Ins Hintertreffen geraten [bei der neuen Lifestyle-Konsumption] […] diejenigen, die vielleicht nicht zwingend Anhänger traditioneller Lebensweisen sind, aber aus diesem oder jenem Grund noch in ihnen befangen blieben. Ihnen fehlt der Glamour und die Exotik dieser noch zu erschließenden Märkte; ihre Repräsentation bleibt in den Produkten der gehobeneren Kulturindustrie aus, sodass sie aufs ‘Unterschichtenfernsehen’ und 'Daytime-TV’ verwiesen sind, in dem noch normale Menschen ihre abnormalen Probleme zum Besten geben, die allerdings keinerlei Distinktionsgewinn mehr mit sich bringen. Als bereits erschlossene kaufkräftige Nachfrage bleiben sie doch eigentümlich konturlos in dem Maße, in dem ihre Kaufkraft eben doch nicht mehr reicht, sich in die Inszenierungsregime der hippen, flexiblen Millenials hineinzuheben, deren amorpher Lebensstil schon daher schlecht kopierbar ist, als er sich direkt aus veränderten materiellen Notwendigkeiten ergibt. Millenials sind fleischgewordener Sachzwang und apolitisiertes Resultat mehrerer Dekaden neoliberaler Umgestaltung der Lebenswelt. Während diese noch aus dem Flair, den ihre Neuheit bedient, einen gewissen Distinktionsgewinn ziehen können, der sie vorab abhebt vom traditionalistischen Pack, sieht dieses sich zunehmend unter einem Zugzwang, der fatal wirkt, wenn man bedenkt, was für beträchtliche Teile des Elektorats noch von ihm gestellt werden.
Konstantin Bethscheider: Unästhetischer Kapitalismus – Notizen zu Zivilität und Kapital








