Mechlempe, die Katze der Kaiserin Zeo Porphyrogenita
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Mechlempe, die Katze der Kaiserin Zeo Porphyrogenita
Yerebatan Sarnıcı by Bastian Kratzke Via Flickr: Famous Basilica Cistern in Istanbul. Last time I was in Istanbul it had been closed for renovation, luckily this time it was open to visit again. Laowa 15mm 2.0 on Sony A7III
Thessaloniki, View from Eptagyrion
Ronneburg 2017
Samiotisches Kaffeetagebuch II: Kastell Potami
Ppotami war für mich vor allem eine Geschichte des Scheiterns. Verheißungsvoll recken sich die Zinnen einer Burgruine in den Himmel, gut sichtbar von der Straße aus, aber für mich vor zwei Jahren unerreichbar. Der Weg zur Burg sollte hinter der byzantinischen Kirche Panagia tou Potamou, auch bekannt als Metamórfosis tou Sotíros – Verklärung des Heilands – losgehen. Einige der Bauelemente in der…
Konstantin der Große mit dem Stadtmodell Konstantinopels (Mosaik in der Hagia Sophia, um 1000)
Glanz und Verfall eines Imperiums
Um fast 1000 Jahre überlebt der Ostteil des Imperium Romanum den 476 n. Chr. untergegangenen Westen. Das Byzantinische Reich trotzt Naturkatastrophen und Seuchen, und immer wieder bedrohen es Feinde in seiner Existenz. Doch nach jeder Attacke erstrahlt Byzanz abermals in neuem Glanz
von Joachim Telgenbüscher
Den Aufstieg zur größten Metropole des christlichen Mittelalters verdankt Konstantinopel seiner strategisch günstigen Lage: Vom Bosporus aus lassen sich sowohl Balkan als auch Kleinasien leicht erreichen und damit regieren. Zudem verlaufen hier die wichtigsten Handelswege zwischen Orient und Okzident. Und nicht zuletzt beherrscht, wer die Meerenge zwischen Europa und Asien kontrolliert, die Schifffahrt vom Schwarzen Meer ins Mittelmeer.
Doch zugleich erwächst der Stadt aus ihrer Lage eine existenzielle Bedrohung. Denn nur 20 Kilometer vom Zentrum entfernt bewegt sich der Boden: Ein Stück der Erdkruste schiebt sich dort an der eurasischen Platte entlang. Hier bauen sich gewaltige Spannungen auf, die sich immer wieder in Beben entladen. Forscher sind überzeugt: Die nächste Katastrophe kommt bestimmt.
Das Byzantinische Reich ist im 6. Jahrhundert so groß wie nie zuvor
Ihre Einschätzung klingt wie das Leitmotiv von 1000 Jahren byzantinischer Geschichte*: nicht nur, weil die Stadt tatsächlich mehrmals von Beben heimgesucht wird. Sondern auch deshalb, weil Konstantinopel immer wieder Krisen ertragen muss, die so dramatisch sind, dass es einen wundern lässt, wieso das Reich überhaupt derart lange überlebt.
Gleich viermal wird Byzanz von Desastern getroffen, die in ihrer Wirkung zerstörerischen Erdstößen ähneln.
Im Jahr 565, beim Tode Kaiser Justinians, ist Byzanz so groß wie nie zuvor - und nie mehr danach. Denn schon bald schrumpft das Byzantinische Reich: Erst geht Italien verloren, dann auch die Levante und Nordafrika Stefanie Peters für GEO EPOCHE
Es beginnt im 4. Jahrhundert mit der Völkerwanderung, dem Ansturm von germanischen Goten und asiatischen Hunnen, die mehrmals vor den Mauern der Stadt auftauchen und sie nur deshalb nicht überwinden können, weil ihnen dafür Waffen und Wissen fehlen.
Rund 200 Jahre später marschieren von der Donau die Awaren und aus dem Osten erst die Perser und dann die Araber bis vor die Kapitale und versuchen sie zu erobern. Auch sie kämpfen vergebens.
Im 11. Jahrhundert vernichten türkische Seldschuken ein Heer aus Byzanz und besetzen weite Teile Anatoliens. Und 1204 stürmen katholische Kreuzfahrer die Metropole am Bosporus, die sie für 57 Jahre beherrschen werden.
Jede dieser Krisen ist dramatisch genug, um das Reich zu Fall zu bringen. Doch Byzanz überlebt sie alle. Mehr noch: Nach jedem Rückschlag sammeln die Kaiser ihre Truppen, und auf die Katastrophe folgt der Aufschwung – das Imperium, das schon am Ende schien, erblüht von Neuem.
