Eine kleine Geschichte über das Jonischaf
Es ist kurz nach Mitternacht, ich schreibe morgen, bzw. inzwischen heute um 7:30 eine wichtige Klausur, ein gutes Timing also für mein Hirn die vergangenen 12 Monate zu rekapitulieren und alles aufzuwaschen was sich in dieser Zeit so verändert hat. Und das ist, wie ich feststellte..eine ganze Menge.
Das ist jetzt nicht unbedingt was neues, alles schon da gewesen. Neu für mich ist die Methode das alles loszuwerden und vielleicht dann doch noch ein paar Stunden Schlaf zu kriegen.
Wo soll ich anfangen...? Naja am besten vor 12 Monaten, da wo auch ungefähr meine Rekapitulationen beginnen. Letztes Jahr um diese Zeit saß ich noch die meiste Zeit bei meinen Eltern zuhause. Ich hatte gerade meine Ausbildung gekündigt um zu studieren. Lehramt, Mathematik und Religion für das Gymnasium. Ja ich weiß..ungewöhnliche Kombination, höre ich öfter. Ich wusste noch nicht einmal genau ob ich angenommen werde. Fest stand nur: bei dieser Ausbildung kann es nicht bleiben, es muss sich etwas ändern.
Und so kam es, dass ich, einige Wochen später die Annahmebestätigung der Universität zu Leipzig erhielt.
Allein das schon brachte eine Welle von Veränderungen, deren vollständige Auswirkungen auch heute, fast ein Jahr später noch nicht vollständig abzusehen sind.
Zunächst einmal konnte ich endgültig von Zuhause ausziehen, weg von der einengenden Nähe der Eltern, weg vom Land, rein in die große Stadt Leipzig. Endlich konnte ich in eine WG zu meinen beiden besten Freunden aus der Schule ziehen, wie es von Anfang an geplant war. Die beiden wohnten dort bereits seit beinahe einem Jahr, beide hatten sie dort eine Ausbildung gefunden und nun endlich war es soweit, ich war angekommen.
Wie natürlich zu erwarten war, lief nicht alles so glatt wie man sich das vorstellte, doch langsam aber sicher nahm mein Zimmer Gestalt an und trotz der beengten 9m² fing ich ziemlich schnell an mich heimisch zu fühlen, dazu trugen sicherlich auch meine neuen Mitbewohner namens Om und Nom bei, ihres Zeichens Ratten und eine große Bereicherung meines Lebens..zunächst auch ohne Stress.
Der holte mich recht früh nach einem, zwar leicht stressigem und viel zu schnellem, Studieneinstieg ein als mein Mitbewohner und damals bester Freund mit meiner Exfreundin zusammenkam, welche mir "damals" (so ungefähr 4 Monate zuvor) erzählte sie sei asexuell und sich jetzt plötzlich irgendwie gar nicht mehr so verhielt...nunja whatever, vergangen ist vergangen und so weiter.
Diese Begebenheit führte zu einem Schritt der mich ebenfalls in eine neue Beziehung führte, welche immerhin 4 Monate hielt. Es waren vier, größtenteils wundervolle Monate in denen ich neue Leute kennenlernte, bemerkte, dass Mathe auf Gymnasiallehramt studieren die Hölle ist, weshalb ich beschloss den Studiengang zu wechseln, auf Mittelschullehramt, nicht etwa weg von Mathe, so weit es dann doch nicht, ich mit meinem anderen Mitbewohner einen Webcomic entwarf (ist immer noch in den Kinderschuhen) und in denen mein Liebeslieben aufblühte wie noch nie. Doch jede gute Zeit muss einmal ein Ende haben und so war es auch hier.
