Liegen
Du kommst gut zurecht.
Du beschwerst dich zwar ab und zu über diese oder jene politische Entscheidung, die wochenweise alle Abläufe auf den Kopf und dich vor neue Tatsachen stellt. Die spinnen doch. Haben die vom Leben keine Ahnung. Das ist widersprüchlich. Wie soll das gehen. Wer bezahlt das. Wo bleibt die Perspektive.
Und arrangierst dich. Schlängelst dich irgendwie durch. Trickst und flunkerst ab und zu ein bisschen, willst kein Bußgeld riskieren, schickst deine Kinder trotzdem zur Schule, vermisst deinen Urlaub, Geselligkeit, Geborgenheit, Vertrauen, Verständnis, Wärme. Du vergräbst deine Zweifeln unter falschem Pflichtbewusstsein und wählst den einfachen Weg. Den, der dir nicht nur auf dem Silbertablett präsentiert, sondern auch noch mit Gewalt unter die Nase gerieben wird. Geht halt nicht anders, was soll man da machen.
Weil dir die Kraft für den schweren Weg fehlt. Sie ist dir schon vor Monaten ausgegangen, in denen du dich wie ein Spielball in einem riesigen Flipper fühltest. Du wurdest geschubst, gestoßen, bist an zahllosen Wänden abgeprallt, hin und her geflogen, in ein schwarzes Loch ohne Boden gefallen und liegst nun weinend im Dunkeln, schwindelig, orientierungslos und müde. So unfassbar müde, wie du es nie für möglich gehalten hättest. Deine Kraft reicht gerade noch zum Atmen.
Du kommst gut zurecht.
Weil ein Leben im Liegen dir zu genügen scheint.
