Könnte man auf einer Karte das Hin und Her der byzantinischen Grenzen im Laufe der Jahrhunderte wie in einem Trickfilm per Zeitraffer ablaufen lassen, würde es wirken, als pulsierte das Reich: Es schrumpft plötzlich, nur um sich danach wieder aufzublähen.
So ist das wahrlich Staunenswerte an Byzanz nicht die Macht seiner Kaiser oder die Anmut seiner Ikonen – sondern seine Langlebigkeit. Nach dem Untergang des Weströmischen Reiches im Jahr 476 bewahren die Herrscher von Konstantinopel das Erbe der Cäsaren noch rund 1000 Jahre. Doch woher nehmen sie die Kraft dazu?
Der Schlüssel zu der bemerkenswerten Stabilität des Imperiums ist seine Hauptstadt: Wieder und wieder wird Konstantinopel belagert, aber 900 Jahre lang halten seine Mauern stand. Zu mächtig sind die Befestigungsanlagen, zu schwierig ist für Belagerer die Abriegelung der Metropole am Bosporus, die an drei Seiten von Wasser umgeben ist.
Wäre die Kapitale des Reiches bei einem dieser Angriffe gefallen, hätte die byzantinische Geschichte möglicherweise ein frühes Ende gefunden: ähnlich wie es im von den Germanen eroberten Westen geschah, nachdem die Barbaren Rom geplündert hatten. So aber behalten die Kaiser von Byzanz die Kontrolle über ihre Kapitale – und damit über den effektivsten Herrschaftsapparat jener Zeit.
Denn anders als die christlichen Könige im Abendland, die sich im Mittelalter bisweilen auf eigenwillige adelige Gefolgsleute stützen müssen, regieren die byzantinischen Monarchen ihr Reich mittels einer zentralen Verwaltung. Von Konstantinopel aus können die Kaiser ihren Willen daher auch in entfernten Provinzen durchsetzen und dort selbst nach Rückschlägen ihre Herrschaft schnell wiedererrichten.
Antikes Mosaik aus byzantinischer Zeit im Mosaikmuseum des Großen Palastes in Istanbul
Dabei profitieren sie von dem legendären Reichtum, der sich im Laufe der Jahrhunderte in Konstantinopel durch Handel angesammelt hat. Bis zum Angriff der Kreuzfahrer im Jahr 1204 ist Byzanz eine wirtschaftliche Supermacht, sind seine Goldmünzen die Leitwährung des gesamten Mittelmeerraums.
Die Steuern, die Kaufleute sowie Bauern zahlen, legen die Kaiser oft in Kirchenschätzen an – denn dies sind Reserven, die sie bei Bedarf versetzen können, um Truppen auszuheben oder sich durch Tribute Zeit zu erkaufen.
Aber es sind nicht nur die Mauern, die Beamten und das Geld, die Byzanz stützen, es ist auch ein weniger greifbarer Faktor: Als christliche Vormacht des Ostens wird das Kaiserreich selbst von seinen Feinden bewundert. Erbitterte Gegner, wie etwa der Großfürst von Kiew, geraten nach und nach unter den Einfluss der orthodoxen Kirche und nehmen schließlich den Glauben der Byzantiner an. So sichern auch die vom Bosporus ausgesandten Missionare dem Reich neue Verbündete unter fremden Völkern.
Und dennoch fällt auch dieses Reich schließlich. Der Weg in den Untergang beginnt mit dem Triumph der Kreuzfahrer im Jahr 1204: Die katholischen Ritter wenden sich gegen die vermeintlichen Häretiker im orthodoxen Konstantinopel, plündern die Stadt aus und zerschlagen zugleich die Verwaltung.
Zwar gelingt es den Byzantinern später, ihre Kapitale zurückzugewinnen und das Imperium zu erneuern – aber das Reich ist nun stark geschwächt.
Die letzten Tage des Byzantinisches Reichs
Die türkischen Osmanen werden diese Krise für sich nutzen: Im Verlauf des 14. Jahrhunderts erobern sie systematisch fast alle Besitzungen des griechischen Kaisers. Und anders als die Gegner früherer Zeiten verschwenden sie ihre Kräfte nicht mit blindem Anstürmen, sondern bereiten ihre Attacken auf die byzantinische Hauptstadt lange und geduldig vor. Nach und nach schneiden sie die Kapitale von ihrem Hinterland ab und umzingeln sie schließlich – bis der Moment zum entscheidenden Angriff gekommen ist.
