Grooves aus der Konserve, oder wie man programmierten Drums Leben einhaucht - Teil Drei
WĂ€hrend ich im letzten Teil auf die Möglichkeiten im Mikrobereich eingegangen bin - also die Sachen, die einen echten Drummer wĂ€hrend des Spiels so menschlich machen - geht es hier jetzt um Variationen im allgemeinen - und im besonderen um sogenannte Ghostnotes (Geisternoten - auf deutsch - klingt irgendwie doof).Â
Ghostnotes sind im Grunde einfach Noten oder SchlĂ€ge, die zwischen dem eigentlichen Beat gespielt werden. Sie helfen, den Beat etwas lebendiger wirken zu lassen und treiben den Groove voran. FĂŒr gewöhnlich werden sie auf der Snaredrum gespielt, aber gewöhnlich kann ja jeder. Ich baue sie auch gerne mal auf Toms oder mit der Bassdrum ein.
Ein Meister der Ghostnotes war Clyde Stubblefield. Er war Drummer fĂŒr James Brown und hat den Funk quasi miterfunden. Sein kleines Solo von 20 Sekunden in Funky Drummer von 1970 ist das wahrscheinlich am hĂ€ufigsten gesamplete Drumsolo ĂŒberhaupt. âAinât it Funkyâ bemerkt Herr Brown hier ganz richtig.
(James Brown - Funky Drummer 1970 - die berĂŒhmte Stelle findet sich ab 5:20)
Wichtig ist, dass Ghostnotes sich nicht in den Vordergrund drĂ€ngen. D.h. sie sollten sehr subtil eingesetzt werden, aber trotzdem offensichtlich vorhanden sein. Sie fĂŒllen dezent die ZwischenrĂ€ume aus, ohne selbst wirklich zum Beat beizutragen.
Um mal ganz kurz zu demonstrieren, wie man Ghostnotes ganz effektiv einsetzen kann habe ich hier mal einen netten Beat gebaut, der zunÀchst ohne Ghostnotes so klingt:
Ich benutze hier ganz gewöhnliche Ein-Sample Drumhits im Sampler. D.h. mir stehen keine unterschiedlichen SchlĂ€ge fĂŒr verschiedene AnschlagstĂ€rken zur VerfĂŒgung. Um den Effekt von Ghostnotes noch zu erhöhen ist es ratsam neben der LautstĂ€rke auch die Tonhöhe eventuelle etwas zu verĂ€ndern. Entweder benutzt man eine der Techniken, die ich im letzten Tutorial angesprochen habe oder - wenn die DAW das unterstĂŒtzt - verĂ€ndert man im Midi-Editor die Tonhöhe der einzelnen Ghostnotes. Bitwig unterstĂŒtzt das ĂŒbrigens :)
ZunĂ€chst fĂŒge ich hier mal ganz subtil jeweils eine Ghostnote am Ende jedes Taktes ein. Das geht schnell und ist verdammt effektiv. Denn das macht den einfachen Beat von vorhin schon etwas grooviger ⊠ainât it funky?
Je mehr Ghostnotes man hinzufĂŒgt, desto interessanter kann man den Beat machen. Aber immer schön subtil und im Hintergrund. Ich habe hier jetzt nur noch zwei weitere Snarehits dazugesetzt.Â
Als weiteres Extra kann man zwischendurch noch ein Buzzroll oder Pressroll einfĂŒgen. Dies ist nicht mit einen Glitch aus der elektronischen Musik zu verwechseln. Ein Buzzroll wird auch von echten Drummern mitunter schonmal eingebaut, wobei ein Glitch aus viel mehr Noten in noch kĂŒrzeren AbstĂ€nden besteht, die ein echter Drummer so nicht mehr hinbekommen wĂŒrde - glaube ich zumindest. Hier jetzt mit Buzzroll und Glitch (zum Vergleich):
Wie ich im 2. Teil schon erwĂ€hnt habe, muss man seine Beats variieren, damit ein Song nicht so schnell langweilig wird. Es gibt natĂŒrlich auch gute Songs, in denen der Beat absolut monoton bleibt, aber Ausnahmen bestĂ€tigen nunmal die Regel. Womit ich nicht sagen will, dass ich hier irgendwelche Regeln aufzĂ€hle, an die man sich unbedingt halten sollte. Musik kann man nicht nach irgendwelchen Algorithmen machen.
Was fĂŒr den einen funktioniert, muss fĂŒr den anderen nicht genauso gut sein. Wenn wir eines nicht brauchen, dann sind es Songs die alle nach dem gleichen Schema geschrieben wurden. ...Aber das nur am Rande.
Ich mag es einfach, wenn der Beat ein wenig abwechslungsreich ist. Und wenn man einen echten Schlagzeuger hat, dann wird dieser ganz von selber sein Spiel variieren. Er baut Wirbel ein, die immer etwas anders aufgebaut sind. Er hat seinen eigenen Groove und er baut hier und da Ghostnotes ein.
Wenn man Drumparts in der DAW programmiert, ist es meiner Meinung nach wichtig, dass man zum einen die Tipps aus dem 2.Teil dieser kleinen Serie beherzigt. D.h. dass man auf Mikroebene Variationen einbaut und diese in den unterschiedlichen Takten eines Songs auch stĂ€ndig wieder durchwĂŒrfelt. Zum anderen ist es wichtig Variationen auf der Makroebene, ĂŒber das komplette Arrangement hinweg einzubauen. Eventuell die Ghostnotes mal hier oder da verĂ€ndern, Wirbel einbauen, mal ein paar Takte nur mit der HiHat arbeiten, oder mal nur mit der Bassdrum. Es macht keinen Sinn jeden Takt einfach immer wieder zu duplizieren, auch wenn die DAW es einem diesbezĂŒglich verdammt einfach macht.
Im letzten Teil will ich dann nochmal etwas zu Polyrhythmen schreiben...