Um 1987
Filmabende in Eigenregie
Das Jugendcafé in der niedersächsischen Kleinstadt veranstaltet einen wöchentlichen Filmabend. Die Filme sind 16-mm-Kopien, die auf Filmspulen von vielleicht einem halben Meter Durchmesser in kofferartigen Behältnissen geliefert werden. Sie werden auf einem ratternden Projektor abgespielt, der zumindest in den Anfangstagen ebenfalls geliehen wird – von der Kreisbildstelle. Ein Spielfilm von 90 min Länge benötigt drei Spulen und dementsprechend zwei Pausen zum Wechseln.
Die Lieferung der Filme erfolgt per Bahnfracht zum nahe gelegenen Bahnhof. Der letzte Zug zum Zurücksenden am selben Abend fährt gegen 21:30 h. Versäumt man diesen Zug und schickt die Spulen einen Tag später, wird eine saftige Strafgebühr fällig. Wenn man vergisst, den Inhalt sämtlicher Rollen zurückzuspulen, ebenfalls.
Man muss also einerseits aufpassen und früher als gewöhnlich anfangen, wenn ein Film Überlänge hat, und hat andererseits nicht viel zeitlichen Spielraum bei Pannen (z.B. Verhaspeln des Films im Projektor).
Aufgrund dieser Umstände fällt das erste Mal, dass ich Brazil schaue, etwas verwirrender aus, als vom Regisseur beabsichtigt. Die Filmrollen wurden offenbar in der Reihenfolge vertauscht und wir bemerken das zu spät, um noch irgendetwas anderes zu tun, als den Film so zu Ende zu schauen.
(Virtualista)










