Juni 2024
Drei Apps, 200 Euro, ein Webshop
N ist vor nicht langer Zeit 18 Jahre alt geworden. Er gehört damit zu den jungen Erwachsenen, die das Glück haben, 200 Euro vom Bund geschenkt zu bekommen, als Guthaben in einem “Kulturpass”, um diese 200 Euro für Kulturdinge auszugeben. Es gibt für das Ausgeben des Guthabens einige Einschränkungen, es kann nur für Kulturdinge ausgegeben werden, Konzerte usw gehören dazu, ebenfalls wohl Noten und Musik – aber nicht von einschlägigen amerikanischen Versandhändlern, sondern nur von Läden, die sich wiederum in dem Kulturpass als Anbieter registrieren lassen. Damit will der Bund die Kulturbranche, die unter Corona gelitten hat, fördern, ebenfalls die lokale Wirtschaft, und es soll den jungen Leuten etwas Gutes getan werden und sie an Kultur herangeführt werden.
200 Euro sind ja, ganz besonders für junge Menschen, die noch zur Schule gehen, nicht ganz wenig Geld. Der lokale Musikhändler, bei dem N gelegentlich zum Beispiel Noten oder etwas für sein Instrument kauft, hat die Eintragung im Kulturpass leider aber nicht hinbekommen. Gründe sind nicht im Detail überliefert, aber um als Musikhändler Guthaben aus dem Kulturpass annehmen zu können, sind wohl digitale und bürokratische Schritte erforderlich, die den lokalen Händler überfordert haben.
N möchte aber im Sommer ein Festival besuchen. Auf der Webseite des Festivalveranstalters steht, das Guthaben aus dem Kulturpass könne verwendet werden, um ein Ticket für das Festival zu kaufen. Und das geht also so:
N installiert auf seinem Handy die AusweisApp, die bis vor kurzem noch AusweisApp2 hieß. In dieser registriert er sich und verbindet mit der NFC-Funktion seines Handys seinen Personalausweis mit der AusweisApp. Das holpert zwar alles etwas (3,8 von 5 Sternen im App-Store), funktioniert aber letztendlich.
N installiert auf seinem Handy die KulturPass DE-App. Die ist schon deutlich freundlicher gestaltet als die AusweisApp2, 4,4 von 5 Sternen im App-Store. Er registriert sich, verbindet die KulturPass-App mit der AusweisApp und über die AusweisApp auch mit seinem Personalausweis. Die App weiß damit, dass er zu den 200-Euro-Empfängern gehört und das Guthaben wird ihm in der KulturPass-App angezeigt.
N sucht in der App nach den Tickets für das Festival. Er findet einen Anbieter, der diese verkauft, dort steht allerdings, die Tickets können nicht versandt werden, sondern müssen vor Ort beim Anbieter in Bremen abgeholt werden. In Bremen! N wohnt in Hamburg, das Festival findet rund 400 km südlich von Hamburg statt und die Tickets sollen in Bremen abgeholt werden? Wir vermuten einen Fehler in den Angaben des Anbieters (vielleicht ist gemeint, dass die Tickets beim Veranstalter, also bei dem Festival selbst, abgeholt werden müssen?), die Angaben sind aber eindeutig. Der Anbieter bewirbt noch, dass der Zugang zum Abholen der Tickets in Bremen barrierefrei sei.
N findet in der App aber auch noch einen digitalen Wertgutschein für den Ticketshop des Festival-Veranstalters. Er traut sich, diesen Weg zu gehen, kauft diesen digitalen Wertgutschein im KulturPass mit seinem virtuellen Kulturguthaben und erhält am nächsten Tag einen digitalen vielstelligen Code im Kulturpass.
3. Im Ticketshop des Festival-Veranstalters ist er nun am freien Markt angekommen und die Useability macht einen Sprung nach oben (Shop-Bewertung: 4,9 von 5 Sternen). Er legt das digitale Ticket für das Festival in seinen digitalen Einkaufswagen und überträgt den vielstelligen Code aus dem Kulturpass in den Ticketshop des Veranstalters. Klick zur Bestätigung des Kaufes, das digitale Ticket erhält er wenige Minuten nach dem Kauf per E-Mail.
N freut sich auf das Festival im Sommer und beschreibt seinen Weg, wie er mit Kulturpass an das Ticket gekommen ist ohne nach Bremen fahren zu müssen, noch im Discord-Channel des Festival-Veranstalters, für andere junge Erwachsene, die vielleicht auch ein Kulturpass-Guthaben haben und sich ebenfalls den Weg nach Bremen zum Abholen des Festival-Tickets sparen möchten.
(Molinarius)












