Meine Legokiste ist voller Düsentriebwerke
Durch einen Tweet wird die Techniktagebuchredaktion auf die Smartphone-App Brickit aufmerksam. Diese kann anscheinend das Kamerabild eines Haufens Legosteine analysieren, dabei die Formen einzelner Steine identifizieren und dann Vorschläge machen, was man daraus bauen kann.
Da ich über hinreichende Vorräte an Lego verfüge, beschließe ich, dieses Wunderding baldmöglichst auszuprobieren. Einige Abende später ist es soweit. Ich starte meinen Versuch gemeinerweise, als Kinder im Bett sind, da sie sonst natürlich auf ihre gewohnte Weise mit den Legos herumtollen wollen würden. Als Testmaterial verwende ich eine Kiste 80er-Jahre Lego Technic [sic], die noch im Keller lagert.
Die App funktioniert im Wesentlichen, wie angekündigt. Die Analyse des Kamerabildes braucht eine Weile, läuft aber flüssig.
Die App erkennt bei Weitem nicht alle Steine, macht bei den erkannten aber nur wenige Fehler. Ich hatte mir aber auch keine besondere Mühe gegeben, also nicht alle Teile auseinander geschoben, sondern sogar viele noch irgendwie zusammengebaute Steine so gelassen und alles auf eine gemusterte Decke gekippt, statt direkt auf den Holzfußboden.
Die vorgeschlagenen Konstruktionen sind hübsch, zum Teil allerdings auch recht simpel. Es gibt zu jedem Modellvorschlag eine richtige "mehrseitige" Bauanleitung, wie bei gekauften Lego-Sets. Dazu wird jeweils angezeigt, wo im Haufen die im aktuellen Schritt benötigten Teile liegen.
Vor allem werden auch viele Modelle vorgeschlagen, für die nicht alle Teile erkannt wurden, sodass man doch wieder experimentieren und eigene Kreativität einbringen muss/darf.
Ich entscheide mich für diesen niedlichen Hubschrauber.
Die Farben der Steine sind der App offenbar egal, mit der Konsequenz, dass meine Version des Hubschraubers keine durchsichtige Cockpitkanzel bekommt.
Im Gegenzug kann ich aber zwei der Düsentriebwerke hinzufügen, die in der Kiste überraschend zahlreich vorhanden sind.
Soweit ich sehe, werden hauptsächlich die Steine mit klassischen Formen erkannt bzw. darauf basierende Modelle vorgeschlagen. Dementsprechend finden die ausgefalleneren Steine wenig bis gar keine Verwendung.
Zusammen mit meinem beinahe antiken Steinehaufen verstärkt das den nostalgischen Effekt, denn ich finde es offensichtlich, dass Legosteine im Laufe der Zeit immer weiter ausdifferenziert wurden. Dadurch gibt es heute viele Spezialteile, von denen jedes einzelne kaum noch anders verwendet werden kann, als in der einen speziellen vorgesehenen Rolle.
Früher™ gab es hingegen weniger verschiedene Formen und so mussten z.B. die Masten und Rahen eines Segelschiffs aus Steinen der klassischen Formen gebaut werden. So ähnlich ist es auch bei den Modellen der Brickit-App.
Differential aus speziellen Spezialteilen
Andererseits stelle ich fest, dass das Konzept der App meinen Lego-Gewohnheiten etwas zuwiderläuft, da ich gern beiläufig in den Teilen stöbere, wodurch der Haufen rasch immer stärker vom ursprünglichen Kamerabild und dem darauf basierenden Erkennungsergebnis abweicht. Das passiert durch das Verbauen von Teilen natürlich sowieso, aber sicher weniger schnell.
In einem weiteren Versuch legt die Brickit-App auch mit einem Haufen Duplo – also den größeren Klötzchen für kleinere Kinder – fröhlich los, erkennt aber im Wesentlichen die Steine, die Maxi-Versionen der normalgroßen Legos sind, und macht ansonsten viel mehr Erkennungsfehler.
Am Ende hängt es natürlich ohnehin stark von der Art und Zahl der vorhandenen Legosteine ab, welche Vorschläge man bekommt und umsetzen kann. Mir hat der Versuch jedenfalls viel Spaß gemacht und bestimmt werden weitere folgen.