Und so ähnelt der Untergang von Byzanz, so dramatisch der Endkampf um die Stadt im Mai 1453 auch ist, keinem plötzlichen Erdstoß. Sondern eher einem allmählichen Erlöschen.
Langsam und unausweichlich.
* Die „Byzantiner“ haben sich selbst nie so bezeichnet.
Sie nannten sich Rhomaioi (griechisch für „Römer“). Denn in ihren Augen lebten sie noch immer im Imperium Romanum. Den Begriff „Byzanz“ haben erst spätere Historiker geprägt, um das Reich von Konstantinopel vom lateinischen Kaisertum abzugrenzen. Was exakt der Anfang dieses Reiches gewesen ist, bleibt unter den Forschern umstritten. Einig sind sie sich indessen, dass die Keimzelle das im Jahr 330 n. Chr. eingeweihte Konstantinopel war. Deshalb lassen wir die vorliegende Ausgabe über die Geschichte des Byzantinischen Reiches mit diesem Datum beginnen.
GEO EPOCHE Nr. 78 - 04/16 - GEO EPOCHE Byzanz
Byzantinisches Reich: Glanz und Verfall des Imperiums - [GEO]
Dem oströmischen Kaiser Justinian I. (482–565) gelang es, das Reich der Vandalen in Afrika und das der Goten in Italien zu erobern
Fünf Gründe, warum das Römische Reich nicht unterging
Berthold Seewald, 04.03.2024
Nach dem Untergang Westroms verstand sich Byzanz als Erbe des Imperiums. Bis ins 12. Jahrhundert war der Kaiserstaat die führende Macht zwischen Europa und Asien.
Vergleiche mit Roms Untergang haben Konjunktur. Übersehen wird, dass im Jahr 476 zwar der letzte Kaiser des Westens abgesetzt wurde. Im Osten aber konnte sich Byzanz noch über Jahrhunderte als Großmacht halten. Ein Historiker findet Erklärungen.
Derzeit ist wieder erstaunlich oft vom Römischen Reich die Rede. Das hat allerdings nichts mit einer Renaissance der humanistischen Bildung zu tun, sondern mit dem unbestimmten Déjà-vu, dass die Krisen und Konflikte der Gegenwart in ihrer Häufung irgendwie an das Imperium der Antike erinnern, das für die Ewigkeit gebaut schien und doch im Jahr 476 von einem germanischen Söldnerführer in die Geschichte entsorgt wurde.
Beim bangen Blick in diesen fernen Spiegel wird allerdings übersehen, dass das Römische Reich Ende des 5. Jahrhunderts keineswegs untergegangen ist, sondern allenfalls sein westlicher Teil. In der östlichen Reichshälfte regierte weiterhin ein Kaiser, dessen Reich von der Donau bis an den Nil reichte und von Justinian I. bis 565 um Italien und Teile Afrikas und Spaniens erweitert wurde. Über Jahrhunderte hinweg war es der am besten organisierte Staat der mediterranen Welt. Zwar sprachen seine Bewohner Griechisch und gehörten der orthodoxen Kirche an. Aber bis zu seinem Untergang 1453 nannten sie sich „Romaioi“, Römer.
Wie die aktuellen Rom-Apokalypsen zeigen, ist Byzanz, wie Ostrom seit dem Ausgang der Antike in der Regel genannt wird, aus dem Blickfeld Europas weitgehend verschwunden – was im Übrigen einiges über den modischen Anspruch aussagt, die eurozentrische Perspektive auf die Geschichte aufzugeben. Da kommt das neue Buch der Historikers Johannes Preiser-Kapeller „Byzanz. Das Neue Rom und die Welt des Mittelalters“ (352 S., 22 Euro) gerade recht.
Als 7. Band der neuen „Geschichte der Antike“ des Verlages C. H. Beck beschließt er ein Projekt, das man gar nicht genug rühmen kann. Denn mit ihm hat Stefan von der Lahr, der scheidende Altertums-Lektor des Münchner Hauses, eine feine Summe seines Wirkens vorgelegt, verbindet die Reihe doch den aktuellen Stand der Wissenschaft mit eleganter, verständlicher und zugleich geraffter Darstellung. Besser lässt sich die Geschichte des griechisch-römischen Altertums nicht erzählen.
