& manchmal, da will ich dich einfach nur zurück
Das Gespräch heute beim Psychologen war mega gut, ich glaube es war das bislang Beste. Wir haben viel über dich gesprochen, aber gar nicht soviel über unsere Geschichte, sonder um mein prinzipielles Verhalten. Ich erzählte ihm davon, dass ich grundsätzlich glaube, dass jeder mich verarschen will und es nicht ernst meint - auch du. Obwohl ich gleichzeitig auch glaube, dass du mir nie weh tun wollen würdest. Es ist also ein ständiger Konflikt.
Er analysierte, dass ich mir über die Jahre, weil ich immer wieder enttäuscht wurde von meinen Eltern und alleine klarkommen musste, um das Alles zu überstehen, einen Schutzwall aufgebaut habe, einen Beschützerinstinkt für mich selber. Den ich damals - laut ihm - auch auf jeden Fall gebraucht habe. Es erinnerte mich an die Situation wie Papa mich mit 5/6 Jahren im Schwimmbad ins Wasser geworfen hat, so von wegen "Sie muss jetzt schwimmen, dann lernt sie das bestimmt auch" und Mama es sah, sie es aber bervorzugte mit Papa darum zu streiten, wieso man das nicht macht und wie verantwortungslos er sei, anstatt mir zu helfen diskutierte sie, sie stritten sich. Bis irgendwann ein Bademeister mit mir, komplett am Heulen & Verzweifeln, ankam. Aber nun könnte ich ihn halt nicht einfach ablegen, obwohl es Menschen - wie dich - gibt die es ernst meinen, die mich wirklich lieben oder zumindest im inbegriff sind dies zutun. Sobald ein Mensch bei mir ein gewisses Stadium erreicht, also mir so wichtig wird, dass er mich ernsthaft verletzen könnte, wird der Beschützerinstinkt geweckt und will mich vor der vermutlichen "Gefahr" beschützen, obwohl meistens gar keine Gefahr lauert. Damit ich nicht verletzt werde, damit ich mich nicht binde, weil binden ist ja laut Kopf eine Einschränkung innerhalb der Persönlichkeit und ich wäre nicht mehr eigenständig, dabei habe ich doch so gut gelernt & erlernt alleine, selbstständig klarzukommen. Und aus diesem Konflikt zwischen Denken & Fühlen entstehen Wörter, Gedanken, Sätze, die einfach kompletter Mist sind, die einfach Quatsch sind. Das weiß ich auch selber. Zumindest teilweise. Wieso solltest du vor Klausuren vorbeikommen, damit ich nicht so aufgeregt bin, früher aufstehen, um mir viel Erfolg zu wünschen, dir soviel Mühe geben, wenn du mich - laut meiner Gedanken - nur verarschen & benutzen willst? Das ist so ein Blödsinn. So von wegen "ja der kommt dir aktuell zu nahe, der könnte dich eventuell verletzen, du musst jetzt erstmal Scheiße sein, um ihn zu vergraulen, zeig' ihm ruhig wie Scheiße du bist".
Wie kann ein Mensch so einen Mist glauben und vor allem auch noch tun - wohlwissend, was das für eine Verrücktmacherei ist? Er sagte, dies Verhalten sei wie ein Automatismus in mich gekehrt, gehört zu meinen normalen Gewohnheiten, wie morgens Guten Morgen zu sagen. Ich könnte mich jedoch daraus herausentwickeln, das würde dauern, aber es wäre durchaus möglich. Zunächst müsste ich lernen Menschen das Vertrauen entgegen zu bringen, dass sie mich nicht verletzen wollen, bis ich langsam an den Punkt gelange, wo ich mich mal komplett fallen lassen kann. Es tut so weh zu wissen, dass ich mich bei dir komplett hätte fallen lassen können, bevor ich es versaut habe. Dass ich dadurch durchgehend deinen Wert mindere, war mir einfach nicht klar. Dass ich dir unterstelle mich verarschen zu wollen - dich als Fuckboy zu betiteln, obwohl du ernsthafte Absichten hattest, tut mir so unfassbar leid. Wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte, würde ich es ohne zu zögern tun. Wieso konnte ich das nicht vorher wissen? Nun bist du so weit weg. Zurecht. Ich weiß nicht, wie ich mit diesem Verlust leben soll, mit dieser Schuld klarkommen soll. Je mehr ich rede, desto mehr Sinn ergibt mein Verhaltensmuster - und von all' dem kann ich dir nicht mal mehr erzählen, weil es dich nicht interessiert. Nicht mehr. Du fehlst so sehr, Mucki. Ich will dich einfach nur zurück. Mit dir kuscheln, deine Lippen auf meinen spüren, mit dir diskutieren, mir deine Theorien anhören, mit dir lästern - alles, wirklich alles - ist soviel besser mit dir, ohne dich fehlt alles. Die Farbe in meinem Leben, die Motivation meinen Tätigkeiten hinterzugehen, meine Freude, was unternehmen zu können. Es ist so anders zu wissen, dass ich dir nichts erzählen kann, von den Sachen, die ich so erlebe, es macht mich so traurig, dass ich eigentlich gar nichts erleben möchte. Ich will in meinem Bett liegen, eingerollt wie ein Wrap und schmollen. Heulen. Am meisten hoffe ich, dass irgendwann dieser ständige Schmerz in meiner Brust aufhört, dass ich wieder atmen kann, es ist als würde ich ohne dich die Luft anhalten, weil du mir den Sinn nahmst, vernünftig zu atmen.
Neunzehnter Brief an dich