Blue Lassi Shop, Varanasi, India

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Blue Lassi Shop, Varanasi, India
Déjà-vu in Varanasi
Varanasi hat sich bis auf einen Punkt nicht verändert, aber diese Veränderung ist dafür umso gewaltiger: War es schon beim letzten Mal drückend heiß um die Mittagszeit, so lerne ich dieses Mal eine ganz neue Dimension von Hitze kennen. Glaubt man unserem zahnlos grinsenden Hostel-Besitzer, geht hier in zwei bis drei Wochen nach sechs Uhr morgens keiner mehr vor die Tür. Aber damit haben wir gerechnet und die zwei Tage bewusst zum schreiben, Mails beantworten, Weiterreise diskutieren und lesen eingeplant. An beiden Tagen schlendern wir morgens an den Ghats entlang bis zum nördlichen Ende, wo wir in einer Art Café-AC-Ventilator-Hopping den Tag verbringen, bis die Temperaturen gegen Abend wieder humane Ausmaße angenommen haben. Auch die Ghats werden um diese Zeit wieder belebter und so bekommt auch Linus noch mit eigenen Augen zu sehen, was mich an Varanasi in den Bann gezogen hat. Obwohl die Stadt zu einer der dreckigsten auf meiner Reise gehört und vor allem jenseits der Ghats selbst für indische Verhältnisse bemerkenswert hässlich ist, herrscht am Ufer des Ganges eine unvergleichbare Atmosphäre. Es liegt etwas in der Luft, das schwer zu greifen aber für jeden, der sich darauf einlässt, deutlich spürbar ist. Am ersten Abend treffen wir durch Zufall Ellen und Laura, die beiden Architekturstudentinnen von der Kamelsafari, die sich zum Abendessen für die gleiche Dachterasse wie wir entschieden haben-was bei dem überbordenden Angebot an selbigen eine ansehnliche Leistung darstellt. Mir wurde vor kurzem gesagt, dass das meist verwendete Wort in meinem Blog 'Dachterasse' sei. Wenn ich darüber nachdenke, kann ich das nicht abstreiten-der Norden Indiens muss aus der Vogelperspektive wie ein einziger Flickenteppich aus Dachterassen wirken. Unser zweiter und letzter Abend in Indien ist unspektakulär und grade deshalb ein wunderschöner Abschluss. Nach einer langen Fotorunde an den Ghats und dem allabendlichen ganga aarti Ritual führe ich Linus durch das Gassengewirr zu einem Streetfood-Stand aka hole-in-the-wall, der schon bei meinem letzten Besuch in Varanasi von morgens bis abends hinter all den drängelnden Indern kaum zu erkennen war. Es muss also etwas besonderes sein. Zwar verunsichert mich Linus kurzzeitig, als er zu Bedenken gibt, das Joghurt und Kokos-Chutney, das den ganzen Tag in der Hitze vor sich hin wabert, bei Bakterien sicher nicht unbeliebt ist, aber letztendlich kann ich nicht wiederstehen und es schmeckt, wie zu erwarten, köstlich! Nachdem mein Magen die letzten zwei Monate-völlig untypisch für Indien-ohne ein einziges größeres Drama überstanden hat, bringe ich ihm mittlerweile eine fast unerschütterliches Grundvetrauen entgegen. Es wird dich herausstellen, ich ich irgendwann noch dafür bezahlen muss. Mit einer symbolischen letzen Blue Lassi stolpern wir durch die unbeleuchteten Gassen über diverse Kuhfladen und schlafende Hunde hinunter zu den Ghats und genießen dort unter den wachsamen Augen einer dicken Kuh unsere letzten Stunden in Indien. Mitten in der Nacht satteln wir unsere Rucksäcke und rumpeln auf dem Rücksitz einer der klapprigen Fahrrad-Rikshas Richtung Bahnhof. Hier steht uns zum Abschluss ein durch und durch authentisches, indisches Zugfahr-Erlebnis bevor. Aber das ist eine Geschichte für sich.
BEST LASSI EVER!!!