Preiser-Kapeller, der an Universität und Akademie der Wissenschaften in Wien lehrt und forscht, setzt da einen glänzenden Schlusspunkt. Nicht nur, dass er die ziemlich komplizierte Geschichte des „Romiosini“, des Römertums im Osten, in seiner ganzen Farbigkeit präsentiert. Er schlägt auch Schneisen durch die zahlreichen Details, indem er sich wiederholt der Frage stellt, „warum das Römerreich nicht unterging“. Fünf Gründe fallen ins Auge:
1. Wirtschaftskraft
Nachdem sein Reichsheer 378 bei Adrianopel von den Goten vernichtet worden war, schien der Fall Ostroms nur eine Frage der Zeit zu sein. Dass es ihm dennoch binnen weniger Jahre gelang, die Barbaren nach Westen abzudrängen und zugleich die Mittel aufzubringen, gegen das Großreich der persischen Sasaniden zu bestehen, verdankte die Regierung in Konstantinopel den Ressourcen Ägyptens, Syriens und Kleinasiens und seinen zahlreichen Städten, die den Zugriff auf Menschen und Steuern ermöglichten. Im Westen dagegen schwand mit der Landnahme germanischer Gruppen die Loyalität vieler Großgrundbesitzer gegenüber Rom und damit die erprobte Integrationskraft des westlichen Imperiums.
Mit Geld und anderen Mitteln ließen sich dagegen in der östlichen Reichshälfte nicht nur Heere und Flotten finanzieren, sondern sie waren auch kräftige Hebel der Diplomatie. So konnte Ostrom wiederholt seine Feinde gegeneinander ausspielen und neue Verbündete gewinnen. Um etwa die Awaren, aus Asien stammende Reiternomaden, ruhig zu halten, warf Kaiser Herakleios 623 einen jährlichen Tribut über 200.000 Solidi, fast eine Tonne Gold, in die Waagschale. Erst die Eroberungszüge der Muslime ab den 630er-Jahren entzogen Konstantinopel die Reichtümer des Orients. Doch bis dahin hatten seine Beamten und Generäle von ihren Gegnern gelernt, sich gegen eine Übermacht zu verteidigen.
2. Lernfähigkeit
Johannes Preiser-Kapeller zitiert aus dem „Strategikon“ des Kaisers Maurikios, einem Militärhandbuch aus dem 6. Jahrhundert. Darin wird nicht nur der Umgang mit fremdstämmigen Söldnern beschrieben, sondern auch ihr Einsatz in kleinen, hoch mobilen Expeditionskorps von 5000 bis 20.000 Soldaten. Von den Persern wurden Innovationen wie die schwere Reiterei, von den Awaren Pferdepanzer und Steigbügel übernommen.
Um die eindringenden Slawen in ihren waldigen unzugänglichen Heimatgebieten zu fassen, riet der Autor des „Strategikons“, „Unternehmungen gegen sie eher im Winter zu eröffnen, wenn sie sich wegen der entlaubten Bäume nicht verstecken können“. Dann zeige „auch der Schnee die Spuren der Flüchtigen“, und „die Flüsse sind durch das Eis leicht passierbar“. Byzanz verharrte nicht in rückwärtsgewandtem Konservatismus, sondern zog wegweisende Schlüsse aus seiner sich wandelnden Umwelt und entwickelte Konzepte, sich darin zu behaupten.
3. Wunderwaffen
Einsatz des „Griechischen Feuers“ auf einer Darstellung des 12. Jahrhunderts
Das gilt auch für die technische Entwicklung. In seinem Kapitel „Glaubensstreit und Wunderwaffen“ erklärt Preiser-Kapeller die berühmteste Geheimwaffe der Byzantiner: das „Griechische Feuer“. Seine Erfindung wird einem syrischen Architekten mit Namen Kallinikos zugeschrieben, der sich während der Belagerung Konstantinopels durch die Araber 674–78 in die Hauptstadt geschlichen haben soll.
Da das Geheimnis dieses „Seefeuers“ verloren gegangen ist, haben moderne Tüftler mit Erdöl-Mischungen experimentiert. Die Substanz wurde wohl erhitzt, unter Druck gesetzt und durch Rohre hinausgepresst und brannte sogar auf dem Wasser. Allerdings neigte die Masse zur Explosion und konnte nur bei ruhiger See und auf kurze Distanz eingesetzt werden.
