Südengland 2023 - Tag 25
Ladies and Gentlemen!
Wir verlassen Brighton heute schon wieder. Die Zeit vergeht wieder einmal wie im Flug.
Die erste Etappe führt uns bis zum Saltdean Lido, ein Art-Déco Schwimmbad, das 1938 eröffnet wurde. Die Gebäude rund um den Pool sind typisch für das Design der späten 1930er Jahre.
Mit seinen eleganten, geschwungenen Linien sieht es eher wie ein stattlicher Ozeandampfer aus, als ein Freibad. An der Rückseite des Strandbades befand sich einst noch ein Bootsbecken.
Damals galt es als das innovativste Design seiner Art in Großbritannien. Mit seiner Teeterrasse, dem Sonnendeck und dem Café auf dem Flachdach sowie den markanten geschwungenen Flügeln an beiden Enden war es das einzige Strandbad, das im Design Museum in London ausgestellt wurde.
In jüngster Zeit wurde das Bad einem breiteren Publikum bekannt durch den Film “My Policeman”, da hier eine der Schlüsselszenen gedreht wurde.
Zur Zeit werden dort umfangreiche Renovierungsmaßnahmen durchgeführt, von daher war eine Besichtigung, so wie wir uns das wünschten, nicht möglich.
An der Küste fahren wir nun für rund eine Stunde entlang der A 27 nach Osten. Dort biegen wir bei Hastings nach Norden ab. Durch die wunderbare Landschaft von Kent geht es für uns in den Ort Tenterden.
Ein paar Kilometer südlich von Tenterden ist das Weingut Chapel Down beheimatet. Chapel Down wurde 2001 gegründet und ist Englands größter Winzer.
Weinbau auf der kühlen regnerischen Insel? Das wurde lange belächelt. Dabei hat Großbritannien eine vergleichbar lange Weinbautradition wie andere europäische Lander, denn die Römer brachten auf ihren Eroberungszügen den Rebstock natürlich auch nach England. Nur wahrgenommen wurden die Bemühungen auf der Insel nicht.
Das lag unter anderem daran, dass bis vor noch wenigen Jahrzehnten fast ausschließlich Hobbywinzer auf ein paar Hektar Weinberge Wein als Zeitvertreib herstellten.
Das hat sich im ausgehenden 20. und dem Beginn des 21. Jahrhunderts drastisch geändert. Auslöser ist tatsächlich der Klimawandel, der die Durchschnittstemperatur auf der Insel um ein Grad ansteigen ließ, hinzu kommt der mildernde Einfluss des Golfstroms.
Im Süden Englands, in den Grafschaften Essex und Kent und herrscht heute ein Klima wie in der Champagne vor 30 oder 40 Jahren. Und die Gegend besteht aus eben jenem Kalkgestein, dass den Weinen der Champagne wie auch jenen aus Chablis ihren unverwechselbaren Charakter verleihen.
Die Rebflächen sind in den letzten 20 Jahren im Süden Englands geradezu explodiert und umfassen heute bereits fast 4.000 Hektar. Angebaut werden in erster Linie Chardonnay, Pinot Noir und Pinot Meunier, aus denen nach der traditionellen Methode der Flaschengärung international absolut konkurrenzfähige Schaumweine erzeugt werden.
Allein die Produktion dieser „British Sparklings“ macht zwei Drittel der Gesamtproduktion aus. Der Rest entfällt auf Stillweine aus Chardonnay, aber auch aus Bacchus oder Schönburger. Für anspruchsvolle Rotweine ist das Klima indes noch nicht warm genug.
Chapel Down besitzt zwei Weinberge, den Hauptweinberg mit 23 Hektar Rebfläche in Tenterden und einen zweiten in Kit's Coty, der den Schaumweintrauben vorbehalten ist: Chardonnay und Pinot Noir. Die Weine von Chapel Down erhielten im Laufe der Jahre mehrere Auszeichnungen, die die Qualität ihrer Produkte bescheinigten.
Wer einfach nur einen angenehmen Spaziergang unternehmen möchte, besorgt sich im Shop eine kostenlose Karte, auf der eine Reihe von Wanderwegen aufgeführt sind, die sich kreuz und quer über das 68 Hektar große Anwesen erstrecken.
Um jedoch einen Einblick in die eher technischen Aspekte des Prozesses zu erhalten, von der Ernte bis zur Abfüllung, muss natürlich an einer Führung (ca. 1 Stunde und 15 Minuten) teilnehmen, die in das Weingut selbst führt und am Ende eine Verkostung unter Anleitung anbietet.
Im zugehörigen Verkaufsraum werden alle Chapel Down Produkte verkauft. Wenn man sich nicht entscheiden kann, kann man bei einem Mini-Tasting je drei Weine für 10 £ verkosten.
Der Shop verkauft auch lokal produzierte Kekse, Cracker, Käse, Chutneys und Anderes passend zum Wein.
Um das Ganze abzurunden, gibt es noch ein Restaurant, das Swan im Chapel Down, wo Gäste moderne britische Küche genießen können, mit Blick auf die Weinberge rundherum.
Und für diejenigen, die schon immer davon geträumt haben, einen eigenen Weinberg zu besitzen, könnte das angebotene Weinleasing-Programm die Antwort sein. Vielleicht das nächste Geschenk für einen lieben Menschen?
Das Weingut ist das ganze Jahr über täglich für Besucher geöffnet. Eine Voranmeldung ist jedoch dringend empfohlen, da man hier auch auf größere Gruppen eingestellt ist.
Wir hatten die gemischte Picknickplatte für 25 £ uns vorbestellt. Die darf man dann, ähnlich wie wir es von den südafrikanischen Weingütern kennen, auf einem Plätzchen seiner Wahl auf dem Gelände verspeisen. Dazu natürlich noch ein leckeres Getränk aus dem hiesigen Anbau. Manchmal kann das Leben einfach nur schön sein!
Sauer aufgestoßen ist uns allerdings der umfangreiche Einsatz von Einweggeschirr. Auch wenn statt Plastik, Pappe und Holzbesteck ausgegeben werden - dafür werden mehr Ressourcen verbraten, als für Plastik, lediglich die Entsorgung ist (vielleicht) weniger bedenklich.
Und dass man in einem Laden mit solch einem Anspruch die Weine in Plastikgläsern ausgibt, fanden wir ebenfalls eher so naja. Micha hat unser Missfallen darüber auch zum Ausdruck gebracht, woraufhin uns der anschließende Schaumwein dann in richtigen Glasgläsern ausgeschenkt wurde.
Nach der Picknick-Pause (und einem kleinen Sonnenbrand) geht es wieder auf die Piste, weiter in Richtung Osten.
Nach rund einer Stunde erreichen wir Dover und nach weiteren 20 Minuten die kleine Stadt Deal, unsere letzte Station dieser Reise.
Unsere Ferienwohnung befindet sich dieses Mal in einer stattlichen Villa, im Souterrain. Dort unten war in früheren Zeiten das Dienstpersonal untergebracht, heute sind es die Touristen.
Good Night!
Angie, Micha und Mr. Bunnybear (Hasenbär)










