das, was nie niedergeschrieben worden ist: abgebrochene Schwüre, verschluckte Bitten, das letzte Zögern vor einer Tat, der Satz, der in einer Kehle starb.
Nichts geht bei ihm verloren.
Nicht Wort.
Nicht Schuld.
Nicht Erinnerung.
Wer in seine Halle tritt, hört zuerst nur das Rascheln alter Seiten.
Dann begreift man, dass es keine Seiten sind.
Es sind Hände.
Und jede von ihnen greift nach einer Geschichte.
