Sein Jahrhunderte langes Überleben verdankte Byzanz vor allem einem Erbe der Antike: den Befestigungsanlagen Konstantinopels. An der Landseite bestanden sie aus einem sieben Kilometer langen, dreifachen Verteidigungsring. Zusammen mit der 13 Kilometer langen Seemauer „war dies die mächtigste Befestigungsanlage der Mittelmeerwelt und mit antiken oder mittelalterlichen belagerungstechnischen Mitteln nur schwer einzunehmen“, schreibt der Byzantinist. Ganze Armeen sind vor der Stadt verblutet. Ihre erfolgreiche Erstürmung durch die Ritter des Vierten Kreuzzuges 1204 erklärt sich durch Uneinigkeit der Verteidiger. Erst der Einsatz schwerer Geschütze ermöglichte es 1453 den Osmanen, die Mauern sturmreif zu schießen.
4. Verwaltung
Lange haben Historiker darüber gestritten, wann die Provinzen des Reiches als sogenannte „Themen“ organisiert wurden. Dabei handelt es sich um Verwaltungsbezirke, in denen wohl ab dem 9. Jahrhundert die militärische und politische Macht in den Händen eines „Strategen“ lag, was die Schlagkraft enorm erhöhte. Seine Soldaten erhielten Landgüter, auf denen sie ihren Lebensunterhalt erwirtschafteten und die vererbt werden konnten. Im Kriegsfall bildeten diese Bauernsoldaten eine schnell mobilisierbare und schlagkräftige Truppe.
Anders als im Westrom der Spätantike gelang es den Kaisern, ihre in den „Themen“ lebenden Untertanen weiterhin eng an die Zentrale zu binden. In den Abwehrkämpfen gegen Araber, Slawen, Bulgaren und asiatische Reitervölker erwiesen sich die Themen-Korps als schlagkräftige und loyale Verbände. Jedoch konnten manche Generäle der Versuchung nicht widerstehen und griffen nach dem kaiserlichen Purpur. Je mehr aber Konstantinopel ab dem 10. Jahrhundert wieder in die Offensive ging, gelang es Großgrundbesitzern, viele Soldatengüter einzuziehen, was die Kampfkraft der Armee auf die Dauer schwächen sollte. Immerhin vermochten es die Kaiser im 11. Jahrhundert, Byzanz als Großmacht zu etablieren, die von Süditalien bis nach Syrien reichte.
5. Seeherrschaft
Da die großen Binnenräume in der Levante, Italien und auf dem Balkan ab dem 7. Jahrhundert Opfer von Invasoren geworden waren, musste die Flotte die Verbindungen zwischen Konstantinopel und den Außenbesitzungen sichern. Das gelang ihr mit der „Dromone“, einem schnellen Ruderschiff, das nach dem Vorbild der leichten Liburne aus augusteischen Zeiten entwickelt worden war. Ihr „lateinisches Segel“ erlaubte es, am Wind zu kreuzen. Ausgerüstet mit bronzenen Siphonen, wie die Geschütze des „Griechischen Feuers“ genannt wurden, haben die kaiserlichen Admiräle ganze muslimische Flotten vernichtet.
Die Natur kam den Byzantinern bei ihren Abwehrkämpfen wiederholt zur Hilfe. Zum einen war abgelagertes Holz für den Schiffbau im Reich der Kalifen rar, sodass ihre Flotten nicht nur mit dem Gegner, sondern auch mit ihrer Konstruktion zu kämpfen hatten. Strenge Winter und extreme Trockenheit sorgten vom 6. bis 8. Jahrhundert zudem dafür, dass Anatolien als wichtigste Basis Ostroms wenige Versorgungsgüter für Invasoren bereithielt, schreibt Preiser-Kapeller: „Ein Gürtel von verwüstetem und entvölkertem Niemandsland (erschwerte) den Vormarsch größerer Truppenverbände seitens der Araber.“
Der Historiker zitiert das „Buch der Tiere“ des arabischen Gelehrten Amr ibn Bahr al-Gahiz: Das Dromedar, das wichtigste Tragtier der arabischen Armeen, ging im „Land von Rum“ wegen der Kälte ein. Erst die türkischen Eroberer des 11. Jahrhunderts führten mit dem zentralasiatischen Trampeltier ein Kamel mit sich, dem die klimatischen Bedingungen Anatoliens nichts ausmachten. Solche Beobachtungen machen Preiser-Kapellers „Byzanz“ auch zu einer wunderbaren Fundgrube.
Johannes Preiser-Kapeller: „Byzanz. Das Neue Rom und die Welt des Mittelalters“. (C. H. Beck, München. 352 S., 22 Euro)
Byzanz: Fünf Gründe, warum das Römische Reich nicht unterging - WELT