Nach der Leipziger Buchmesse war es so weit. Meine Freundin trennte sich von mir, hatte 2 Wochen später einen Neuen. Der Webcomic stockte aufgrund fehlender Zeichner. Mein ehemals bester Freund, der nun bereits auf der Kippe zu überhaupt noch ein Freund stand, kapselte sich immer mehr von uns ab. Der Semesteranfang war immer noch einige Wochen entfernt und so hatte ich viel zu viel Zeit über all das nachzudenken und die meisten Freunde die man im Laufe des ersten Semesters gewonnen hatte waren auch noch nicht erreichbar. Eine der wenigen wirklich positiven Entwicklungen die daraus folgten war, dass ich ziemliche Fortschritte bei der Planung meiner Story machen konnte.
Ja der geneigte Leser, so er denn überhaupt existiert oder nach all dem Gerede noch dabei ist, mag am Untertitel des Blogs "Aus dem Tagebuch eines Möchtegern - Autors" bereits herausgelesen haben dass es sich bei mir, dem Jonischaf um einen Hobbyautoren handelt. Allerdings ohne wirklich veröffentlichte Werke. Aber mehrere sind in Arbeit, das kann ich garantieren. Hauptsächlich der bereits erwähnte Webcomic, der..nunja so etwas wie ein Experiment werden soll um zu prüfen ob meine Arbeit wirklich Erfolg haben kann. Und zum Zweiten, eine Geschichte an der ich seit nunmehr vier Jahren arbeite, die sich aber weigert wirklich aufs Papier gebracht zu werden, bis wirklich jedes Detail des Hintergrundes geklärt ist.
Zurück zum Thema: ich konnte in den Wochen vor dem zweiten Semester endlich wieder einmal dem Ruf meines Herzens folgen und drauflosschreiben bis mein Hirn sich mit einer wohltuenden Schwere füllte. Doch nur allzu schnell war diese Zeit vorbei, das Studium holte mich wieder ein. Mit sich brachte es neue Herausforderungen und Aufgaben, wöchentliche Matheübungsserien, mehrere Vorträge und zu guter Letzt viele neue soziale Kontakte, die ich auch dringend nötig hatte, da mein alter Freundeskreis langsam auseinanderzubrechen drohte, Grund war wie so oft: Liebe bzw. ihre Folgen.
Höhepunkt fand dieser Bruch vor einigen Wochen als sich ein Paar, welches ich immer für einen Ankerpunkt und eine Hoffnung dafür, dass Liebe sehr wohl funktionierte gehalten hatte, trennte. Nach drei Jahren Beziehung.
Dies führte dazu, dass ich auf der Suche nach Abstand spontan mit einer Kommilitonin an die Ostsee fuhr um mir den Sonnenaufgang anzuschauen. Einfach so..fünf Stunden hin, eine Stunde angucken, fünf Stunden zurück. Eines der besten und prägendsten Erlebnisse bisher. Glaube nicht dass ich das früher einfach abgezogen hätte, aber ich bin froh, dass ichs gemacht habe.
Jetzt bin ich wieder einigermaßen im Reinen mit mir und der Welt. Und es hat mir geholfen rauszufinden was ich wirklich will.
Ich will schreiben. Das wollte ich eigentlich schon fast immer, und ich habe den Gedanken nie wirklich aufgegeben.
Nicht falsch verstehen, ich werde dieses Studium durchziehen, ich werde später vielleicht auch Lehrer. Aber wenn, dann nur Teilzeitweise, so habe ich genug Geld um über die Runden zu kommen aber immer noch genug Zeit um mich meiner Leidenschaft zu widmen.
Das ist auch der Grund für diesen Blog..ein erster Schritt und ein Anreiz nicht aufzuhören, eine Erinnerung dass da neben dem Studium noch etwas anderes ist.
Und eine Chance das alles zu dokumentieren, festzuhalten. Sicher mein Leben ist nicht das Spannendste, viele werden sicher nicht mehr mitlesen, aber trotzdem möchte ich sie für euch, die ihr vielleicht daran interessiert seid aufzeichnen.
Nun bleibt mir nur noch "Good Night" zu wünschen, zu danken, falls jemand dem lauschen will was ich zu erzählen habe und euch einzuladen, mich zu begleiten in diesem Abenteuer das sich Leben nennt! Bis zum nächsten Eintrag, und glaubt mir, er wird kommen!